Konzertreihe trägt ihre Handschrift

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Uta Endrichkeit lebt jetzt in Bonn.

Rödermark - Über ein Jahrzehnt hielt Uta Endrigkeit die musikalischen und organisatorischen Fäden der Musikgemeinde Rödermark fest in ihren Händen. Von Carsten Müller

Jetzt ist die Sachwalterin der Kammermusik, die eine in der Region beachtete Konzertreihe im Bücherturm der Stadt etablierte, aus familiären Gründen nach Bonn gezogen. Als künstlerische Leiterin, verantwortlich für Auswahl und Buchung von Ensembles und Solisten, bleibt sie der Kulturgemeinde gleichwohl erhalten.

Ende Mai wurde auch offiziell ein neuer Vorstand gewählt, die Leitung des eingetragenen Vereins auf zwei Paar Männerschultern verteilt. Dr. Bernd Winkler und Falk Bauer als erstem und zweitem Vorsitzenden, dazu Schatzmeister Manfred Knoch, Schriftführerin Petra Richter sowie die Beisitzer Wilhelm Jerosch, Rovena Bahmüller und Ulrike Stahn. Doch Uta Endrigkeits Ära hat tiefe Spuren hinterlassen.

Nicht nur im Ansehen des neuen Öffentlichkeitsarbeiters Wilhelm Jerosch, der Endrigkeit vor einigen Jahren am Rande eines Konzerts im Rothaha-Saal kennen lernte und sich sofort von ihrer direkten Art beeindruckt zeigte, auch weil ihn die Musiklehrerin, die selbst Geige und Klavier spielte, sogleich zum Mittun im Verein animierte.

Sehr kultiviert, kulturpolitisch hoch motiviert, gruppendynamisch perfekt und ausgestattet mit einem exquisiten Musikgeschmack“, lobt Jerosch die Tugenden seiner langjährigen Vorsitzenden, die „mit eiserner Hand und auf ganz subtile Art“ Menschen für die Reihe „Musik im Bücherturm“ gewinnen konnte – als neue Vereinsmitglieder und Abonnenten oder als fleißige Helfer. Eine „grandiose Leistung“ sei dies, Endrigkeit habe sich dabei selbst ausgebeutet, meint Jerosch bewundernd.

Große Künstler nach Ober-Roden geholt

Die Musiklehrerin zögerte noch, als Wolfgang und Dorothea Lippert Anfang der Neunziger Jahre die Führung des 1973 von ihnen gegründeten Vereins abgeben wollten, sprang aber 1996 als frisch gebackene Pensionärin ohne Zögern, aber mit einigem Herzklopfen, in die Bresche. „Ich wollte, dass die Musikfreunde auch bei uns ohne den Aufwand für Kartenbesorgungen und lange Autofahrten ein gutes Konzert hören konnten.“ Gelegentliche Äußerungen nach dem Motto: „Ich gehe doch nicht nach Ober-Roden in ein Konzert! Ich gehe in die Alte Oper“, spornten Uta Endrigkeit zusätzlich an.

Ihr Augenmerk lag zunächst darauf, bekannte Künstler zu engagieren, die sie bei Konzertbesuchen in Frankfurt, Darmstadt und Bensheim ansprach. Absagen habe sie eigentlich nie bekommen, und die besonderen Qualitäten der Ober-Rodener Konzertreihe machten bald in Musikerkreisen die Runde: „Da gibt es etwas Gutes zu essen, und der Flügel ist prima.“ Ganz zu schweigen von den schon legendären Steh-Partys im Anschluss an die Konzerte, wo sich Künstler und Publikum, Rezensenten und Veranstalter im Hause der künstlerischen Leiterin näher kommen.

Spannende finanzielle Balanceakte

Der hohe Qualitätsanspruch Endrigkeits verlangte zähes Verhandeln, um prominente Ensembles wie das Berliner Kuss-Quartett, das Fauré Quartett, das Trio Fontenay oder das Londoner Sacconi Quartet sowie namhafte Solisten wie Ragna Schirmer, Susanne Grützmann oder Eduard Stan in den Bücherturm zu locken. Uta Endrigkeit empfindet solche finanziellen Balanceakte nicht als belastend, sondern als äußerst spannend, immer vor dem Hintergrund, den äußeren Aufwand so gering wie möglich zu halten, um so viel wie möglich für die Künstler ausschütten zu können. „Das Wichtigste war mir, dass immer mehr Menschen erkannten, dass der wahre Musikgenuss erst in einem live erlebten Konzert zu spüren ist, wenn man nicht schon das Glück hat, selbst ein Instrument spielen zu können.“

Karten gibt es im Vorverkauf im Kulturbüro der Stadt Rödermark und bei Rovena Bahmüller (Tel: 06074/99445).

Dieser Maxime bleibt sie auch als Regisseurin aus dem fernen Bonn treu: Soeben ist das neue Programm für die Saison 2009/2010 erschienen. Es bietet wieder Kammermusik gewohnter Güte vom Berliner Atrium Quartett (18. September), das Mozart, Mendelssohn und Schostakowitsch spielt, über den Duo-Abend mit Julian Steckel (Violoncello) und Paul Rivinius (Klavier) am 28. Oktober, den Klavierabend mit Guzal Enikeeva (2. Dezember, Werke von Schumann, Strauss und Tschaikowsky), das Buchberger Quartett (5. Februar), im Gepäck Haydn, Reger und Mozart, bis hin zum Johannes Kreisler Trio (12. März, Schumann, Martin und Schubert) und dem Klavierabend mit Christian Seibert, der am 21. April zum Saisonabschluss Sonaten von Hindemith und Beethoven spielen wird.

Quelle: op-online.de

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