Komödie um eine Kommode

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Die Rettung der geliebten Kommode vor den Zugriffen von Onkel und Tante bereitet Theaterfriseur Balthasar Fröhlich (Christian Schulze) und seiner Frau Idchen (Michaela Weitz) zunächst Kopfzerbrechen und später Hektik.

Urberach - (chz) Theater in der Turnhalle - das heißt monatelange Vorbereitung der MTV-Theatergruppe auf einen einzigen Abend, und dann die Hoffnung, dass kein Länderspiel im Fernsehen läuft oder kein Hagelsturm übers Land fegt. Sonst ist die Arbeit nämlich umsonst.

Rund 60 Zuschauer genossen die Einakter „Der Heiratsantrag“ und „Die Kommode“, die unter der Regie von Gertrud Schulze aufgeführt wurden. Zwei Einakter statt bisher einem abendfüllenden Stück waren der Tribut dafür, dass es keinem Hobby-Schauspieler mehr zuzumuten ist, für eine einzige Aufführung eine ellenlange Rolle auswendig zu lernen. So wurden die beiden Einakter verschieden besetzt waren.

Die Stücke mussten manchmal kurzfristig angepasst werden - etwa als Ann-Selin Onuk und Sandra Wenz (beide 14) neu zur Truppe stießen, worauf die Tochter-Rolle aufgespalten wurde. Ganz ohne Überreden war auch Gertrud Schulze (78) bereit, für die Gutsbesitzerin Olga Tschubuków in Tschechows „Heiratsantrag“ wieder auf die Bühnenbretter zu steigen. Eigentlich wollte sie nur noch Regie führen - nun macht sie das eben wieder „so nebenbei“. Andreas Werner unterstützte das Ensemble wie seit vielen Jahren bei der Beleuchtung, Matthias Schulze baute und malte die Kulissen.

Das klassische Kammerstück „Der Heiratsantrag“ gab Matthias Schulze als Iwán Wassijewitch Lómow die Möglichkeit, seine Fähigkeiten gut zu präsentieren, und so brachte er den gehemmten, verklemmten und schüchternen Möchtegern-Liebhaber, der im Kampf um sein Eigentum aber zur Furie werden kann, prächtig herüber, gut pariert von Möchtegern-Schwiegermutter Gertrud Schulze und von deren gekonnt naiv ahnungslos spielenden Tochter Natalia alias Nicole Theis.

Viele Möglichkeiten zu glänzen

Ganz aus dem Charme des Stückes mit seinen vielen netten Gags heraus, aber auch mit herzerfrischend lockeren Schauspielern bestach „Die Kommode“. Tante tot oder nicht tot oder vielleicht doch tot? Kommode rein - Kommode raus? Die Geschichte ist herrlich geeignet für einen amüsanten Abend und gab den Hauptdarstellern viele Möglichkeiten zu glänzen. Ganz große Klasse zeigte dabei die neu im Ensemble stehende und herrlich spritzige Michaela Weitz als Idchen, die Ehefrau des unentschlossenen und hinterherhinkenden Theaterfriseurs Balthasar Fröhlich alias Christian Schulze. Der stand gegen seine Frau, drei reizenden Töchtern (Anna Senn, Ann-Selin Onuk und Sandra Wenz) samt einem dominanten Hausdrachen in Gestalt von Tante Klärchen eigentlich auf verlorenem Posten - was er gut verkörperte. Erfrischend auch Franz Till als Theaterintendant, der ganz rollengerecht die Szene dominierte. Geradezu aufreizend dreist kamen Tante Linchen (Karin Keck-Heusel) und Onkel Gustav (Andreas Werner) zu Besuch - selbst als Zuschauer hätte man sie am liebsten hinauskomplimentiert. Franziska Wolf als Frau Dr. Ochsenbein hatte schließlich den Knalleffekt des Stückes für sich: Totenschein ja oder nein?

Die Zuschauer genossen den Abend sichtlich und freuen sich auf die nächste Produktion.

Quelle: op-online.de

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