Krise weckt Interesse an Kirche neu

Rödermark - (lö) Zum dritten Mal hintereinander sank 2008 in Rödermark die Zahl der Protestanten. 2 589 Menschen bekannten sich zur Urberacher Petrusgemeinde, 3 404 zur Evangelischen Kirchengemeinde Ober-Roden. 2006 meldete die Petrusgemeinde noch 2 635 und die Ober-Röder Gemeinde noch 3 543 Gläubige, 2007 waren‘s nur noch 2 623 beziehungsweise 3 504. In beiden Gemeinden hat sich der Rückgang also beschleunigt.

Die meisten der 35 Kirchenaustritte in Urberach führen die Pfarrer Sonja und Oliver Mattes aufs Geld zurück. Viele Menschen glaubten fälschlicherweise, die neue Abgeltungssteuer bedeute auch eine höhere Kirchensteuer. Aufgefallen ist den beiden Petrus-Seelsorgern, dass überwiegend Besserverdienende aus der Kirche ausgetreten sind. Das schwächt die ohnehin gebeutelten Kirchenkassen natürlich weiter

Ihr Ober-Röder Kollege Matthias sieht im Rückgang von 100 Gemeindemitgliedern „nichts Ungewöhnliches“. Denn nur 33 seien tatsächlich aus der Kirche ausgetreten - einer hat die Abgeltungssteuer als Grund abgegeben. Der weit größere Teil der Abgänge resultiere aus Umzügen oder Sterbefällen.

Auf den Gottesdienstbesuch wirkt sich dieser Rückgang aber nur beschränkt aus. Jede Gemeinde feiert pro Jahr etwa 70 Gottesdienste. In Ober-Roden wurden voriges Jahr 7 356 Kirchgänger gezählt - rund 800 mehr als 2006. Die 8 349 Kirchgänger des Jahres 2007 sind wegen der Gottesdienste beim „Rödermark-Festival“ ein Ausreißer nach oben. Trotzdem seien die Zahlen „weiterhin erfreulich hoch“, kommentierte Pfarrer Matthias Welsch die Bilanz. Heute sei die evangelische Kirche bei Gottesdiensten voller als vor 20 Jahren. Welsch bezifferte das Plus mit rund 25 Prozent.

Die Petrusgemeinde zählte 2008 4 854 Gottesdienstbesucher (2007: 4 731; 2006: 5 805). Oliver Mattes: „Erfreulich ist der höchste Gesamtbesuch an Weihnachten, seit diese Erhebung festgehalten wird. Zu besonderen Ereignissen kommen die Menschen nach wie vor in großer Zahl in unsere Kirche, weniger hingegen an „normalen“ Sonntagen! Dem versuchen wir mit einer Vielfalt an verschiedenen Gottesdienstangeboten entgegen zu wirken.“ Mattes gibt auch zu bedenken, dass die Petrusgemeinde fast ein halbes Jahr ohne festen Pfarrer war.

„Die Stimmung ist gut, wir sind eine gesunde und lebendige Gemeinde“, sagt Pfarrer Welsch und macht diese Einschätzung an zwei Zahlen fest. 45 Jugendliche werden 2009 konfirmiert, und für die Wahl zum Kirchenvorstand haben sich weit mehr Kandidaten gemeldet als nötig sind.

Sonja und Oliver Mattes haben in den vergangenen Monaten beobachtet, dass sich sogar wieder mehr Menschen der Kirche zuwenden: Die Wirtschaftskrise lässt den Wunsch nach seelsorgerischer und diakonischer Begleitung wachsen.

URBERACHER ZAHLEN

Taufen: 21 im Jahr 2008 (2007: 19; 2006: 23)

Trauungen: 2 im Jahr 2008 (4; 2)

Konfirmationen: 33 im Jahr 2008 (28; 37)

Beerdigungen: 30 im Jahr 2008 (17; 32)

Kircheneintritte: 5 im Jahr 2008 (10; 11).

Kirchenaustritte: 35 im Jahr 2008 (17; 18)

OBER-RÖDER ZAHLEN

Taufen: 23 im Jahr 2008 (2007: 40; 2006: 17)

Trauungen: 6 im Jahr 2008 (4; 5)

Konfirmationen: 34 im Jahr 2008 (36; 37)

Beerdigungen: 28 im Jahr 2008 (28; 28)

Kircheneintritte: 5 im Jahr 2008 (11; 5)

Kirchenaustritte: 33 im Jahr 2008 (30; 26)

Quelle: op-online.de

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