Keltenfürst als Attraktion

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Die erste Führung durch die „Keltenwelten“ mit Altbürgermeister Alfons Maurer (rechts).

Rödermark/Glauberg (chz) - Die „Keltenwelt am Glauberg“ am Ostrand der Wetterau - Museum, archäologischer Park und Forschungszentrum zugleich – war Ziel der Kultur- und Museumstouren, die Altbürgermeister Alfons Maurer regelmäßig für interessierte Bürger organisiert.

Beeindruckt zeigten sich die knapp 50 Rödermärker Besucher. Sie waren dankbar dafür, lebendige Eindrücke gut vermittelt zu bekommen. Nicht ohne Stolz betonte Alfons Maurer, dass die Rödermärker die erste geführte Gruppe im neuen Museum waren – bei der Ankunft des Busses wurden auf dem weitläufigen Gelände noch die zahllosen Holzhütten und Toilettenhäuschen vom großen Museumsfest anlässlich der Eröffnung abtransportiert, die Absperrbänder für die riesigen Parkareale wieder eingerollt und alles einer ersten Normalität zugeführt.

Zwei Tage zuvor hatte Ministerpräsident Volker Bouffier das Museum seiner Bestimmung übergeben – ein Projekt, das er als „Meilenstein in der Museumslandschaft“ bezeichnete, in welches das Land Hessen 7,6 Millionen Euro investiert hat. Rödermark hat hier über den Verein Keltenwelten e.V., der von Alfons Maurer und Roland Kern als Zusammenschluss von Gemeinden mit keltischen Wurzeln mitbegründet wurde, durchaus einen Beitrag zum besseren Wissen und Verständnis rund um die Kelten geleistet.

Das neue Museum möchte Leben und Kultur der Kelten auf historischem Grund vermitteln. Es steht auf dem Glauberg an einer Stelle, wo die antike Volksgruppe ein Zentrum hatte. Dort wurden Ausgrabungsstätten nachgebildet und markante Stellen nachgezeichnet und auf Tafeln gut erläutert, wo die Funde entdeckt wurden.

Höhepunkt ist die Steinstatue des Keltenfürsten

Auch für die beiden Lotsen, die Museumsleiterin Katharina von Kurzynski und für den Museumspädagogen Thomas Lessig-Weller, war es eine Premiere, die Schätze in der „Keltenwelt“ vor einer Gruppe auszubreiten. In medialer Vielfalt werden sie dem Betrachter über Gucklöcher interaktiv oder ganz herkömmlich in Vitrinen und Schubladen, auf den Boden eingelassen oder an die Wand geworfen, als Film zum Einstieg oder mit greifbarem Infomaterial erlebbar gemacht.

Anhand der Glauberger Zeit wird die Geschichte der Kelten von den Anfängen bis zu ihrer heutigen Bedeutung etwa in Literatur oder Musik eingeordnet. Wer heute „keltisch“ hört, denkt doch meist an die irischen Wurzeln etwa bei der Musik.

Höhepunkt der Ausstellung am Ende des Rundgangs: die mannshohe Steinstatue des Keltenfürsten, eines Herrschers aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, durch mehrere architektonische Varianten ganz verschieden erlebbar und sehr beeindruckend. Der Herrscher aus Sandstein aus der Gegend: hat er Mickeymausohren? Nein, sondern erstmalig wurde hier ein echter Hinweis darauf gefunden, dass es sich um eine Kopfbedeckung handelte. Vermutlich sind es Eisenringe, die mit einer Art Lederhaut überzogen waren, womit der Herrscher begraben wurde. Und unter dem Kinn? Vielleicht ein Kinnbart.... vieles ist bewiesen, manches noch unsicher, was vor allem auch darauf zurückzuführen ist, dass die Kelten keine Schrift kannten und daher keine Überlieferung existiert. Halsringfragmente, Gürtelschließen oder Schnabelkannen mit faszinierend zierliche Verzierungen machen die Besucher neugierig. Oder ein Panzer aus zwölf Lagen Leinenstoff.

Wiederholungsfahrt ist schon ausgebucht

Vom Museumsdach aus erschließt sich ein wunderbarer Blick über die Wetterau, vor allem aber auf das sechs Hektar große Gelände mit den drei Gräben, den beiden Grabhügeln, nachgebildeten Grabstätten und den 16 Holzstangen, deren Hintergrund bis heute noch nicht eindeutig erschlossen ist. Ungewöhnlich und schon durch seine äußere Hülle nicht protzig, eher schlicht und dennoch sehr imposant und repräsentativ steht das Museum im Hang, umkleidet von Platten aus Cortenstahl.

Die „Keltenwelt am Glauberg“ ist ein weiterer Baustein eines dezentralen archäologischen Landesmuseums, zu dem schon seit Jahren das Römerkastell Saalburg gehört. Dessen Leiter, der Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer, hat Rödermärker Wurzeln.

Und auch Bürgermeister Alfons Maurer konnte mit Informationen aufwarten, die dem versierten Museumspädagogen, der erst seit kurzem in Hessen lebt, unbekannt waren: etwa der keltische Beerdigungszug auf der Bulau, die er gerne auch zu besuchen versprach.

Wer nun die Keltenwelt selbst erleben möchte, muss dies auf eigene Faust tun – die Wiederholungsfahrt mit Alfons Maurer am 9. Juni ist schon ausgebucht. Doch die Anfahrt ist kurz, der Glauberg leicht zu finden.

Quelle: op-online.de

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