Unkonventionelles Modell

Premiere: Stadt mietet Kita

+
Die Früchtenicht GmbH aus Babenhausen baut zwischen Odenwaldstraße und Bahn rund 200 Wohnungen und etwa 1 000 Quadratmeter Gewerbefläche. Einen Teil vermietet sie an die Stadt, die dort einen Kindergarten mit drei Gruppen einrichten will.

Ober-Roden - Die Stadt mietet ihren ersten Kindergarten und schafft bis Ende 2018 im „Atrium“ am Ober-Röder Bahnhof 40 Ganz- und 11 Halbtagsplätze für Kinder ab drei Jahren. Nur so kann sie den Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung erfüllen.

Kindergartenplätze sind knapp - besonders in Ober-Roden. Nach Auskunft von Sozialdezernent Jörg Rotter stehen 42 Kinder auf einer Warteliste fürs Kita-Jahr 2017/2018. Das heißt aber nicht, dass sie nach den Ferien keinen Platz haben: Die Stadt kann lediglich den Erst- und in einigen Fällen auch den Zweitwunsch der Eltern nicht erfüllen. Einige Ober-Röder Familien bringen ihre Kinder sogar in Kitas nach Urberach.

Damit Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für über Dreijährige trotzdem umgesetzt werden kann, mietet die Stadt erstmals einen Kindergarten: Die Verwaltung hat bei der Früchtenicht GmbH, die auf dem ehemaligen Hitzel & Beck-Gelände das „Atrium Ober-Röder Bahnhof“ mit 200 Wohnungen und einigen Gewerbeeinheiten baut, wegen einer Kita für drei Gruppen vorgefühlt.

Der Babenhäuser Projektentwickler beauftragte seinen Architekten mit der Raumplanung. Ergebnis: Im Untergeschoss von Gebäude vier und einer kleinen Wohnung darüber wäre Platz. Der Kreis kann sich mit dieser Lösung anfreunden und hat eine Betriebserlaubnis für eine knapp 460 Quadratmeter große Kita mit 51 Plätzen in Aussicht gestellt. Ende 2018 könnten Kinder und Erzieherinnen ins „Atrium“ einziehen.

Alles zur Kommunalpolitik in Rödermark

Der Mietkindergarten ist laut Bürgermeister Roland Kern und Erstem Stadtrat Rotter die einzige kurzfristig umsetzbare Lösung. Für einen Neubau in Eigenregie fehlen der Stadt Geld und Bauplatz. Außerdem ist nach den Berechnungen des Magistrats Mieten nicht teurer als Kaufen: Die Stadt zahlt 20 Jahre lang rund 70 240 Euro Miete und Nebenkosten an die Früchtenicht GmbH. Langfristig, so Rotter, würde die Stadt sogar Geld sparen, weil sie sich nicht um die Unterhaltung eines Gebäudes kümmern müsse.

Der Sozialdezernent macht das an zwei städtischen Einrichtungen fest: Für die Unterhaltung der ebenfalls rund 460 Quadratmeter großen Kita am Taubhaus (75 Plätze) sind jährliche Gebäudekosten von 64 828 Euro vorgesehen. Allerdings muss dieser Urberacher Kindergarten unbedingt saniert werden. Ein neuer Kindergarten - zum Beispiel der in der Carl-Zeiss-Straße mit 407 Quadratmetern Fläche und 36 Plätzen - kostet die Stadt per anno 52.758 Euro.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Die „Atrium“-Kita hat einen Schönheitsfehler: Von einem Grünstreifen abgesehen, fehlt ihr ein Außengelände. Die Stadt will deshalb den nur wenige Gehminuten entfernten Spielplatz an der Marienstraße erneuern und schöner machen. Er soll weiterhin öffentlich zugänglich sein.

Für die Andere Liste ist der gemietete Kindergarten ein „ausgesprochen interessanter Lösungsansatz“. Teures Bauland werde so mehrfach genutzt, sagt ihr Fraktionsvorsitzender Stefan Gerl. Auch die Opposition steht dem Vorhaben überwiegend positiv gegenüber. Die FDP, so ihr stellvertretender Fraktionsvorsitzender Dr.  Rüdiger Werner, kritisiert zwar die lange Vertragslaufzeit und das fehlende Freigelände, sieht aber wie der Magistrat den Vorteil der schnellen Umsetzbarkeit.

Peter Schröder (Freie Wähler) befürchtet lediglich die üblichen Parkprobleme beim Bringen und Abholen der Kinder. Sein Fraktionskollege Siegfried Kupczok wollte vom Magistrat wissen, ob"s über die gesamten 20 Jahre bei der Quadratmeter-Kaltmiete von zwölf Euro bleibt oder die Stadt mit Steigerungen rechnen muss. Ja, sie muss, antwortet Bürgermeister Kern. Aber nur im üblichen Rahmen, die Details des Mietvertrags seien nicht öffentlich. (lö)

Kommunen ächzen unter drastisch gestiegenen Sozialausgaben

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare