Alter Traktor birgt Überraschungen

Kippen und Blätter im Kühlwasser

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Günter Birth setzt die eingefrorenen neuen Zylinderbuchsen ein. Im Hintergrund steht sein bereits restaurierter Ferguson FE 35, der von Kennern wegen seiner goldenen Motorlackierung „Goldbauch“ genannt wird.

Ober-Roden - In einer kleinen Garagenwerkstatt im Breidert haucht Günter Birth alten Traktoren neues Leben ein. Sein jüngstes Projekt kommt jetzt in eine entscheidende Phase: Der Motor wird zusammengesetzt. Von Bernhard Pelka 

Auf dem Boden stehen von Werkzeug gefüllte Kästen dicht an dicht. Daneben eine Armada aus Spray- und Sprühflaschen mit Öl, Reinigungsmitteln und anderen Substanzen. Ein Hubwagen stützt zwei Europaletten, auf denen eine schwere Achse lieg. Davor steht auf einer andere Palette ein Motorblock. Den Fußboden bedeckt eine blaue Kunststoffplane – als Schutz, sofern einmal Öl austritt. In der Garage von Günter Birth ist es eng. Zumal einen Großteil davon ein Prachtstück auf vier Rädern belegt: Ein restaurierter Traktor des britischen Herstellers Ferguson, der seine Fahrzeuge vom Typ FE 35 in den Fünfzigerjahren auch in Köln-Westhofen hatte montieren lassen.

Wie berichtet, hat Günter Birth sein Herz an diesen Hersteller verloren. Sein jüngstes Restaurierungsprojekt ist derzeit in einer entscheidenden Phase: Der Motor wird zusammengesetzt und zum Laufen gebracht. Dazu hatte der leidenschaftliche Hobbyschrauber aus dem Motorblock die alten Zylinderbuchsen, in denen die Kolben laufen, entfernt. Dann bestellte er sich bei einem Teilelieferanten in England neue und setzte sie ein. Das funktionierte freilich nur deshalb so gut, weil er die Buchsen in der Gefriertruhe bei minus 20 Grad zuvor einer Schrumpfkur unterzogen hatte.

„Wenn man sie einfriert, ziehen sie sich fast unmerklich zusammen – und dann passen sie wunderbar“, freute sich der 65-Jährige über das prima Ergebnis. Der Motorblock selbst war noch so gut erhalten, dass er trotz seines Alters nicht mal plan geschliffen werden musste. Eine neue Kupferdichtung zwischen Block und Zylinderkopf reichte aus, um Kleinigkeiten auszugleichen. Auch der Zylinderkopf mit den Ventilen taugt noch. Ein kochend heißes Tauchbad und jede Menge Backofenreiniger haben Öl- und Rußrückstände in dem Bauteil aufgelöst. Neue Kolben sind auch schon vorrätig, sodass die Maschine bald wieder tuckern kann. Bis dahin ist es aber noch eine Heidenarbeit.

Die Restaurierung von Traktoren birgt immer Überraschungen. So entdeckte Birth beim Zerlegen des Oldies im Kühlwasserkreislauf Zigarettenkippen und die Überreste von Laub. Und im Kurbelwellenkanal lagen die zerbröselten Überreste einer Unterlegscheibe, die dort nichts zu suchen hatte. Für die Kippen und die Blätter hat der Bäcker- und Konditormeister eine Erklärung, für die Unterlegscheibe nicht. „Früher hat man beim Nachfüllen von Kühlwasser nicht so aufgepasst. Da stand irgendwo auf dem Hof eine Kanne mit Wasser drin – und die hat man dann eben genommen. Egal, ob das Wasser sauber war oder nicht.“

Als nächste Arbeitsschritte folgen nach dem Zusammenbau des Motors dessen Einstellung, dann die Instandsetzung des Getriebes. Auch die Sichtung und Aufarbeitung aller Achsen und Räder liegen noch vor dem begnadeten Bastler. Bis der Scheunenfund wieder tuckert, werden wohl noch zwei Jahre vergehen. Anschauungsmaterial, wie der neue Alte einst aussehen wird, steht bei Birth schon heute in der Garage Ein Schmuckstück auf Rädern, das bei Rödermärker Festen seit Jahren ein Blickfang ist. Und auch privat gute Dienste leistet. Vor drei Wochen diente ein mit dem Ferguson-Traktor gezogenes Gespann der Tochter von Günter Birth, Eileen, als Hochzeitskutsche. Dazu hatte der Traktor-Flüsterer aus Ober-Roden ein bequemes Sofa auf den Anhänger gestellt. Erfinderisch muss man halt sein.

Quelle: op-online.de

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