Die Sorgenkinder der Kerb

Wildpinkler und nächtliche Krachmacher trüben positive Bilanz

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Säckeweise Abfall haben die Helfer - hier die der Offenen Arbeit - bei der Kerb mehrmals täglich eingesammelt und zu den Container, die unter anderem hinter dem Rathaus standen, gebracht. Aber die wurden zum Leidwesen der Kerbkommission ebenso oft übersehen wie die Hinweisschilder auf vier zusätzliche Toiletten im Ortskern.

Urberach -  Die 36. Orwischer Kerb neuer Zeitrechnung ging gestern Abend mit dem traditionell langen Frühschoppen zu Ende.

Die Macher hatten fast allen Grund, zufrieden Bilanz zu ziehen - wären da nicht die Massen an Wildpinklern und nächtlichen Krakeelern sowie einige Raufbolde.
Die Orwischer Kerb 2017 war Spitze. Das finden alle, die gestern Mittag ein erstes kurzes Fazit abgeben sollen: die Gäste, die sich den schönsten Stand fürs Mittagessen oder für die Livemusik vom Musikverein 06 aussuchen, ebenso wie die Schausteller und Kerbwirte. Das Angebot war gut, die Verpflegung lecker, die Musik kerbgerecht, die Einnahmen entsprechend gut bis sehr gut, größere Unfälle blieben aus. Schlangen gab"s vor allem an den beiden Crêpes-Ständen nahe dem Dalles und bei der Feuerwehr.

Gut besucht waren schon der Freitagabend und erst recht der Samstag; am Sonntag ist Familientag und zum späteren Abend wird’s deshalb auch ruhiger.

Bilder: Kerb in Urberach

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Wären da nicht die hässlichen Begleiterscheinungen, die jedes Jahr für Ärger sorgen: Da sind einmal die Unmengen Flaschen und entsprechend auch Scherben, die Urberachs Ortsmitte abartig verunstalten, obwohl sie mehrfach täglich von Kerbburschen und -mädchen oder Vereinsmitgliedern säckeweise eingesammelt werden. Und da sind die vielen Eckenpinkler, die jede Hofeinfahrt und jeden Busch nutzen, um im Bauch Platz für Nachschub zu machen. Dabei gibt’s kaum Rücksicht, ob Gartenzaun oder Autoreifen im Weg stehen – obwohl es allein vier zusätzliche Kerb-Toiletten gibt, die auch ausgeschildert sind.

„Vielleicht müssen wir die Wegweiser dahin größer machen“, überlegt Dieter Hüllmandel von der Kerbkommission, doch er ahnt die Antwort wohl schon: Viel würde das auch nicht nutzen. So mancher Bürger möchte gerne Anzeige erstatten, möchte damit jedoch „seiner“ Kerb auch nicht schaden. Tagsüber viele Kontrollgänge des Ordnungsamtes und des freiwilligen Polizeidienstes sowie ab 20 Uhr sechs Mann Security sorgten für relativ stressarme Kerbtage. Doch die üblichen Rangeleien am Autoskooter und später am Häfnerplatz sind kaum in den Griff zu kriegen.

Bilder: Kerb in Urberach

Aber generell überwiegt das Lob, auch wenn das „tiefergelegte“ (und ausschließlich von Spenden finanzierte) Feuerwerk am Dalles einen weniger himmelstürmenden Blick ermöglichte. „Wir haben da im kommenden Jahr eh ein Problem“, bedauern Dieter Hüllmandel und Werner Popp, weil das genutzte Grundstück dann nicht mehr zur Verfügung steht. Andere ortskernnahe Plätze werden dafür nicht freigegeben. So bewegt gerade die Überlegung eines allerdings kostenintensiveren „Höhenfeuerwerkes“ auf der Bulau, in der genauen Sichtachse zur Kerbmeile, die Gemüter.

Die Bulau war denn auch einer der großen Lacherfolge beim Kerbspruch von Kerbvadder „Jaggob“ Sturm. Der arme Eremit, der da immer noch in seinem Bauwagen sitzt und am Gleisübergang seine rot-weißen Bänder als Behelfsschranke einhängt (immerhin bekam er an Weihnachten ein Dixi-Häuschen!), erregt die Orwischer. Dass es die Gallus-Kirche ebenso dringend und teuer zu sanieren gilt wie die Feuerwache, ist für den Kerbvadder traurig ist. Traurig ist"s auch, dass das alte Orwischer Äppelwoi-Monopol jetzt in Ober-Röder Hände entgleitet und sogar am „Braaret-Bernsche“ schon mehr Äppler fließt als in Orwisch.

Bilder zur Orwischer Kerb

So manches bekrittelte Jakob Sturm stets humorvoll bei den Nachbarn im Unnerort. Das Kerbtheater im „Dinjerhof“ sei nur deshalb so gut besucht ist, weil sich’s um den „Borsch aus Orwisch“ dreht. Und im Gegensatz zum Urberacher Kerbbaum, der sogar das Riesenrad überragt, ist der Ober-Röder Kollege ärmlich klein.

Bedenklich fand der Kerbvadder denn auch, dass der (Bürgermeister-)Wahlkampf zum Wahlkrampf wurde „unn zwaa Schwarze“ dem Grünen zum Sieg verholfen haben. Gelobt hat er dagegen, dass der „neue Mickler“ gegenüber St. Gallus, „harmonisch in unsern Dalles passt, des finde mer klasse!“ Und ergänzte: „Doch den Stoa hat mein Alder noch ins Rollen gebracht!“ Der so gelobte „Alde“ (der frühere Erste Stadtrat Alexander Sturm) stand ein paar Bistrotische weiter und lächelte still zufrieden in sich hinein. (chz)

Quelle: op-online.de

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