Den Triumph still genossen

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Sein persönliches Ergebnis hatte Roland Kern mit Frau und Sohn im stillen Triumph genossen. So richtig Freude kam auf, als der erste Trend bei der Kommunalwahl die Hoffnung aufkommen ließ, die AL könnte stärkste Fraktion in der neuen Stadtverordnetenversammlung werden. Kathi Rickert, die Nummer zwei der Kandidatenliste, mochte den Blick nicht von der Leinwand wenden.

Rödermark - Der überlegene Sieger der Bürgermeisterwahl verzichtete auf jede Häme und jedes Triumphgefühl. „Ich habe auch drei Anläufe gebraucht“, tröstete Roland Kern (AL) seinen vermeintlich schärfsten Widersacher Norbert Rink (parteilos, von der CDU nominiert). Von Michael Löw

Angesichts des Ergebnisses - Kern 59,1 Prozent, Rink 30,6 Prozent - war's für Rödermarks neuen und alten Bürgermeister ein Leichtes, Großmut zu zeigen.

Weit hinter ihren Erwartungen und denen ihrer Parteien blieben auch die drei übrigen Bewerber - Stefan Junge (SPD, 4,6 Prozent), Hans Gensert (FDP, 3,7 Prozent) und Manfred Rädlein (Freie Wähler, 2,0 Prozent) zurück.

Besonders niederschmetternd war der Wahltag für den SPD-Vorsitzenden Junge. Nachdem die Genossen 2005 keinen Kandidaten ins Rennen geschickt hatten, wollte der politische Späteinsteiger demonstrieren, dass mit der SPD wieder zu rechnen ist. Doch er schnitt noch viel schlechter ab als Norbert Schultheis, der 1999 13,3 Prozent erhielt, und Cornelia Diekmann, die 1994 immerhin auf knapp 18 Prozent kam.

Vom Amtsbonus profitiert

Roland Kern hat seiner Ansicht von der allgemeinen Stimmung und seinem Amtsbonus profitiert. Er selbst hätte als Newcomer, der auch nicht im Parlament saß, wenig Chancen zur Profilierung gehabt. Die Bürgermeisterwahl sei auch „ein leichter Nackenschlag“ für die schwarz-rote Kooperation gewesen, räumte Stefan Junge ein.

Auch Rink und Gensert führten Kerns Sieg im ersten Wahlgang zumindest teilweise auf die Atomkatastrophe in Japan zurück. Gensert schickte zudem noch ein ironisches Dankeschön an den liberalen Bundeswirtschaftsminister: „Was Herr Brüderle zum Atomausstieg gesagt hat, war nicht geeignet, einem FDP-Kandidaten zu einem guten Ergebnis zu verhelfen.“

Rink bedauerte, dass seine Kandidatur als Parteiloser nicht honoriert wurde. Unentschlossenen oder Wechselwählern war seine Nähe zur CDU offenbar doch zu groß. Er befürchtet, dass Rödermarks Schulden in Kerns zweiter Amtszeit noch weiter steigen. Das war Norbert Rinks griffigster Vorwurf während des Wahlkampfs gewesen.

„Kein Weichei“

In die gleiche Kerbe schlug auch Rädlein: „Jetzt ist der Weg frei für Rödermark als Kunst-, Kultur- und Sozialhauptstadt Hessens“, spielte er auf Kerns mutmaßliche Prioritäten an.

Der konterte umgehend. Sein größter Erfolg sei es gewesen, Dinge gemeinschaftlich zum Laufen zu bringen. Die Wahl habe den Vorwurf, er sei Moderator und kein Macher ins Gegenteil verkehrt.

„Ich mache die sechs Jahre voll. Ich bin doch kein Weichei“, versprach der 63-Jährige. Ein taktischer, altersbedingter Rückzug nach einem Teil seiner Amtszeit komme nicht in Frage. Mit einem solchen Schritt hatten Bürgermeister Alfons Maurer und die CDU 2005 den Weg für Alexander Sturm frei machen wollen. Profitiert davon hatte Roland Kern, der im dritten Versuch Bürgermeister wurde.

Quelle: op-online.de

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