Ärger über Wasservögel

Kormorane plündern Teich

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Stiller als den Angelsportfreunden Urberach lieb ist, ruht ihr See. Kormorane haben den Fischbestand ziemlich geplündert, fast nur noch Karpfen von 50 Zentimetern aufwärts sind übrig geblieben. 

Urberach - Kormorane sind Feinschmecker, die gerne teuer Essen gehen. „Wenn so ein Vogel einen Zander im Schnabel hat, verschwinden sieben Euro im Schlund“, klagt Peter Bartossek, der Vorsitzende der Angelsportfreunde (ASF) Erlensee Urberach. Von Michael Löw 

Seit Herbst fallen in unschöner Regelmäßigkeit Kormorane über das Vereinsgewässer im Wald zwischen Offenthal und Messel her und haben es soweit leer gefressen, dass der Vorstand das Rödermark-Angeln am Sonntag nach Waldacker verlegt hat. „Ich habe hier schon 20 Kormorane verscheucht“, macht Bartossek die Dimensionen deutlich. Das war zwar ein Spitzenwert, doch auch fünf oder zehn der gefräßigen Wasservögel richten viel Schaden an. Sie tauchen bis zu einer Minute lang und jagen Fische quer durch den ganzen Teich. Das unterscheidet sie von Reihern, die an seichten Stellen auf leichtsinnige Beute warten.

Aus lauter Verzweiflung hatten die Urberacher Angler zwei Vogelscheuchen aufgestellt. Doch die beeindruckten die ungebetenen Gäste nur ein paar Tage. Ähnlich gering ist der Abschreckungseffekt, wenn Bartossek und seine Vereinskollegen am See auftauchen. Sobald sie weg sind, kommen die Kormorane zurück. Nicht mal Drähte oder Schnüre dürfen die Angler über ihren rund ein Hektar großen Teich spannen, weil er mitten im Landschaftsschutzgebiet liegt.

Kormorane stehen unter Naturschutz

Bartossek resigniert: „Solange die Gesetze sind wie sie sind, kann uns kein Mensch helfen!“ Denn Kormorane stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gejagt werden. Eine unglückliche Kanadagans-Familie hat die Plagegeister kurzzeitig ferngehalten. Die Eltern hatten fünf Küken ausgebrütet, vier fielen Milanen und anderen Greifvögeln zum Opfer. Erst als nur noch eines übrig war, gingen die Gänse zum Gegenangriff über. „Der Erpel ging wie wild auf alles los, was angeflogen kam“, schildert Peter Bartossek. Seit das Küken flügge geworden ist, müssen die Angler ohne die Hilfe der Gänse auskommen.

Bartossek hat in einschlägigen Internetforen schon Hinweise auf Sibirische Kampfgänse - die heißen tatsächlich so - gefunden. Aber die sind sehr aggressiv. Sie dulden kaum andere Vögel in ihrem Revier. Das ist für Bartossek keine Lösung, denn dann leide die biologische Vielfalt am See, in dessen Nachbarschaft auch Fischreiher brüten.

Die Kormorane kommen offenbar vom Altrhein in den Offenthaler Wald. Bislang, so Peter Bartossek, hat nur sein Verein dermaßen massive Probleme mit ihnen. Am Berngrundsee in Waldacker zum Beispiel lassen sie sich nur selten blicken. Er nimmt an, dass das seichte ASF-Gewässer mit maximal zwei Metern Tiefe den Kormoranen die Jagd leicht macht. Als die Vereinsgründer den künstlichen See anlegten, stießen sie auf harten Sandstein und konnten ihn nicht - wie anderswo üblich - auf sieben oder acht Meter ausbaggern.

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Die mangelnde Tiefe ist ein weiteres Handicap. Die Angelsportfreunde können weder auf natürliche Fortpflanzung hoffen noch zentnerweise Jungfische einsetzen. Die Zander sind 30 Zentimeter groß und zwei bis drei Jahre alt. Pro Stück kosten sie mindestens sieben Euro - kein Wunder, dass Bartossek die Preise für ein Kormoran-Feinschmeckermenü weiß. Rund 1000 Euro geben die Urberacher Angler jedes Jahr für neue Fische aus. Peter Bartossek schätzt, dass zumindest in dieser Saison die meisten in den Schlünden der Kormorane verschwanden. Die Vogelattacken kosten den Verein nicht nur Geld und Fische, sondern auch Mitglieder. Die ersten beiden Kündigungen hat Bartossek schon auf dem Tisch. Begründung: Was soll ich in einem Angelverein mit leerem Teich?

Quelle: op-online.de

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