Pfarrer Jung geht ungewöhnliche Wege

Krippe bleibt bis Ende April in der Kirche

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Vor dem violetten Tuch an der Mauer des Nazarius-Modells stand bis zum Feiertag „Maria Lichtmess“ die Krippe mit dem Jesu-Kind. Jetzt erinnert eine Dornenkrone an den Leidensweg des Herrn. Mit der Passionskrippe will Pfarrer Jung seine Schäfchen noch lange zum Nachdenken anregen.

Ober-Roden - Die Kirchengemeinde St. Nazarius hat ihre Weihnachtskrippe nicht wie üblich Anfang Februar abgebaut. Pfarrer Elmar Jung hat sie zur Passionskrippe umgetauft, die bis weit nach Ostern Denkanstöße liefern will. Von Michael Löw 

Besucher des „Rodgaudoms“ blicken seit Wochen verwundert nach vorne in die Marienkapelle. Denn dort steht immer noch die Weihnachtskrippe - aber ohne das Jesu-Kind, Maria, Josef und die Heiligen Drei Könige. Wo sich bis „Maria Lichtmess“ Anfang Februar der Stall von Bethlehem befand, hat Pfarrer Elmar Jung jetzt eine Dornenkrone, wie Jesus sie am Kreuz tragen musste, vor ein violettes Tuch drapiert. „Seine Lebensgeschichte hört ja mit Weihnachten nicht auf“, erläutert Jung.

Die Krippenlandschaft von dem fünf Meter hohen Modell der Nazarius-Kirche wird sich in den kommenden Wochen Stück für Stück wandeln. Der Passion, dem Leiden des Gottessohnes, folgt die Auferstehen. In der Osternacht will Jung die Dornenkrone durch die prächtig verzierte Osterkerze ersetzen. Die Krippe bleibt bis Ende April stehen und ist auch Teil der Erstkommunionvorbereitung. Danach wird sie endgültig abgebaut, weil die Marienkapelle für die Maiandachten benötigt wird, in denen die Katholiken traditionell zur Muttergottes beten.

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Auf die Idee zur Ober-Röder Passionskrippe kam Pfarrer Elmar Jung in bayrischen und österreichischen Barockkirchen. Dort werden das ganze Jahr über Szenen aus dem Leben Jesu nachgestellt. Der St. Nazarius-Seelsorger gestaltet immer wieder Krippen jenseits des Heile-Welt-Idylls, das der Stall von Bethlehem sonst verbreitet. An Weihnachten 2016 konfrontierte er seine Gemeinde mit Bildern blutender Flüchtlingskinder oder einer ärmlich gekleideten Puppe, die als Leiche an einen Strand gespült wurde. „Über diese Krippe wird bis heute geredet“, ist Jung sicher, dass seine Provokation in Ober-Roden angenommen wurde.

Quelle: op-online.de

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