St. Gallus-Frauen schlüpfen beim Kreppelkaffee in viele Rollen

Närrische Alleskönner

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Die Caritas-Beatles tanzten drauf los, doch beim inzwischen gereiften Alter der Pilzköpfe geht nichts mehr ohne Krücken, Rollstuhl und Rollator.

Urberach - Mitzubringen sind von den Gästen: Kaffeetasse, Kostüm und konstant gute Laune. Gegengabe der Veranstalterinnen: Kaffee, Kreppel und Kabarett Marke Eigenbau. Das ist der Kreppelkaffee der St. Gallus-Frauen im Stenogrammstil.

Wer wirklich handgemachte Orwischer Fassenacht erleben möchte, muss sich an einen der beiden Abende ins KSV begeben. Was das ungewöhnlich harmonisierende Schwiegermutter/Schwiegertochter-Paar Ingrid Killian und Sandra Killian auf der Bühne präsentierte, war herzerfrischend. Genauestens vom Elferrat beäugt, brachten Evi Sulzmann mit der „Apotheken-Umschau“ im Arm und Iris Gotta als Zwiwwelfraa die Zuhörer zum Lachen. Die KSV-Garde gab ein Gastspiel, und zum Abend passend erschien das Spätlese-Ballett als kugelrunde und zuckersüße Kreppel mit Kaffeegedeck auf dem Kopf - eine Augenweide.

Die Gruppe um Birgit Janovsky erzählte und sang hingebungsvoll von den „müden Helden daheim und deren steter Wandlung binnen weniger Jahrzehnte. Die Playback-Show bot nicht nur eine kesse Donna Summer alias Julia Giesecke und eine aufreizende rotbestiefelte Nancy Sinatra alias Mandy Schmidt, sondern auch das originelle Abbild der Beatles. In die Jahre gekommen, machen’s halt auch die Liverpooler Pilzköpfe nicht mehr ohne Stock, Rollator und Rollstuhl samt Pflegerin – eine wunderschöne Idee, ausgefeilt vom Caritas-Team Dorothea Rygulski, Dijana Krijan, Monika Gadanac, Edeltraut Helferich und Julia Meerheim.

„James, 's selle wie im letzte Joar!“ – in der Urform „Same Procedure as Every Year“ - brachten Ulrike Rist und Anette Mertink das „Orwischer Dinner for One“ grandios waschecht mit Äppler un’ Marklössje-Supp’ und vier auferstandenen Alt-Urberacherinnen auf die Bühne: na dann „uff de Sophie!“

Der Wolf wird vom Bobby-Car überfahren

Aus ihrem alten Märchenbuch las Lucia Freund die wahre Geschichte vom Rotkäppchen (niedlich verkörpert von Sandra Killian), seiner Grußmutter (Julia Giesecke) und natürlich dem Wolf (Maria Weber), der nicht etwa vom Jäger (Nicole Neuheuser) erschossen, sondern von einem Bobby-Car überfahren wurde.

Doris Mickler betreute die Gäste des Stadtbusses.

Optisches Glanzlicht nicht nur durch ihre goldenen Kostüme waren die Waka-Waka-Tänzerinnen, die dem Abend noch einen weltmännischen oder besser –fraulichen Touch gaben. Lokales Highlight schlechthin: Das nicht umsonst am Schluss jedes Kreppelkaffees stehende Duo Doris Mickler und Rita Zimmermann. Diesmal beglückten sie den Saal als Busbegleiterinnen mit kleinen Gaben aus ihrem Bauchladen und mit einem topaktuellen Beitrag – begleiteten sie doch den Stadtbus und erzählten aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. „Die Busfahrt heut Abend; nur mit uns Zwei; ihr Leut: der Bus wär dann immer voll und die Stadt hätt’ ihr Freud!“. Daran zweifelte niemand nach diesem charmanten Beitrag.

Auffallendstes Merkmal der katholischen Frauen-Fastnacht. Relativ wenige Aktive stürzen sich in dieses Erlebnis und trauen sich die verschiedensten Rollen von der Moderation über Gesang und Tanz bis zum zündenden Wortbeitrag zu. Ein großes Lob an diese Frauen, die ihr Publikum mit einem runden, kunterbunten und vor allem lokal pointierten Programm verwöhnt haben. 

chz

Quelle: op-online.de

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