„Kein Gewerbegebiet direkt am Ortsrand“

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Vorigen Sommer hatte die CDU/FDP-Koalition die Diskussion um ein Gewerbegebiet am Ortsrand angestoßen. Seit einigen Wochen wurde nun darüber gestritten, welche Parlamentsbeschlüsse diesen Vorstoß decken und wo genau die zehn Hektar ausgewiesen werden. Jetzt stellte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert klar: auf keinen Fall am Wohngebiet Marienstraße. Foto: Löw

Rödermark - (lö) CDU und FDP haben ihre Pläne für ein Gewerbegebiet am westlichen Ortsrand von Ober-Roden aufgegeben, der erwartete Widerstand der Anwohner war zu groß. „Innerhalb der Koalition gibt es keine Festlegungen auf bestimmte Flächen außer am Hainchesbuckel“,verklausulierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert am Mittwochabend im Bauausschuss noch, was er gestern auf Anfrage im Klartext bestätigte: „Ein Gewerbegebiet genau vor der Wohnbebauung ist für uns nicht akzeptabel.“

Die CDU-Parteivorsitzende Patricia Lips plädierte allerdings dafür, langfristig Gewerbeflächen in Anlehnung an das bestehende Industriegebiet Albert-Einstein-Straße, also weiter weg von den Häusern, auszuweisen.

Außer der Koalition ist auch Bürgermeister Roland Kern ein Stück zurück gerudert. Mitte Februar hatte er noch von rund 97 000 Hektar Reserven an industriell oder gewerblich nutzbaren Flächen gesprochen. Nach einer Sitzung des IC-Aufsichtsrats korrigierte er diese Zahl auf rund 51 000 Quadratmeter. 17 500 davon sind in städtischem Besitz und verteilt übers ganze Stadtgebiet. Der Rest ist in privater Hand.

Kern räumte ein, dass der Wirtschaftsförderung mindestens eine Anfrage nach einer großen zusammenhängenden Fläche vorliegt: Ein Motoren-Bauer möchte 15 000 Quadratmeter kaufen und verspricht 50 neue Jobs. Auf ein neues Gewerbegebiet zu warten, sei die falsche Lösung. Das Bauleitverfahren dauere fünf bis sieben Jahre.

„Wir sind gerade dabei, die Riesenversäumnisse der Vergangenheit zu wiederholen“,kritisierte Dr. Christa Künneke-Durwen (FDP) diese Politik der ruhigen Hand. Ihre Befürchtung: „Rödermark wird zur Schlaf-Stadt im wahrsten Sinne des Wortes!“Ihr Kollege Manfred Rädlerin warf Kern und der AL einmal mehr Blockade-Politik vor.

Augenmaß und Kreativität bei der Vermarktung von städtischen und privaten Gewerbegrundstücken forderte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Armin Lauer. Rödermarks oberster Wirtschaftsförderer, IC-Vorstand Norbert Rink, solle erst einmal Brachen zu verkaufen, bevor er neue Flächen auf der grünen Wiese verlange. Damit lag er gar nicht so weit von der Position der FDP entfernt: Deren Fraktionsvorsitzender Hans Gensert schlug vor, dass das IC private Grundstücke gegen Provision vermakelt.

Der AL-Fraktionsvorsitzende Stefan Gerl will diesen Vermittlungsauftrag auch auf rund 18 500 Quadratmeter leer stehende Büros sowie Produktions- und Lagerhallen ausdehnen. „Die muss die Wirtschaftsförderung auf den Markt bringen.“

Garrit Schaap (AL) warnte davor, die Reserve-Flächen vorschnell zu verkaufen. Grenzwertig ist seiner Meinung nach die Ansiedlung des Motoren-Bauers: Pro versprochenem Arbeitsplatz würden 300 Quadratmeter Grundstück benötigt. Da müsse sich die Wirtschaftsförderung schon die Frage gefallen lassen, ob die erwarteten Gewerbesteuereinnahmen noch in vernünftiger Relation zu den Erschließungskosten stehen.

Die zehn Hektar Gewerbegebiet, die unter der unpräzisen Ortsangabe „westlich der Marienstraße“ wochenlang die politische Diskussion beherrschten, wurden auf Initiative des Ersten Stadtrats Alexander Sturm (CDU) in den Entwurf des Regionalen Flächennutzungsplan aufgenommen, wofür er von der AL scharf kritisiert wurde. Trotz der Festlegung der Koalition auf den Hainchesbuckel sieht Sturm sich keinesfalls von der eigenen Partei vor den Kopf gestoßen. Es sei richtig und wichtig gewesen, die Grundsatzdiskussion über neue Gewerbegebiete in Rödermark anzustoßen.

Denn auch die von Bürgermeister Kern reduzierten Flächenreserven sind seiner Ansicht nach zu hoch angesetzt: Der S-Bahn-Behelfsparkplatz in der Odenwaldstraße mache 5 000 der 17 500 städtischen Quadratmeter aus. Und die Besitzer rund der Hälfte der privaten Reserven hätten schon signalisiert, dass sie nicht bereit seien, zu einem Quadratmeterpreis von etwa 100 Euro - der momentan bei Gewerbegrundstücken üblichen Summe - zu verkaufen.

Quelle: op-online.de

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