Flugplatz Egelsbach

Stadt klagt gegen Lärm der Flieger

Rödermark (lö) - Als erste Kommune im Kreis Offenbach klagt Rödermark gegen die Flugrouten nach Egelsbach. Die Stadt sei an der Festlegung nicht beteiligt gewesen, begründet Bürgermeister Roland Kern den Gang vors Gericht.

Wann der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel entscheidet, ist noch offen. Die Klage richtet sich gegen niemand Geringeren als die Bundesrepublik Deutschland, genauer gesagt: das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) in Langen. Das wiederum ist die Aufsichtsbehörde der Deutschen Flugsicherung (DFS).

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Geduldsfaden ist gerissen

Die DFS hat den Anflug nach Egelsbach im Jahr 2008 über den Süden von Rödermark verlegt. Seither fliegen täglich bis zu einem Dutzend Düsenjets mit einem Gewicht zwischen 4,5 und 20 Tonnen in etwa 200 Metern über die Dächer. Besonders die Wohngebiete Breidert und Eichenbühl leiden unter dem Lärm.

Die Stadt und die Rödermärker Bürgergruppe gegen Fluglärm und Tiefflüge (RBgT) drängen darauf, dass die Flugrouten über unbewohntes Gebiet führen. Doch die Flugsicherung habe das bisher noch nicht einmal untersucht. Stattdessen testet die DFS seit ein paar Wochen höhere Anflugrouten. Bürgermeister Kern und dem Magistrat riss nun der Geduldsfaden; die Klage ist der letzte Ausweg, nachdem alles Argumentieren und Verhandeln ohne Ergebnis blieb.

BAF sieht Klage gelassen entgegen

Thomas Mehler, der Anwalt der Stadt, werde die Klageschrift bis Ende Oktober formulieren und Mitte November beim Gericht einreichen, erläuterte Kern die weitere Vorgehensweise. Das Parlament hatte schon 2010 25.000 Euro bereit gestellt, damit sich Rödermark gegen den Lärm der Geschäftsflieger wehren kann.

„Die Entscheidung ist für uns nur zu gut nachvollziehbar und ist die Konsequenz aus dem Verhalten der Flugsicherung“, kommentierte RBgT-Sprecher Rainer Hoffmann. DFS und BAF seien nicht an einvernehmlichen Lösungen interessiert. Das zeige sich zum Beispiel an dem neuen Anflugverfahren, das die DFS seit 23. August testet: Düsenflieger der Firma NetJets - sie gehört dem US-Milliardär Warren Buffett, der auch Mehrheitseigentümer des Flugplatzes Egelsbach ist - überqueren Rödermark probehalber in größerer Höhe, gehen dann aber in einen extrem steilen Sinkflug über. Ob das wirklich eine Entlastung bringt, könne nicht einmal die DFS sagen.

Kerstin Weber, die Sprecherin des BAF, wollte die Klage aus Rödermark nicht kommentieren, solange sie ihrer Behörde noch nicht vorliegt. Insgesamt aber sehe das BAF einer juristischen Auseinandersetzung gelassen entgegen: „Wenn wir Routen festlegen, machen wir sie auch gerichtsfest.“

Quelle: op-online.de

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