Kleine Stufe, großes Hindernis

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Janis Jaoworski merkte sehr schnell, dass eine kleine Stufe für Rollstuhlfahrer ein großes Hindernis darstellt. Pascal Ruland protokollierte die Erfahrungen seiner Mitschüler.

Rödermark/Ober-Roden - Alt sein ist mühselig, kostet viel Kraft und macht vieles unerreichbar. Das haben Manuel Pasedag und Janis Jaoworski gestern buchstäblich erfahren. Von Michael Löw

Beim Sozialprojekt von Nell-Breuning-Schule , VdK, Seniorenbeirat und Stadt tauschten die Achtklässler Skateboards, Fahrrad & Co. gegen einen Rollstuhl ein und probierten schon mal, wie sie sich in 60 oder 70 Jahren durch Rödermark bewegen.

Die Hindernisse für die „alten“ Jungen waren zahlreich und vielfältig. Pascal Ruland protokollierte sie in der Hoffnung, die Stadt für echte Behinderte und Senioren, aber auch für Eltern mit Kinderwagen ein Stück barrierefreier zu machen.

Pascals erste Notiz: Ausgerechnet das Auto eines Seniorenpflegedienstes parkte den Bürgersteig an der Dieburger Straße so zu, dass der Klassenkamerad im Rollstuhl einen Umweg über die Fahrbahn nehmen musste.

Rampe für gebrechliche Rollstuhlfahrer zu steil

„Meist sind’s solche Gedankenlosigkeiten, Unachtsamkeiten oder Kleinigkeiten, die Behinderten das Leben schwer machen“, sagte Wolfgang Geiken-Weigt, der Leiter des städtischen Sozialdienstes. Er begleitete die Schüler zusammen mit Heinz Weber, dem Vorsitzenden des Seniorenbeirates, und Bernd Koop vom VdK Ober-Roden.

Auf der langen Liste der Kleinigkeiten stehen selbst Institutionen, denen es am guten Willen gewiss nicht fehlt. Zum Eingang der evangelischen Kirche führt zwar eine Rampe, doch die ist für gebrechliche Rollstuhlfahrer zu steil. Zudem sind die Türen schwer und gehen nur nach außen auf. Auch den Gottesdienst in St. Nazarius können Gehbehinderte eigentlich nur mit fremden Hilfe besuchen.

Beschwerlicher Einstieg in die Dreieichbahn

Am Geldautomaten der Post gibt’s keine Euros, weil die Tastatur zu hoch angebracht ist. Ein knapp 20 Zentimeter breiter Spalt zwischen Bahnsteig und Zug erschwert den Einstieg in die Dreieichbahn, im Linienbus fehlen Stellplätze für Rollstuhl und Rollator.

„Wie schwer vieles ist, merkt man erst, wenn man selbst einmal im Rollstuhl sitzt“, gab Manuel Pasedag zu, sich bislang wenig Gedanken gemacht zu haben. Und Janis Jaoworski hat gemerkt, wie schwer es ist, den Kurs zu halten, wenn der Bürgersteig nur ein minimales seitliches Gefälle hat.

Quelle: op-online.de

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