Kern fordert Pflicht zur Zuversicht

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Leere Kassen prägen Neujahrsempfang von Gewerbeverein und Stadt. Frankfurts Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne) verlangt ein Ende der Opferrollen-Diskussion im Speckgürtel.

Ober-Roden (chz) - Der gemeinsame Neujahrsempfang des Gewerbevereins und der Stadt war von der prekären Finanzlage in Rödermark und der Suche nach Auswegen beherrscht.

Bürgermeister Roland Kern und Gewerbevereinsvorsitzender Manfred Rädlein wagten vor Gästen aus Handel, Vereinen und Politik eine vorsichtig optimistische Prognose.

Wohl wissend, dass ein ausgeglichener Haushalt über Jahre hinaus nicht zu erwarten ist, dankte Kern den Bürgern für das rege Interesse in Gestalt des zehnprozentigen Rücklaufs der Befragung zum Etat 2012. Er verdeutlichte aber, dass mit herkömmlichen Methoden schlechten Haushaltszahlen nicht mehr beizukommen sei, weshalb nach Neuem gesucht werden müsse. Dazu zählte er auch die Wiedereingliederung der Wirtschaftsförderung in die Verwaltung.

In einer Klimaschutz-Werkstatt für nachhaltiges und sinnvolles Wirtschaften, in der Unterstützung des Schulträgers in der Sprachförderung und im Ausbau der Kleinkinderbetreuung sieht er gute Ansätze, Rödermark auf Dauer attraktiv und damit finanziell wieder handlungsfähiger zu machen. In die gleiche Richtung zielen seiner Ansicht nach der Neubau der Berufsakademie, das Betreute Wohnen in der Ober-Rodener Straße als Ersatz für das Haus am Mühlengrund oder der rege genutzten Stadtteiltreff „SchillerHaus“. Seine positive Sicht der Lage basiert laut Roland Kern auf dem Kant-Zitat „Auch in schwierigen Zeiten gibt es eine gewisse Pflicht zur Zuversicht“.

Manfred Rädlein betonte die vergleichsweise gute Wirtschafts- und Beschäftigungslage in Deutschland. Für Rödermark dagegen mahnte er dringend benötigte Steuereinnahmen an, sah die Stadt jedoch durch kluge und innovative, positionierte Wirtschaftsförderung und immer weniger Leerstände gerade im Ortskern von Ober-Roden auf dem besten Wege dahin. Er forderte die Freigabe weiterer Gewerbeflächen, um zukunftsorientierte Branchen vor allem aus dem Export anzusiedeln. Für die Gewerbeausstellung „UHIGA 2012“ kündigte er ein völlig neues Konzept an.

Jutta Ebeling als Gastrednerin

Als Vorlage für die Gastrednerin Jutta Ebeling, Bürgermeisterin und Dezernentin der Stadt Frankfurt für Bildung und Frauen, zitierte Rädlein aus dem Haushaltsentwurf von Kämmerer Alexander Sturm. Der hatte die Behauptung, dass die Kommunen im berühmten Speckgürtel von Frankfurt profitieren, ins genaue Gegenteil verkehrt. Die rund 3800 Rödermärker, die in Frankfurt arbeiten, erwirtschaften dort 8,2 Millionen Euro Gewerbesteuer pro Jahr. Gleichzeitig müsse die Stadt Rödermark aber 2,8 Millionen Euro für die Kindergarten- und Schulbesuche der Pendler-Kinder aufbringen. Von der Metropole ins Umland müsse also der (Gewerbe-)Steuerausgleich fließen und nicht umgekehrt.

Jutta Ebeling hielt dagegen, dass die Metropole die gleichen Probleme wie etwa Rödermark hat - nur in anderen Dimensionen: nämlich die Zukunft lebenswert zu gestalten. Die Grünen-Politikerin sieht dabei eine besondere Anforderung an Bildung und Ausbildung: „Ein großer Anteil wirtschaftlicher Kraft entgeht einer Stadt und einem Land, wenn man nicht in Bildung investiert. Kein Kind darf zurückgelassen werden!“

Zur gerechteren Verteilung der Gewerbesteuereinnahmen zwischen Großstadt und Umland verwies sie auf die vielen Schritte in diese Richtung. „Ich wünsche mir, dass wir die Verteilung in Zukunft nicht mehr als Gegensatz diskutieren, dass sich das Umland nicht dauernd in der Opferrolle sieht, sondern dass wir ein partnerschaftliches Miteinander pflegen.“ Nur gemeinsam lässt sich die Vielfalt dieser Region präsentieren – eine Wirtschaftsförderung Rhein-Main sowie eine gemeinsame Kulturregion sind in guter Ansatz.

Quelle: op-online.de

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