Millionen für sauberes Wasser

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Ein Druck auf den Spülknopf, und schon rauschen unsere Hinterlassenschaften in den Orkus. Mehr als 100 Kilometer Kanal leiten die Rödermärker Abwässer in die Kläranlage. Was dort mit ihnen passiert, zeigen die Kommunalen Betriebe am 13. September von 10 bis 14 Uhr beim Tag der offenen Tür.

Ober-Roden - Rund 18 Millionen Mark hatte der Abwasserverband „Obere Rodau“ 1974 in den Bau der Kläranlage zwischen Ober-Roden und Rollwald investiert. Seine Nachfolger haben seither mehr als 18 Millionen Euro verbaut, damit die Abwasserreinigung auf dem Stand der Technik ist. Von Michael Löw 

Rund 120 Liter Wasser verbraucht ein Bundesbürger pro Tag, ganze fünf Liter davon für Essen und Trinken. Der Rest rauscht durch Dusch- und Badewannenausflüsse, Klospülungen. Geschirrspüler- und Waschmaschinenschläuche in den Kanal. Das summiert sich in Rödermark - Privathaushalte und Gewerbe - auf 3,5 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser. Die Kläranlage macht aus dieser dreckigen Brühe wieder Wasser, das bedenkenlos in die Rodau geleitet werden kann.

Der Abwasserverband „Obere Rodau“ und seine Nachfolger - zunächst der Eigenbetrieb Abwasser, dann die Kommunalen Betriebe Rödermark (KBR) - mussten und müssen einige der strengsten Grenzwerte in Europa einhalten. 1974, im Eröffnungsjahr der Kläranlage, durfte ein Liter gereinigtes Abwasser noch einen biologischen Sauerstoffbedarf von 20 Milligramm haben. 40 Jahre später dürfen"s nur noch 8 Milligramm sein. Der Stickstoffgehalt war anfangs noch kein Problem. 1992 wurde dann eine Obergrenze von 18 Milligramm festgelegt, die inzwischen auf 14 Milligramm gesenkt wurde. Auch andere Parameter wurden kontinuierlich verschärft. Ursache war das Robbensterben Ende der achtziger Jahre in der Nordsee. Mindestens zwei Mal im Jahr prüft das Regierungspräsidium unangemeldet, ob Kläranlagenleiter Jürgen Ulmer und seine Mannschaft die Vorgaben auch einhalten. Aber die messen ohnehin täglich, ob das gereinigte Wasser den Anforderungen entspricht.

Die im August 1974 eröffnete Kläranlage wurde ab 1992 für 28 Millionen Mark so gründlich erneuert, dass Rödermarks Abwasserspezialist Hans Gerhold von einem Fast-Neubau sprach. Schwerpunkte der Modernisierung waren die mechanische Reinigung mit Rechen und Sandfang, Anlagen, die Nitrat- und Phosphorverbindungen herausfiltern, neue Maschinen und ein Blockheizkraftwerk. Die Investitionen der Jahre 2008 und 2009 waren nötig, um den Stickstoffgehalt weiter zu senken, die Steuerung der Kläranlage „intelligenter“ zu machen und die Biologie weiter zu automatisieren. Seit 2010 geben die KBR vor allem Geld aus, um Energie- und Betriebskosten zu reduzieren.

Die Herausforderungen der Zukunft sieht Kurt Hüttges von den Kommunalen Betrieben auf einem ganz anderen Gebiet: „Immer mehr Medikamentenwirkstoffe gelangen über das Abwasser in die Kläranlage.“ Das betreffe nicht nur menschliche, sondern zunehmend auch tierische Therapien. Diese Pharmazeutika könnten derzeit nicht herausgefiltert werden. Hüttges erläutert das Problem an einem drastischen Beispiel: Ein Liter Rodauwasser, in den sich am Auslauf der Kläranlage 100 Milliliter gereinigtes Abwasser mischen, enthält 0,1 Mikrogramm Diclofenac - ein Schmerzmittel, das in dieser Konzentration bereits wirkt. Wer am Bach aber nach billigen Kopfweh-Mittelchen sucht, handelt sich garantiert Bauchweh ein: Selbst in einem nach dem Stand der Technik geklärten Liter Schmutzwasser tummeln sich immer noch 20.000 Keime.

Quelle: op-online.de

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