Kraniche landeten im Kreisel

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Gotthelf Schlotters Vogel-Skulptur, lange Jahre hinter den Büschen des Umspannwerks im Breidert versteckt, steht jetzt am viel diskutierten Kreisel Ober-Roden/Nord.

Ober-Roden (lö) ‐ Der Kreisel am nördlichen Ortsausgang machte bisher meist wegen seiner Fahrbahnmarkierung, die Autofahrer als Legokunst verspöttelten, von sich reden. Seit ein paar Tagen steht dort ein weit solideres Kunstwerk: das Kranich-Trio des Bildhauers Gotthelf Schlotter.

Jahrelang fristeten die Vögel am Umspannwerk der HEAG/HSE im Breidert ein verborgenes Dasein. Jetzt überließ der Darmstädter Energieversorger die Vogel skulptur der Stadt als Dauerleihgabe.

Die Vögel zum Fliegen gebracht hat Rudolf Schleicher, dem das Kunstwerk beim Spazierengehen trotz dichter Hecken aufgefallen ist. Er konnte es umgehend dem Darmstädter Bildhauer, einem Bekannten seiner Eltern, zuordnen. 1998 fragte Schleicher erstmals bei der HEAG, ob die Figurengruppe nicht einen besseren Platz verdient hätte. Das Umspannwerk sei nur eine Zwischenstation, bekam er damals zu hören. Als endgültiger Standort sei die Zentrale geplant - passenderweise im Darmstädter Stadtteil Kranichstein.

Anfang 2007 standen die Vögel immer noch im Breidert. Bürgermeister Roland Kern bekundete Schleicher gegenüber vorsichtiges Interesse der Stadt. Als Rudolf Schleicher erfahren hatte, dass Gotthelf Schlotter im August 2007 gestorben war, hielt er es für angebracht, abermals auf die Kraniche aufmerksam zu machen. Im Juli 2008 kam er mit seinem Anliegen zu unserer Zeitung.

Interesse an Kunst im öffentlichen Raum

Die brachte immerhin Energieversorger und Stadt mit einander ins Gespräch. Michael Leukam von der HEAG/HSE-Pressestelle bedauerte, dass die Skulptur im Verborgenen steht, Bürgermeister Kern betonte das Interesse an Kunst im öffentlichen Raum.

Anfang der Woche zogen die Kraniche mit Hilfe des städtischen Bauhofs aus dem Breidert ans andere Ortsende. Zuletzt, so Leukam, hätten nur noch Versicherungsfragen geklärt werden müssen. Kunstwerke an gut zugänglicher Stelle locken immer wieder Rowdys an.

Der Kreisel an der Einmündung der Kapellen- in die Frankfurter Straße hat nun also einen Blickfang. Ob die tanzenden Kraniche die Diskussion um Fahrbahnführung, Parkplätze und Plastikbegrenzungen verstummen lässt oder wieder belebt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Quelle: op-online.de

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