Kleiner Knigge für glänzende Orden

Eines Narren schönste Zier

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Orden noch und nöcher: Karlheinz Weber, Chefkarnevalist der TuG Ober-Roden, schätzt, dass 200 bis 300 närrische Ehrenzeichen an den Wänden seines zur Karnevals-Requisitenkammer umfunktionierten Dachbodens hängen.

Ober-Roden - Eines darf sich selbst ein hochdekorierter Fastnachter nicht erlauben: Kräftig in die Sammlung seiner Orden greifen und geschmückt wie Ochse beim Almabtrieb von Veranstaltung zu Veranstaltungen ziehen. Von Michael Löw

„Damit macht man sich nur lächerlich“, sagt Karlheinz Weber, der oberste Karnevalist der Turngemeinde. Und wie ist ein Elferrat oder Sitzungspräsident nun standesgemäß behängt? „Der aktuelle Kampagneorden ist Pflicht, außerdem der vom letzten Jahr und der der Prinzlichen Hofgarde“, zitiert Weber den Ordens-Knigge seines Vereins: „Mehr als vier oder fünf sollten’s aber nicht sein. Sonst gibt’s Gekläpper!“ Und natürlich gebietet des Narren Höflichkeit, dass er beim Staatsbesuch in fremden Narrhallas einen Orden des gastgebenden Vereins trägt.

Der närrische Rekord: 15 Orden in einem Jahr

Karlheinz Weber besitzt 200 bis 300 Orden und ist auf jeden stolz. Den ersten hängte ihm Prinzessin Irmgard Reisert vor 4x11 Jahren um den Hals, damals war er Hofnarr. 1972 saßen Weber und seine Frau Ulrike auf dem Narrenthron, an die 15 Orden bekamen sie in dieser Kampagne überreicht - ein bis heute gültiger Rekord. Da war die Wahl des richtigen Stücks Glitzermetall eine echte Qual.

Den weitesten Weg in die Weber’sche Requisitenkammer haben die 30 Orden der „Fidelen Flotte“ aus Hennef im Rheinland zurück gelegt. Mit der pflegt die Turngemeinde schon lange eine tiefe Fastnachterfreundschaft, und die Orden dokumentieren dies. Denn im Kölner Karneval gibt’s nicht jedes Jahr einen - wer hätte das in Deutschlands Frohsinn-Hochburg Nummer eins gedacht? Die TGO ist da weniger knauserig. Gut 350 der klimpernden Ehrenzeichen verleihen Prinzessin Linda I., Prinz Jan I., Sitzungspräsident Sascha Reisert und die Elferräte in der Kampagne. Jeder Mitwirkende bekommt seinen Lohn, und wenn’s die 27 Mädchen einer Tanzgruppe sind. Zumal ein Küsschen ja die zweite Seite der Medaille ist.

Für die acht Männer, die beim Wagenbau besonders kräftig mit angepackt hatten, ließ die TG-Karnevalsabteilung diesen Jahr einen Sonderorden entwerfen. Spezial-Sonderorden - so heißen sie tatsächlich - sind die Silberne und Goldene Flamme für 1x11 oder 2x11 Jahre in der Bütt oder auf der Bühne, die höchste Auszeichnung ist das Goldene Vlies für mindestens 3x11 Jahre. Da aber immer mehr Fastnachter von Kindesbeinen an aktiv sind, müssen sich ihre Oberen bald eine neue Ehrung einfallen lassen. Auch die Turngemeinde hat dieses Luxusproblem noch nicht endgültig gelöst.

Theo Koser ist hier der Macher aller Orden. Karlheinz Weber guckt die Prinzenpaare aus, und sobald die feststehen, ist Kosers Kreativität gefragt. Er versucht immer, den Beruf und/oder den Werdegang im Verein mit einzubauen. Jan Roth ist zum Beispiel Landschaftsbauer, was die Steine auf dem Orden symbolisieren sollen. Die Firma Hitzel Oberflächentechnik macht aus Kosers Ideen glänzende Orden.

Für einen ordentlichen Orden blättert der Fastnachter 20 bis 30 Euro hin

Wimpel, Bierseidel und manch anderes Schmuckstück komplettieren die Sammlung der Auszeichnungen.

Die sind kein ganz billiges Vergnügen. Zwar beginnt die Preisspanne schon bei 1,50 Euro. Aber für ein ordentliches Stück Schmuck muss der Narr schon 20 bis 30 Euro hinblättern. Viele Karnevalsvereine, so Karlheinz Weber, verleihen Büttenrednern oder Ehrengästen deshalb Anstecker fürs Revers. Doch was bei Elferräten kein Problem ist, bringt den Ehrenden beim tiefen Dekolletee so mancher Prinzessinnen-Gewänder ins Schwitzen...

Wenig dauer-, aber schmackhaft sind die Orden kleiner Vereine. Da gibt’s schon mal Kreppel, Brezeln oder kleine Schnapsfläschchen am goldenen Band. Ein dickes Lob zollt Weber den Ober-Röder „Freunden der Nacht“: „Die wollten schon immer anders sein und lassen ihrer Phantasie freien Lauf!“ Sie schmückten ihre Besucher schon mit Luftballons, CDs und Badeenten.

Wer als Elferrat übrigens mit blanker Brust in der Narrhalla auftaucht, darf gleich fünf Euro in die Abteilungskasse abdrücken. Doch dieses Fach ist leer. Karlheinz Weber: „Das hat’s in all den Jahren noch nicht gegeben, dass einer von uns ohne Orden zu einem Termin gekommen ist. Egal, wie groß vorher die Hektik daheim oder im Büro war.“

Quelle: op-online.de

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