Kläranlage produziert auch Strom

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Betriebsleiter Jürgen Ulmer (links) und sein Stellvertreter Jürgen Braun kontrollieren auf dem Faulturm die Vor-Ort-Steuerung der Anlage.

Rödermark - Die Kommunalen Betriebe Rödermark optimieren seit Jahren ihre Kläranlage. Nach der aufwändigen Sanierung des 30 Jahre alten Faulturms kommt nun das veraltete Blockheizkraftwerk an die Reihe. Von Bernhard Pelka

Es führt der Kläranlage und den Betriebsgebäuden auf dem Gelände Strom und Wärme zum Heizen zu. Das 15 Jahre alte Kraftwerk wird durch ein neues ersetzt. Das soll 82.500 Euro Stromkosten im Jahr sparen. Baubeginn ist im Herbst. Das kündigte der Erste Stadtrat Alexander Sturm (CDU) vor der Presse an.

Die Erneuerung des Blockheizkraftwerks sei „ein weiterer wichtiger Schritt für die Senkung der Energiekosten auf der Kläranlage“. Das neue BHKW wird einen Wirkungsgrad zur Stromerzeugung von 38 Prozent haben (alt: 26 Prozent). Ein optimiertes Faulgasmanagement garantiert eine kontinuierlichere Stromerzeugung als bisher. 550.000 Kilowattstunden pro Jahr sollen zusammen kommen.

Rund 3,5 Millionen Euro für Modernisierung der Kläranlage

Ein weiterer wichtiger Punkt beim Betrieb des BHKW ist die Erzeugung von Wärme zum Beheizen des Faulbehälters. Damit der biologische Prozess der anaeroben Faulung im Reaktor optimal verläuft, müssen dort 36 bis 38 Grad herrschen.

Rund 3,5 Millionen Euro haben die Kommunalen Betriebe in den letzten Jahren in die Modernisierung der Kläranlage gesteckt, sie baulich und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Das soll die Faulgasproduktion um etwa 15 Prozent steigern und somit die Stromerzeugung um rund 37 Prozent erhöhen.

Die Kosten für die Sanierung des Faulturms betrugen circa 400.000 Euro, der Neubau des Kraftwerks wird nochmals 170.000 Euro verschlingen.

Kontinuierlich verschärfte Grenzwerte für die Einleitung von gereinigtem Abwasser in die Rodau machten die Sanierung der Kläranlage erforderlich. So wurden die Werte für Gesamtstickstoff von 18 mg/l auf 14,4 mg/l und für Ammonium-Stickstoff von 8 mg/l auf jetzt 3 mg/l gesenkt.

Ziel: Stromverbrauch senken

Ebenso ist für die Einleitung von Phosphor ab dem 1. September 2011 ein neuer Grenzwert von 1,2 mg/l (vorher 1,6 mg/l) vorgegeben.

Um die neuen Grenzwerte sicher einhalten zu können, waren verschiedene Baumaßnahmen und Optimierungen erforderlich (Rezirkulationspumpwerk, Optimierung Denitrifikationsbecken mit neuer Belüftung und zusätzlichem Volumen, Filtrat-Dosierstation, Erneuerung der Prozessleittechnik, Bau eines Frachtspeicher- und Pufferbeckens).

Jürgen Braun wirft einen Blick durchs Sichtfenster im Faulturm.

Jetzt stehen Energieeffizienz-Maßnahmen für die Schlammfaulung, die Gas-, Strom- und Wärmegewinnung auf der Tagesordnung. Die Kläranlage hat einen Strombedarf von rund 1,35 Millionen kWh pro Jahr. Deshalb setzen die Kommunalen Betriebe hier den Hebel an, um den Stromverbrauch zu senken und die die Stromgewinnung zu forcieren.
Zwei der wichtigsten Projekte für die Optimierung der Energieeffizienz und somit auch die Senkung der Energiekosten war die Sanierung des 30 Jahre alten Faulbehälters sowie die noch in diesem Herbst anstehende Erneuerung des Blockheizkraftwerkes mit diversen Nebenanlagen.

Die Sanierung des Faulbehälters erfolgte 2010. Größter Brocken war der Einbau eines neuen Umwälzsystems in den Faulturm. Dieser Eingriff gewährleistet eine bessere Durchmischung des Faulschlamms und führt zum besseren Abbau der organischen Verbindungen. Dies wiederum erhöht die Methangasbildung.

Das Methangas (Faulgas) dient als wichtige Energiequelle im Klärwerk. Es wird in einem Gasspeicher (300 Kubikmeter) zwischengepuffert und schließlich im Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.

Der Faulturm hat ein Volumen von 1 500 Kubikmeter. Die jährliche Faulgasmenge vor der Sanierung betrug 215.000 Kubikmeter. Nach der Sanierung werden nun 250.000 Kubikmeter erreicht.

Quelle: op-online.de

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