Kein Respekt mehr vor dem Sonntag?

Rödermark - (lö) Machen Stadt und Vereine den Sonntag zum x-beliebigen Fest-Tag, an dem der Gottesdienstbesuch höchstens eine Nebenrolle spielt? Rödermarks Pfarrer jedenfalls vermissen bei der Planung wichtiger Veranstaltungen den Respekt vor jenem Wochentag, der für Christen eine ganz besondere Bedeutung hat.

Ihre Kritik haben die Geistlichen in einem offenen Brief an Bürgermeister Roland Kern und die Vorstände der Vereine formuliert.

„Leider beobachten wir zunehmend, dass auf das Interesse vieler Gemeindeglieder, den Gottesdienst besuchen zu können immer weniger Rücksicht genommen wird. Immer wieder erreichen selbst uns Pfarrerinnen und Pfarrer Einladungen zu Veranstaltungen am Sonntagmorgen um 11 Uhr. Unsere Teilnahme daran scheint sogar erwartet zu werden“, klagte Matthias Welsch (Evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden) im Namen von Jens Bertram (Freie evangelische Gemeinde), Elmar Jung (St. Nazarius), Klaus Gaebler (St. Gallus) sowie Sonja und Oliver Mattes (Petrusgemeinde).

Auch wenn der Kirchgang längst nicht mehr die Bedeutung vergangener Jahrzehnte hat, ist der Schutz des Sonntags für die Pfarrer mehr als nur die Bewahrung einer sozialen Institution: Er sei die geistige und geistliche Grundlage unseres Weltverständnisses.

Für Bürgermeister Roland Kern ist die Kritik nicht neu. Die Stadt habe deshalb schon bei der Einweihung der Gedenkstätte in Urberach am 9. November Rücksicht auf Gottesdienstbesucher genommen und den Beginn auf 11.30 Uhr verschoben. Für die Matinee des Ehrenamtes schlägt er einen „fließenden Anfang“ vor: Die Kulturhalle ist wie geplant ab 11.30 Uhr für Smalltalk und Schnittchen geöffnet, mit den Ehrungen will er bis 12 Uhr warten.

Die Vorsitzenden der Ortsvereinsringe, Dieter Hüllmandel (Urberach) und Stefan Junge (Ober-Roden), wollen das Thema bei den nächsten Sitzungen ansprechen und abwarten, ob Vereinsvorstände die Terminüberschneidung als Problem betrachten. Vorschriften - so war zumindest gestern Stand der Dinge - wollen sie ihren Mitgliedern aber keine machen.

Feiertagsgesetz

Der Paragraph 7 des Hessischen Feiertagsgesetzes hat folgenden Wortlaut:

An den gesetzlichen Feiertagen sind von 4 Uhr bis 12 Uhr verboten:

1. Veranstaltungen, bei denen eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung einzelner zur Teilnahme besteht;

2. öffentliche Tanzveranstaltungen;

3. andere der Unterhaltung dienende öffentliche Veranstaltungen, wenn nicht ein überwiegendes Interesse der Kunst, Wissenschaft, (...) oder Politik vorliegt;

4. alle sonstigen Veranstaltungen sowie Aufzüge und Umzüge aller Art, wenn hierdurch der Gottesdienst unmittelbar gestört wird.

Wo ein Nachmittagsgottesdienst üblich ist, gilt das Verbot des Abs. 1 Nr. 4 (...)

Quelle: op-online.de

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