Kinderspielstadt der RömKids

Harte Strafen für „Kern“-Fälscher

Ober-Roden - Das Gelände wechselt, doch die Kinderspielstadt ist nach wie vor beliebt bei kleinen Rödermärkern: Ein paar Tage leben wie die Großen, das war schon zu den Anfängen so.

Früher hieß sie „Rödelhausen“, ihre Währung war der „Rödel“, und die Zeltstadt war eine Miniatur eines echten Ortes. Seit drei Jahren heißt dieser Ort schlicht Kinderspielstadt (KiSS), die Bewohner können mit einem, zwei oder fünf „Kern“ bezahlen, und die Stadtgrenze verläuft innerhalb der Breidert-Dependance der Trinkbornschule.

In Szene gesetzt wurde die Stadt in der Stadt vom RömKids-Ferienspielteam unter der Leitung von Sozialpädagogin Stephanie Grabs. Angemeldet waren 98 junge Bürger zwischen acht und zwölf Jahren, viele kamen noch dazu oder entschlossen sich nach der ersten Woche zu bleiben, obwohl’s nicht geplant war. Wie etwa der achtjährige Johann, der auf den Besuch bei der Oma verzichtete - mit ihrer Zustimmung: „Ich hab sie gefragt, weil’s hier doch so schön ist, und sie hat gesagt, dass es nicht schlimm ist.“

Das Maskottchen ist in diesem Jahr Ella-Euly: Es gibt dazu eine „Eulyade“ statt einer Olympiade, doch im Großen und Ganzen ist es wie immer: Morgens zum Einwohnermeldeamt und Ausweise in Empfang nehmen, damit zum Arbeitsamt, in der Schlange stehen, Job aussuchen und den für neun Euro Tageslohn ausüben: Die KiSS-Bewohner konnten ihre „Kern“ in Bank, Postamt, Beautysalon, Blumenladen, Künstlerwerkstatt oder gar im Streitschlichterbüro verdienen. Arbeitslos sein hieß, gegen zwei „Kern“ Stütze Müll zu sammeln. Und es funktioniert. Die kleinen Bürger sind hochzufrieden nach der ersten Woche.

Die am Mittwoch gewählte Bürgermeisterin Eylem Karademir und ihre „Vize“ Giulia Kümpel hatten schon ihren Antrittsbesuch beim echten Magistrat. Sie waren zur offiziellen Pressekonferenz der Stadt in die Weidenkirche eingeladen und wurden anschließend im Ober-Röder Rathaus vom Ersten Stadtrat Jörg Rotter zum Informationsgespräch empfangen. Die Mädchen brachten erschreckende Kunde mit zur Pressekonferenz: Geld wurde in der KiSS geklaut, illegales Glücksspiel war aufgeflogen und sogar Falschgeld im Umlauf. Die Blüten waren in der Bank entdeckt worden, da es zwar farbechte „Kern“ waren, diese aber entgegen den echten auf der Rückseite nicht bedruckt waren. Fälscher sollten also auch etwas genauer hinschauen in Zukunft.

RömKids-Tag in Urberach

RömKids-Tag in Urberach

„Es wird immer noch geklaut, doch es gibt seit Ende der Woche kein Falschgeld mehr“, berichtete Johann beim Elternnachmittag am Freitag der Presse. Kein Wunder, müssen die ertappten Fälscher doch laut Kinderkonferenz Müll sammeln. Und es wird nach einhelligem Beschluss ein Strafgeld fällig: ein Tagessatz, also neun „Kern“. „Gefängnis gibt’s allerdings nicht, denn wir dürfen keine Kinder einsperren“, schmunzelt Stephanie Grabs, die mit dem KiSS-Verlauf hochzufrieden ist.

Zumal die Bürgermeisterin auch gute Nachrichten mitbrachte. Denn schon an ihrem ersten Amtstag hatte sie die Löhne auf neun „Kern“ pro Tag erhöht und die Steuern auf zwei Kern begrenzt. Mit dem Elternfest, bei dem es zur täglichen Sendezeit von Kids-TV, den von einem Kamerateam täglich festgehaltenen Highlights besonders voll war, endete die erste Amtszeit der gewählten Stadtvertreter. Morgen wird der neue Bürgermeister gewählt, der sich um die Sorgen und Wünsche seiner Bürger kümmert. KiSS 2014 endet am Freitag, 15. August, ab 15 Uhr mit einem großen Abschlussfest, wozu natürlich auch die Bürger vom „großen“ Rödermark herzlich eingeladen sind.

(chz)

Quelle: op-online.de

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