Stadt verspricht: Keine Vollzeit-Kita

Bürgertreff bleibt offen für alle Gruppen

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Fast 70 Kinder aus der Amselstraße sammelten Anfang der Woche Müll in Waldacker. Drängender als das Abfallproblem ist der Mangel an Kita-Plätzen im Stadtteil. Ein Waldkindergarten mit Basis im Bürgertreff soll Abhilfe schaffen. Die Pläne des Magistrats weckten bei einigen älteren Waldackerern Befürchtungen, dass die Begegnungsstätte zur Vollzeit-Kita wird und sie nicht mehr willkommen sind.

Waldacker - Der Umbau des Bürgertreffs - unter anderem zum Schlechtwetterraum eines Waldkindergartens - stößt nicht bei allen Waldackerern auf Gegenliebe. Doch der große Proteststurm, den einige Mitglieder der Quartiersgruppe gern entfesselt hätten, blieb aus. Von Michael Löw

Die Zukunft des Bürgertreffs in der Goethestraße war Thema einer Anwohnerversammlung am Dienstagabend. An die 50 Waldackerer diskutierten darüber mit Bürgermeister Roland Kern, Erstem Stadtrat Jörg Rotter, Hausherrin Andrea Sobanski, der Fachbereichsleiterin Kinder und Jugend, Edith Itta, und Isabella Mieth, der Leiterin des neuen Kindergartens „Waldmeister“. Der Bürgertreff soll Mensa und Schlechtwetterraum der Freiluft-Kita sein und deshalb umgebaut werden. Die Heizung ist schon ausgetauscht. In den kommenden Wochen lässt die Stadt die Toiletten kindgerecht sanieren. Außerdem erneuert sie die Elektroinstallation, kauft eine neue Küche und Möbel, an denen sowohl kleine als auch große Bürgertreff-Nutzer sitzen können.

Die Kosten bezifferte Stadtrat Rotter gestern gegenüber unserer Zeitung mit sportlich kalkulierten 40.000 Euro. Am Dienstagabend hatte er zunächst von 75.000 Euro für die nötigen Investitionen gesprochen. Die „Waldmeister“ sollen die Kita Amselstraße ab 1.  August entlasten und haben 20 Plätze, von denen aber erst fünf besetzt sind. Die Stadt bietet drei Betreuungsmodelle von 7 bis 17 Uhr. Morgens sind die Kinder eine Stunde in der Goethestraße. Von da geht’s bis 12 Uhr zur früheren Spielstadt, deren heruntergekommene Blockhütte aufgemöbelt wird. Auch diese Kosten sind laut Rotter in den oben erwähnten 40.000 Euro enthalten. „Die Senioren sind auch weiterhin willkommen. Dafür werde ich kämpfen“, versicherte Quartiersmanagerin und Hausherrin Andrea Sobanski.

Trotz dieser klaren Aussage fragte Marisa Haring, die Sprecherin der Quartiersgruppe Waldacker: „Ist gewährleistet, dass alle bisherigen Gruppen den Bürgertreff weiter nutzen können?“ Auch Rotter bekräftigte, dass „das Angebot uneingeschränkt weitergeführt wird“. Es gebe keine Terminkollisionen zwischen Kindern und anderen Gruppen. Er erinnerte alle Skeptiker daran, dass die Öffnung des Bürgertreffs eine Forderung der Quartiersgruppe war. Die Sorgen, dass der Bürgertreff mittelfristig zur Vollzeit-Kita wird, teilten einige ältere Zuhörer. Doch Marisa Harings ständige Nachhakelei störte einige. „Vielleicht können Sie noch Andere zu Wort kommen lassen!“, war noch einer der freundlicheren Vorwürfe aus der Runde.

Archivbilder

Bürgerfest der Quartiersgruppe Waldacker: Fotos

Christa Walter beklagte einen „Kindergarten-Tourismus auf Kosten der Bürger von Waldacker“. 15 kleine Ober-Röder würden derzeit in der Amselstraße betreut. Bekämen die einen Platz in Ober-Roden, wäre die Wald-Kita überflüssig. Diese Rechnung geht nach Ansicht von Fachbereichsleiterin Edith Itta aber nicht auf: „Definitiv mehr als 15 Kinder aus Waldacker“ gehen in die Kitas anderer Stadtteile. Das liege oft an den Wünschen der Eltern, die ihre Sprösslinge auf dem Weg zur Arbeit oder S-Bahn in die Kita bringen. Der Waldkindergarten ist nach Ansicht des Ersten Stadtrats nur die kleine Lösung, um dem Zuzug von Familien in Waldacker gerecht zu werden: „Aber wir haben kein Geld und können hier kein Grundstück kaufen und eine neue Kita bauen.“ Worauf ein älterer Herr prophezeite: „Da werdet ihr in zehn Jahren nicht drum herum kommen. Denn wo früher ein Bungalow stand, stehen heute sechs Reihenhäuser!“

Quelle: op-online.de

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