FDP fordert mehr Engagement beim Thema Müll

Rödermark: Kippen-Plage und Styropor-Chaos

In diesem Aschenbecher liegen 69 Kippen, gesammelt über Tage. Die uneinsichtigen unter den Rödermärker Rauchern brauchen nicht einmal zehn Minuten, um diese Menge ins Grüne oder auf Bürgersteige zu werfen. Über das Jahr hinweg wird aus diesem Häuflein ein Berg von fünf Millionen Kippen.
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Rödermark: In diesem Aschenbecher liegen 69 Kippen, gesammelt über Tage. Die uneinsichtigen unter den Rödermärker Rauchern brauchen nicht einmal zehn Minuten, um diese Menge ins Grüne oder auf Bürgersteige zu werfen. Über das Jahr hinweg wird aus diesem Häuflein ein Berg von fünf Millionen Kippen.

Umweltschutz liegt ihnen am Herzen, sagen die meisten Menschen in Rödermark. Gleichzeitig klagen immer mehr Leute über eine zunehmende Verschmutzung von Stadt und Natur. Die FDP fordert deshalb eine Optimierung des Müllsystems im öffentlichen Raum.

Rödermark – 25 Millionen Zigaretten gehen in Rödermark Jahr für Jahr in Rauch auf. Diese gewaltige Zahl hat die FDP aus dem bundesweiten Verbrauch auf die Stadt heruntergerechnet. 10 bis 20 Prozent dieser Kippen, also zweieinhalb bis fünf Millionen, landen nicht im Aschenbecher, sondern werden einfach in die Landschaft geschnippt. Im schlimmsten Fall sind’s also 13 700 Kippen am Tag oder 570 pro Stunde, die unsachgemäß entsorgt werden.

Die Kippen-Plage ist aber nur ein Grund, warum die Liberalen eine Optimierung des Müllsystems im öffentlichen Raum fordern. Ihnen stinken – nicht nur symbolisch – überquellende Abfallkörbe neben Ruhebänken, Sperrmüll in Feld und Wald oder fehlende Schulprojekte zur Müllvermeidung.

Dabei ist Rödermark in Sachen Müll vergleichsweise gut aufgestellt, bescheinigt sogar die FDP der Stadt. Das Entsorgungskonzept sei effizient und werde gut angenommen, die Abfallgebühren seien niedrig, und die Stadt kümmere sich schnell um Müll, der auf die billige Tour im Wald entsorgt wird. Auf der einen Seite wächst das Umweltbewusstsein. Auf der anderen Seite wächst nicht nur nach Ansicht der FDP der Anteil jener Zeitgenossen, die sich kein bisschen darum scheren, wo sie ihren Dreck hinwerfen.

Großen Optimierungsbedarf sieht die FDP bei den rund 250 öffentlichen Abfallbehältern. Die stehen oft neben Bänken, sind überwiegend aus Draht und oft zu voll, obwohl sie nach Auskunft der Stadt einmal pro Woche geleert werden. Die Liste der Nachteile ist lang: Keiner setzt sich gern neben einen Mülleimer, aus dem es stinkt und um den die Wespen schwirren. Deshalb soll die Kombination aus Bank und Abfallkorb überdacht werden. Vögel, vor allem Elstern, wühlen in den Körben nach Fressbarem und werfen den Dreck raus. Wind und krabbelndes Ungeziefer haben ein leichtes Spiel mit den Resten. Und wo einmal Müll liegt, kommt erfahrungsgemäß weiterer dazu.

Geschlossene und größere Abfallbehälter, von denen es zahlreiche Modelle gibt, sind nach Ansicht der FDP eine schnell umsetzbare Lösung.

Besonders kritisch für die Umwelt sind die eingangs erwähnten 25 Millionen Rödermärker Zigaretten. Das Celluloseacetat in den Filtern zersetzt sich erst nach 10 bis 15 Jahren. In den Stummeln wurden 7 000 Chemikalien gefunden. Viele davon sind toxisch, mindestens 50 krebserregend.

Die Umweltfreunde Rödermark (siehe den Artikel unten) haben an vielen Bänken „Kippengeister“ aufgestellt – flache Gläser mit großem Loch im Deckel, damit Raucher an der Bank die Kippen einfach entsorgen können. Die Initiative meldet die ersten Erfolge, die Gläser sind gut gefüllt, der angrenzende Boden ist deutlich weniger mit Kippen vermüllt. „Was spricht dagegen, dass sich die Stadt dieser einfachen und kostengünstigen Idee annimmt und flächendeckend Kippengeister an ihren Bänken aufstellt?“, fragt die FDP.

Auch die Sperrmüllentsorgung ist nach Meinung der Liberalen nicht so bürgerfreundlich, wie sie sein könnte: Die Menge ist limitiert, und es bleiben Abfallsorten übrig, die für Privatpersonen nur äußerst schwierig loszuwerden sind. Dazu gehören imprägniertes Holz und diverse Bauabfälle wie Styropor, Laminat, Rigips oder Dämmstoffe. Die Entsorgung dieser oft voluminösen Abfälle ist fast genauso teuer wie deren Anschaffung. Konsequenz: Ein Teil wird kurzerhand in der Natur entsorgt. Der Magistrat solle überlegen, ob eine zentrale Annahme im Wertstoffhof auch für solche nicht sofort offensichtlichen Problemstoffe möglich ist.

Zudem sind die Preise für die Entsorgung von Styropor unlogisch. Ist"s Verpackungsmaterial, wird"s der Bürger umsonst los. Die gleiche Menge Bau-Styropor kostet sieben Euro pro Sack.

Zu knapp kalkuliert ist die Begrenzung von Sperrmüll auf zweimal drei Kubikmeter pro Jahr. Doch diese Menge reicht bei Umzügen oder selbst der Renovierung von nur einem Zimmer nicht aus. Viele Bürger sind nicht bereit, einen Baumischcontainer von privaten Entsorgungsunternehmen zu bestellen, der mit 600 bis 1000 Euro zu Buche schlägt.

Eine Erhöhung dieser Grenzen und eine Umlegung der Mehrkosten auf die Grundgebühr pro Haushalt könnte also auch in Hinblick auf illegale Müllentsorgungen sinnvoll sein, fordert die FDP. Eine Alternative wäre es, am Wertstoffhof einen Container zur kostenfreien Entsorgung von Sperrabfällen aufzustellen. Verwunderlich ist für die FDP auch, dass die Entsorgungspreise für Bau- und Baumischabfälle in den Kommunen im Kreis durchaus unterschiedlich sind. Hier wäre eine so weit wie nur mögliche Homogenisierung wünschenswert.

Kritik und Verbesserungsvorschläge zum Thema Abfall sind bei der Stadt aber schon vor der FDP-Initiative angekommen. „Eine Arbeitsgruppe der Verwaltung beschäftigt sich intensiv damit und wird bald Lösungsvorschläge unterbreiten“, kündigt Bürgermeister Jörg Rotter an. (Michael Löw)

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