Köstliches musikalisches Erlebnis

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Präziser rhythmischer Gesang und eine kleine, aber schwungvoll-lockere Choreographie: Konzertmeister Hans-Dieter Müller hatte mit dem Projektchor 2020 einiges zu üben gehabt. Am Ende des Abends verabschiedeten sich alle gemeinsam mit dem Schlaflied „LaLeLu“.

Rödermark (chz) ‐ Großer Ausklang der Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Sängervereinigung Sängerlust Edelweiß: das gemeinsame Konzert der Hamburger A-cappella-Gruppe LaLeLu mit dem Projektchor 2020 des Vereins und umrahmt von der Europa-Songgruppe der Nell-Breuning-Schule.

Schon nach den ersten Takten der Schüler unter Leitung von Hans Sterkel und verstärkt vom bewährten Lehrer-Gitarrentrio, staunte LaLeLu-Sänger Jan Melzer nicht schlecht: „Die sind ja richtig gut; also ich hab in dem Alter noch nicht so gut gesungen! Und auch die Solistinnen können sich wirklich hören lassen.“

Dieses Lob zog sich weiter, auch als der Projektchor unter der Moderation von Matthias Hallmann seine musikalische Weltreise darbot - engagiert, einfühlsam, oft mimisch und gestisch herrlich komisch, dazu ungewöhnlich rhythmisch und ungeahnt präzise. Auch da staunte Jan Melzer weiter und erinnerte sich gern an die gemeinsame Probe mit dem Laienchor.

Bei der humorvollen musikalischen Reise von Österreich bis Afrika unterstützte LaLeLu-Bass-Bariton Tobias Hanf die Gruppe. Er sorgte nicht zuletzt durch seine Gestik für schallendes Gelächter im Saal, etwa beim „Prinzip Sobhoza“, dem Lied rund um einen afrikanischen Fürsten mit 62 Ehefrauen und Hunderten von Kindern, oder beim „Italienischen Salat“, einem in Töne umgesetzten Sprachsalat.

Ihre volle Kunst entfaltete LaLeLu mit Sängerin Sanna Nymann, mit Tobias Hanf, Sören Sieg und Jan Melzer nach der Pause bei einem auch erstmalig dargebotenen Mix aus alten und neuen Gesangs- und Musikcomedy-Nummern - alle aber tagesaktuell aufpoliert bis hin zur wunderbar vertonten Vorstellung der neuen deutschen Ministerriege. Die publikumsbezogenen Running Gags hätte es gar nicht gebraucht: Auch so hingen die Gäste an den Lippen der Sänger, bei denen man oft die Instrumente suchte, die man zu hören glaubte - alles eigene Stimmen, kunstvoll eingesetzt.

Gänsehautstimmung, Rührung und Wehmut

In die kribbelnde Gänsehautstimmung des abschließenden Wiegenliedes „LaLeLu“, bei dem der Projektchor noch einmal einfühlsam die A-cappella-Gruppe unterstützen durfte, schlich sich neben der spürbaren Rührung auch erste Wehmut in die Herzen der Sängerinnen und Sänger. Gerade die aus Rodgau Dazugekommenen, deren Wurzeln nicht in den Edelweiß-Chören liegen, trauern der zweijährigen intensiven Probenzeit nach, die die Gemeinschaft hat zusammenwachsen lassen.

Der Kniefall des LaLeLu-Sängers Tobias Hanf vor Astrid Rebell war auch symbolisch zu verstehen: Die A-cappella-Profis zollten dem Projektchor 2020 große Anerkennung.

Organisator Hugo Graf, dem die Zuhörer in der vollen Kulturhalle stehende Ovationen und Hugo-Hugo-Rufe zollten, ist erst einmal erleichtert, dass das Konzert so wunderbar über die Bühne gegangen ist und die Halle wirklich restlos ausverkauft war: „Es war ja auch für LaLeLu ein großes Risiko - sie wussten die ganze Zeit nicht, was sie eigentlich erwartet - wir hätten sie ja auch ganz schön blamieren können. Aber nach den ersten Stunden gemeinsamen Probens waren sie sichtlich beruhigt.“
Blamiert hat der Projektchor die Gäste wahrlich nicht. Voller Vorfreude und dem empfundenen Leistungsdruck vor dem professionellen Team hatte sich der Chor auf eine zuvor kaum vorstellbare Leistung emporgearbeitet, nicht zuletzt unter ihrem nimmermüden Chorleiter Hans-Dieter Müller: „Für mich war es eine musikalische Herausforderung, den neu gegründeten Chor aus geübten Edelweiß-Sängerinnen und -Sängern und Neueinsteigern musikalisch zu vereinen, um ein Konzert mit den Künstlern von LaLeLu auf so hohem Niveau zu ermöglichen.“

Edelweiß-Vorsitzender Egon Bick war stolz auf die Truppe: „Wir als Verein sind stolz, zum Ausklang unseres Jubiläums eine Gruppe wie LaLeLu verpflichtet zu haben, und hoffen natürlich auch darauf, dass Mitglieder des Projektchors Gefallen an unserem Verein gefunden haben und uns weiterhin unterstützen.“

Wie es weitergeht, ist offen. Jedenfalls hat sich erst mal eine große Portion Erleichterung breit gemacht, aber auch die vage Vision auf die Zukunft. Nicht umsonst heißt der Projektchor „2020“. Bis dahin freuen sich die Gäste der Kulturhalle noch auf viele weitere ansprechende Veranstaltungen. Im Januar trifft sich der Projektchor wieder - neben dem Rückblick hoffentlich auch zum Ausblick auf Neues.

Quelle: op-online.de

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