Kreativ-Chaos ohne Geldsorgen

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Förderschüler planten eine Bücherei ganz nach ihren Wünschen.

Rödermark (lö) ‐ Geld spielt keine Rolle, allein die Phantasie setzt Grenzen: Der Traum eines jeden Architekten wurde für ein Dutzend Siebtklässler der Helene-Lange-Schule wahr. Seit September planten sie unter der Regie von Kurt Vollmer (Rödermärker Büro für Jugendkultur) den Umbau des Turmzimmers in der Stadtbücherei in Ober-Roden.

Die Ergebnisse ihrer „Zukunftswerkstatt“ - teils kreativ, teils chaotisch, meist beides - stellten die Lernhilfeschüler gestern vor. Den Anfang hatte eine Motzrunde gemacht, deren Zitate mehrere Stellwände in Anspruch nahmen: „Die Bibliothek ist zu ungemütlich“, lautete ihr Urteil über den Bücherturm, der zudem von der Urberacher Förderschule nicht mit dem Bus zu erreichen ist. Dass Jugendliche „lautes Handy-Klingeln überall“ als störend empfinden, wunderte dann doch so manchen Betrachter der „Klagemauer“. Die Schüler hatten sich aber auch ihre Gedanken zur Stadt allgemein gemacht: „Zu grau“ sei sie, und das „Beste an Rödermark ist ohnehin Nieder-Roden“.

Die 13- und 14-Jährigen wollen das Turmzimmer - je nach persönlicher Vorliebe - zur Sportecke, zum Multimedia-Center oder zur Mega-Chill-Zone umbauen. Und ein paar von ihnen hatten den grauen Außenwänden im Modell kurzerhand einen farbenfrohen Anstrich verpasst.

Kritische Meinungen im Hinterkopf behalten

„Es war gut, aus der Schule rauszugehen“, fasste Lehrerin Alexandra Kneisel das Projekt zusammen, das sie mit ihrer Kollegin Yvonne Botsch begleitet hatte. Denn nur so seien die Einschätzungen über das Gesamtbild der Stadt oder über die eigene Situation („Förderschüler haben ein schlechtes Image“) möglich gewesen. Bürgermeister Roland Kern versprach, gerade diese kritischen Meinungen im Hinterkopf zu behalten. Sie seien keineswegs destruktiv, sondern könnten helfen, das Rödermark-Gefühl zu stärken.

Förderschüler planten eine Bücherei ganz nach ihren Wünschen.

Was angesichts eines 11,4-Millionen-Euro-Lochs im Haushalt aus den hochfliegenden Plänen wird, steht in den Sternen. Vollmer will seinen Nachwuchs-Architekten aber keine Angst vor leeren Kassen machen. Denn in der langen Ideenliste finden sich auch etliche Vorschläge, die sich für vergleichsweise kleines Geld umsetzen lassen. Der Kauf weiterer Hörbücher oder DVDs verschlinge keine Unsummen. Und für eine Sitzecke, deren Stühle aus überdimensionalen Löffeln bestehen, müsste sich im kunstbegeisterten Rödermark doch ein Sponsor mit Hang zum Kreativen finden lassen.

Die „Zukunftswerkstatt“ war Kurt Vollmers Praxisprojekt in seiner Weiterbildung zum Moderator in der Kinder- und Jugendarbeit. Die hat er parallel zu seiner Tätigkeit in der Rödermärker Jugendpflege absolviert. Am Wochenende fährt er zur Abschlussprüfung nach Leipzig.

Quelle: op-online.de

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