Viel Arbeit für den „Kern“ im Säckel

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Nach einer Woche haben die Spielstadtbürger ihr Stadtoberhaupt bestimmt.

Ober-Roden - Früher hieß das Städtchen Rödelhausen, die Währung war der „Rödel“, und die Zelte bildeten die Miniatur eines echten Ortes wie Rödermark. Von Christine Ziesecke

Heute heißt der Ort schlicht Kinderspielstadt, die Bewohner können ihre Einkäufe mit Scheinen von einem, zwei oder fünf „Kern“ bezahlen.

In Szene gesetzt wurde die Stadt in der Stadt vom „RömKids“- Ferienspielteam unter der Leitung von Stephanie Grabs, einer Sozialpädagogin. 48 junge Bürger zwischen acht und zwölf Jahren sind hier zwei Wochen lang zuhause.

Der erste Weg um 9 Uhr morgens führt die Ankömmlinge ins Einwohnermeldeamt, wo sie ihre Ausweise in Empfang nehmen, und weiter zum Arbeitsamt, wo sich eine Schlange am Laptop bildet: Hier werden die Jobs im Gemeindewesen täglich neu vergeben.

Kinder sollen erkennen, was sie brauchen

Ursprünglich ist nichts vorgegeben. Die Kinder sollen selbst erkennen, was sie brauchen und was sie darüber hinaus möchten. Die Jobs werden stundenweise bezahlt – zumeist mit 7 „Kern“, im Ausnahmefall Müllabfuhr mit 10 „Kern“; Arbeitslose bekommen 3 „Kern“ Unterstützung. Die „Polizei“ wurde rasch wieder aufgelöst – sie füllte ihren Job wohl etwas zu autoritär aus.

14 Betreuer, im Kinderstadt-Jargon der „Ältestenrat“, koordinieren ganz dezent im Hintergrund das Geschehen. Zum Team gehört auch Marina Rother (22), sie ist hier aufgewachsen und studiert in Bonn Kindheitspädagogik. „Die Kinderspielstadt ist etwas Heimatverbundenes – hier, wo man das alles kennt“, berichtet sie. Leonie Janke (17) ist über die SSG dazu gestoßen, Jenny Ankenbrand ist Praktikantin bei der Stadt.

Bürgermeister erst nach fünf Tagen gewählt

Erst nach fünf Tagen wurde der Bürgermeister gewählt – damit sich die Kandidaten auch vorher profilieren und beschnuppern lassen konnten. Fünf Stadträte wurden nominiert, der Urnengang brachte ein ganz enges Ergebnis. Dank einer Stimme Vorsprung vor Lara Desch heißt das Spielstadt-Oberhaupt Kern – mit Vornamen allerdings Maximilian und nicht Roland und ist auch nicht verwandt und verschwägert mit selbigem. Mit dem zuvor schon benannten Zahlungsmitteln „Kern“ hat er sogar seine eigene Währung.

Währung der Spielstadt: War’s früher der „Rödel“, so ist es heute der „Kern“.

Gleich nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses sammelten der Bürgermeister und seine Stadtverordneten Lara Desch, Philipp Grix, Jonas Fromm und Annabelle Junk aus der Bürgerschaft neue Geschäftsideen ein. Ganz vorn dran standen eine „Chiller Lounge“, ein Swimmingpool und ein Blumenladen; die Stadtverordneten versprachen, sich gemeinsam mit Stephanie Grabs Gedanken darüber zu machen. Gehaltserhöhungen und die Einführung von Abgaben wurden erst einmal verworfen. „Also, Steuern sind ja kein beliebtes Thema....“, wissen auch die Nachwuchspolitiker.

Sozialpädagogin Grabs ist hochzufrieden: „Es läuft total harmonisch und wir sind sehr glücklich, dass wir hier auf dem Schulgelände sein dürfen. Die Firma Hoch-Tief, hier jetzt durch den Hausmeister vertreten, hat es gemeinsam mit der Schulleitung ermöglicht. Wir sind uns auch ziemlich sicher, dass wir im kommenden Jahr wieder eine Kinderspielstadt erleben werden!“

Wer mal hineinschnuppern möchte. Bis Freitag werden täglich ab 15.30 Uhr die kleinen Filme und Interviews gezeigt, die dank dem Offenen Kanal Offenbach im Kinder-TV über den Tagesablauf gedreht werden – dann sind auch die Eltern eingeladen und können mit anschauen, was die Bürgerinnen und Bürger der Stadt erlebt haben.

Quelle: op-online.de

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