Kleine und große Wagenbauer

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Ober-Roden - Was den Orwischern ihr Rosenmontagszug, ist den Ober-Rödern ihr Rathaussturm. Seit Jahren werden diese Gaudiwürmer immer länger. Von Christine Ziesecke

Außer den etablierten Fastnachtern wie KSC und BSC in Urberach oder TG und TS in Ober-Roden nutzen Kindergärten, Kirchengruppen oder Freundeskreise die Chance, hier gemeinsam etwas auf die Beine oder die Räder zu stellen. Rund 1000 Narren wollen am Fastnachtssamstag in Ober-Roden das Rathaus belagern. Darunter sind auch viele Neue - sehr zur Freude der Zugorganisatoren Heinz Kiehl jun. und Norbert Köhler. Die OFFENBACH-POST hat bei einigen einmal nachgefragt, was sie motiviert hat, sich dieser Narrenschar anzuschließen.

Die „Knochehüpper“ etwa sind eine kleine Gruppe von drei Familien mit jeweils zwei Kindern. Sie kennen sich aus der Kita St. Nazarius, Jens Rieser blickt auf die Ursprünge zurück: Zwei Familien kommen aus der Tradition der Dieburger Fastnacht. Doch nun wollten sie etwas Eigenes machen und laufen deshalb als „Tütenpiraten“ beim Rathaussturm mit. Erstmals dabei auch ist die Gruppe um Andi und Sebastian Schwab. Hier tummeln sich lauter Ober-Röder Fußballer, die früher großteils bei Viktoria Urberach gekickt haben und sich jetzt, seit sie nicht mehr aktiv sind, jeden Donnerstag in der Soccer-Halle treffen. Sie bauen bei der Firma Schwab & Söhne eine fahrbare Theke, etwa vier mal zwei Meter groß, und werden etwa mit 20 Zechern mitlaufen.

Feucht-fröhlich und garantiert eine Augenweide dürften die „Weingeister“ werden. Hinter diesem Namen verbergen sich 20 Fastnachterinnen vom Frauenchor Frohsinn – die Anspielung geht auf ihr zweitliebstes Hobby neben dem Singen zurück...

Deutsch-türkische Karnevalisten

Derzeit rund 15 Leute zwischen 17 und 28 Jahren sind beim Après Ski-Komitee von Marcel Kopp & Friends mit auf der Gass’. Sie, die sich 2010 aus dem Kreis der Nazarius-Ministranten heraus gegründet haben und derzeit auf Festen und bei Kerb mit dem Bauwagen von sich reden machen, wollten schon das Magistratszimmer stürmen. Diesmal haben sie rechtzeitig begonnen – was vor allem Thomas Tüncher und dessen großer Halle samt Traktor und Hänger zu verdanken ist. So entstand die Idee der Schlümpfe. Eine Gruppe malte auf Teufel-komm-raus lange Plakatbahnen für den Wagen, eine andere baute den Hänger schon mal mit innen hängenden Blumenkästen für die vielen Kamelle um. Die Wurfgeschosse wurden fast ausschließlich von Firmen wie etwa der des früheren Prinzen Thomas Köhl gestiftet.

Gespannt darf man auch auf eine ganz besondere Multi-Kulti-Truppe sein. „Deutsch-türkische Freundschaft ist, wenn die Deutschen türkische Folklore anziehen und die Türken Dirndl...“ So lautet ein vielversprechendes Motto, unter dem 10 bis 15 Sympathisanten des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins mitlaufen. „Wir sind ja schließlich auch ein Rödermärker Verein, und wir haben so viele Junge in unseren Reihen, dass wir da einfach auch einmal mitmachen wollten“, verrät Yasemin Yagmur die Motivation der deutsch-türkischen Karnevalisten.

Einer Schnapsidee im wahrsten Sinne des Wortes entsprang der handgezogene Fastnachtswagen „Die ganze Welt im Lindenhof“. Aus der Begeisterung von vier, fünf Gästen im gleichnamigen Hotel, die auf den Rathaussturm angesprochen worden waren, ist nun eine große Fußgruppe geworden: Jung und Alt, Mitarbeiter und Stammtischfreunde zwischen elf und 56 Jahren.

Die Männer haben sich mit akribischer Genauigkeit, vielen Zollstöcken und sogar mit Zahnstochern dem Wagenbau verschrieben. Der Größe halber nach Babenhausen ausgelagert, wurde er zu guter Letzt mit der großen Weltkugel genau nach Plan schon mal probehalber gezogen.

Die Frauen waren fürs Nähen verantwortlich. „Neun Frauen und drei Nähmaschinen in unserem Hotel-Frühstücksraum – und dann die Kommentare der Herren im Lokal!“ erinnert sich schmunzelnd Stefanie Gotta. „Verblüffend war, dass außer Dreien eigentlich keine mit der Maschine umgehen konnte.“ Trotz x-maligem Zählen haben die Lindenhöfer am Ende ein Kostüm zuviel genäht. Aber auch dafür wird sich noch ein passender Narr finden.

„Schee war’s, aber auch anstrengend“, fasst Stefanie Gotta wohl im Sinne aller „Neuen“ die Vorbereitung zusammen: Doch egal, ob Ober-Röder Narrenadel oder Newcomer: Alle Teilnehmer freuen sich tierisch auf den Samstag nächster Woche, wenn es ab 13.30 Uhr im kunterbunten Zug vom TS-Parkplatz hin zur Erstürmung des Rathauses geht. Dann hat sich die ganze Mühe für Wagen und Kostüme gelohnt.

Quelle: op-online.de

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