Kerb in Urberach

Zwei Jaggobs haben Orwisch im Griff

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Für viele Süßschnäbel der Inbegriff der Kerbfreuden: Zuckerwatte frisch aus dem Kessel.

Urberach - Das Volksfest des Jahres geht seit Freitag in Urberach über die Bühne. Die Orwischer Kerb wird ihrem Ruf wieder voll gerecht. Mit dem Frühschoppen in den Zelten der Vereine geht das traditionelle Fest heute in die letzte Runde. Von Christine Ziesecke 

Spätestens als am Freitagabend beim Herschwert im Hof zum ersten Mal die Kerbhymne „Die Orwischer Kerb is’ do!“ erklang, kribbelte es wohl bei allen Freunden der traditionellen Kirchweih. Von oben hoch aus dem Kerbbaum schaut in diesen Tagen Kerbborsch Jaggob auf die Kerbmeile im Herzen Urberachs herunter, die Puppe, die von den Kerbburschen und -mädchen schick ausstaffiert und herbeigebracht und von Feuerwehrmann Jan Wahl fest angebunden wurde.

Die Fichte von der Sailerweisenschneise im Orwischer Forst ragt nun dank der Feuerwehr und der Landwirte Geis und Kreis 18 Meter hoch über die Kerb. Aus den übrigen sieben Metern entstanden noch Nagelklötze, die über die Kerbmeile verteilt zum Hämmern einladen.

Der Baum trägt in diesem Jahr keinen Kerbkranz, dafür aber ganz neu ein Töpfer-Zunftzeichen und das Orwisch-Wappen. Und er trägt den Kerbborsch Jaggob – das „J“ war in diesem Jahr für den Namen an der Reihe. Das trifft sich gut, denn ein Jaggob ist es auch, der das Rudel der Kerbburschen und -mädchen als Kerbvadder unter sich hat: Jakob Sturm, stets fröhlich und ruhig, hat gemeinsam mit seinem Namensvetter Jaggob am Baum sicher alles im Griff.

Bilder: Kerb in Urberach

Die Kerberöffnung am Samstag blieb weitgehend trocken – die Kontakte nach oben scheinen auch zu funktionieren. Trocken blieben in diesem Jahr auch die Umstehenden beim Bieranstich, den Erster Stadtrat Jörg Rotter am gespendeten Fass des Darmstädter Braustübls mit dem zweiten Hammerschlag erledigte.

Die Jugend des Musikvereins 06 Urberach zeigte allen anschließend mit Pauken und Trompeten den Weg durch die zahlreichen Kerbstände von Entenangeln übers Blumenschießen bis hin zu gebrannten Mandeln und Zuckerwatte, vorbei an den Zelten der Feuerwehr und des Musikvereins 06, hin zum Stand der offenen Arbeit und zum Riesenrad am anderen Ende der Kerbmeile. Da ging es, ähnlich wie an den anderen Fahrgeschäften, recht ruhig los, doch die Boxautos, die Polizeiautos des Kinderkarussells, der wackelige „Adventure Shuttle“ und auch die knallroten Gondeln füllten sich später sehr ordentlich. Ein Ausblick vom höchsten Punkt des Riesenrads über ganz Rödermark ist tatsächlich auch den recht hohen Eintrittspreis wert.

Bilder: Kerb in Urberach

Neu im Kerbprogramm und eine schöne Ergänzung: Der FC Viktoria hat sich seiner Wurzel besonnen und auch dank der positiven Erfahrungen bei den Pfarrfesten die Bewirtschaftung des Platzes zwischen Galluskirche und Gemeindezentrum übernommen, unterstützt von Langs Gusto, von einem DJ direkt an der Kirchenmauer und vor allem vom wunderschönen Biergarten rund um den Brunnen an der Kirche. Hier können die Kerbbesucher nun in aller Ruhe sitzen und die Kerb mit etwas Distanz genießen. Das wurde schon am Samstag rege genutzt. Zeitweise war nicht mal ein Stehplatz frei.

Für ein sicheres Gefühl sorgten nicht nur vermehrte Polizeikontrollen rund ums Kerbgelände, sondern auch sechs Security-Mitarbeiter, die an allen drei Abenden auf und rund um die Kerbmeile zu Fuß unterwegs waren – je drei an den beiden Endpunkten und regelmäßig dazwischen. Dass es trotzdem spätestens am Montag die ersten Beschwerden seitens der Anwohner bei der Kerbkommission geben wird, ahnte Moderator Werner Popp schon bei seiner Eröffnungsrede. Vielleicht trösten sich die Urberacher damit, dass nur einmal im Jahr Orwischer Kerb ist und dass sie in drei Wochen dann bei den Nachbarn in Ober-Roden feiern können, wo sie nicht selber aufräumen müssen.

Bilder zur Orwischer Kerb

Heute, Montag, jedenfalls geht’s ab 11 Uhr noch mal hoch her in Urberachs Ortsmitte. Dann geht der Frühschoppen in den Zelten und im Freien in den Kerbausklang über.

Quelle: op-online.de

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