Kein unentrinnbares Schicksal

Sozialpädagogin zeigt in Ausstellung, was Wohnungslosigkeit bedeutet

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Sozialpädagogin Malvina Schunk zeigt die vielen Facetten von Wohnungslosigkeit.

Ober-Roden - Obdachlosigkeit hat viele Gesichter. Sozialarbeiterin Malvina Schunk hat ein Dutzend Schicksale in einer Text- und Bilderschau zusammengetragen. Die Bilder sind bis zum 15.  Dezember im Rathaus Ober-Roden zu sehen, dann wandert die Ausstellung weiter.

Zwölf Menschen leben derzeit in den städtischen Unterkünften für Wohnungslose, Herr S. ist einer von ihnen. Mit einem Partner hatte er ein Geschäft. Es lief lange Zeit gut, doch irgendwann gingen die Aufträge wegen der Konkurrenz im Internet immer stärker zurück. Nur wenige brauchten noch den Service vor Ort. Das Arbeitsamt vermittelte S. Jobs. Der einstige Geschäftsmann hangelte sich von Firma zu Firma, bis er keinen neuen Vertrag mehr bekam. Er verlor seine Wohnung und kam in eine Gemeinschaftsnotunterkunft der Stadt. Ein „Hartz IV“-Antrag scheiterte an Unterlagen, die S. nicht beschaffen konnte, weil er mit einem Hirnschlag ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Funktionsfähigkeit seiner Finger war danach ebenso eingeschränkt wie der ganze Bewegungsapparat. Deshalb ist nicht klar, ob Herr S. jemals wieder arbeiten kann.

Sein Schicksal ist eines von zwölf, die derzeit in einer ebenso sehens- wie lesenswerten Ausstellung im Treppenhaus des Rathauses Ober-Roden dokumentiert werden. Es geht um „wohnungslose Menschen in Rödermark“. Fotos und Texte stammen von Malvina Schunk. Die Sozialpädagogin ist seit gut einem Jahr für die Wohnungslosenunterkünfte der Stadt zuständig. Mit der Ausstellung möchte sie Öffentlichkeit schaffen für ihr Thema, möchte der Stigmatisierung von Menschen entgegenwirken, deren Leben aus vielerlei Gründen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und mit dem Verlust der Wohnung ist auch der Alltag oft in einer Schieflage.

Es sei wichtig, dass sich die Stadt mit einer Ausstellung dem Thema Obdachlosigkeit widme, sagte Bürgermeister Roland Kern. „Es kann jedem passieren: Das bewusst zu machen, ist auch ein Ziel dieser Ausstellung!“ Die Einbeziehung der Öffentlichkeit könne Vorurteilen entgegenwirken und damit zur Lösung der Probleme beitragen. Dieses Konzept habe Malvina Schunk von Anfang präsentiert. Schon mit der Einstellung von Malvina Schunk habe die Stadt gezeigt, dass sie offensiv mit diesem Thema umgehen wolle. Das bestätigte Schunk: „Hier hat man sich entschieden, dass die Klienten auch sozialpädagogisch betreut und nicht nur ‚verwaltet‘ werden.“ Als Sozialdezernent ergänzte Erster Stadtrat Jörg Rotter: „Den Menschen muss geholfen werden. Ich bin froh, dass diese Arbeit so gut gelingt.“ Seit Malvina Schunk im Rathaus Ober-Roden begonnen hat, ist die Zahl der Wohnungslosen von 21 auf 12 zurückgegangen.

Die Ausstellung versucht, einen vielseitigen Einblick zu geben. Die Texte stellen nicht nur die persönlichen Lebenswege der wohnungslosen Menschen dar, sondern greifen auch Schunks Perspektive auf. Zum persönlichen Schutz sind Namen, Daten und Fakten abgewandelt. Die Bilder und Texte, die mit Einverständnis der Betroffenen entstanden sind, geben einen kleinen Einblick, wie Wohnungslosigkeit zustande kommt und was es bedeutet, wohnungslos zu sein.

Beim Eröffnungsrundgang vermittelte Malvina Schunk zudem einen Einblick in ihre Arbeit – man könnte es auch ihr tägliches Kümmern und Mutmachen nennen. Die Besucher erfuhren, dass sich der Wohnungsverlust nicht immer abwenden lässt, dass Wohnungslosigkeit durch Eigenbedarf der Vermieter entstehen kann, durch eine Trennung vom Partner, durch Verschuldung oder durch Schicksalsschläge wie Krankheit. Manchen Klienten hat es schon geholfen, dass sich jemand um sie gekümmert hat. Es gebe aber auch Menschen, so Schunk, „die den Absprung nicht schaffen“.

Die Ausstellung ist im Rathaus Ober-Roden bis zum 15. Dezember, vom 19. Dezember bis zum 19. Januar im „SchillerHaus“ und vom 23. Januar bis zum 23. Februar im Bürgertreff Waldacker zu sehen. (lö)

Quelle: op-online.de

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