Rödermark als Vorbild

Kreative Geister auf Sinnsuche

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Seht her, ein Rödermärker Leitbild gab es schon vor 20 Jahren, scheint Alfons Maurer zu sagen und weist auf den „Pflastermaler“ im Foyer der Kulturhalle hin: 23 Firmen und Privatleute hatten 30.000 Mark aufgebracht und das Gemälde von Leo Leonhard für die Stadt gekauft.

Ober-Roden - Wo ragt Rödermark in Sachen Kultur über die Nachbarstädte hinaus? Wie können seine kreativen Köpfe vielleicht sogar Einzigartiges schaffen?  Von Michael Löw 

Antwort auf diese Fragen suchte Ehrenbürgermeister Alfons Maurer am Dienstagabend mit mehr als zwei Dutzend organisierten oder frei schaffenden Musikern, Sängern, bildenden Künstlern und Veranstaltern. „Sie haben hier die Chance, zu spinnen und zu träumen“, ermunterte Ehrenbürgerbürgermeister Alfons Maurer die Kreativrunde, jenseits des Schemas F (wie Finanzen) zu denken. Doch die Sorge ums Geld und ums Publikum beschäftigte die Veranstalter offenbar weit mehr, als Maurer erwartet hatte. Lothar Rickert, der Vorsitzende des Alternativen Zentrums (AZ), befürchtet, dass die Kultur „in Rödermark unter die Räder kommt“, weil Politiker auf diesem Gebiet den Willen zum Sparen demonstrieren könnten.

Rödermarks Migrantenvereine und -gruppen wie die persische Initiative „Alle für Alle“ wollen mehr sein als folkroristisches Beiwerk des Rödermärker Kulturlebens. Auch das war eine Erkenntnis der Diskussion, die Alfons Maurer angestoßen hatte.

Musikgemeinden-Chef Dr. Bernhard Winkler sprach vielen aus der Seele, als er eingestand: „Unser Publikum ist überaltert. Aber wir schaffen es nicht, die Jugend zu motivieren!“ Die Suche nach einem kulturellen Leitbild wurde zur Suche nach den jungen Leuten, die aus Konzert- und Theatersälen, Ausstellungsräumen, aber auch auch Chören und einigen Orchestern verschwunden sind. „Präsentation von Kunst interessiert diese Altersgruppe nicht“, sagte Manfred Blößer von der Künstlergruppe KiR. Kinder und Jugendliche wollen mitmachen - wie beim KiR-Projekt „5 plus 1“. Dabei entstand das stählerne Pony, das den Ortseingang von Messenhausen ziert. Projekt heißt das Zauberwort, das kurzfristiges Engagement ermöglicht.

Exakt befristete Kultur

Auch die Urberacher Sängerlust Edelweiß hat gute Erfahrungen mit zeitlich exakt befristeter Kultur gemacht. Beim Konzert mit dem Profi-Chor „Lalelu“ standen etliche Schüler und junge Erwachsene mit auf der Bühne. Aber eben nur dafür. „Glauben Sie nicht, dass das Durchschnittsalter in unserem Chor auf Dauer auch nur um einen Monat gesunken ist“, warnte Reinhard Betz vor übertriebenen Hoffnungen. „Haben wir in Rödermark vielleicht zuviel Kultur, die sich Konkurrenz macht?“ fragte Karlheinz Weber („Wir sind Breidert“) provokant in den Raum. Sein Vorschlag: Ideen und Kräfte zu großen gemeinsamen Veranstaltungen bündeln. Das Rödermark-Festival 2007 könne als Vorbild dienen. Erster Stadtrat Jörg Rotter glaubte indes nicht, dass solch allumfassendee Kraftakte öfter möglich sind. Er regte die Kooperation von vielleicht einer Handvoll Partnern an, deren Angebote sich ergänzen und ein ähnliches Publikum ansprechen. Das funktioniert schon zwischen AZ und Deutsch-türkischem Freundschaftsverein, ergänzte Rickert.

Ein Generationen, Genres, Gruppen und Kulturen übergreifendes Projekt könnte das gesuchte Rödermärker Leitbild sein, fasste Alfons Maurer die eineinhalbstündige Gesprächsrunde zusammen. Dazu könnten die kulturschaffenden Ehrenamtlichen viele Ideen liefern. Bei der Umsetzung seien sie aber auf die Unterstützung der Stadt angewiesen.

Quelle: op-online.de

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