Messerangriffe abwehren

Immer Rückzug im Auge behalten

+
Wie man einen solchen Angriff vielleicht unbeschadet überstehen kann, vermittelten Florian Bagus und Stefan Paul bei einem Selbstverteidigungskurs des KSV Urberach.

Urberach - Bei einem Überfall, noch dazu einem mit dem Messer, darf das Opfer nicht zimperlich sein. Von Christine Ziesecke 

Wie man einem Angreifer den Finger möglichst tief in die Augen sticht oder mit voller Kraft in den Unterleib tritt, lernten 20 Teilnehmer eines Selbstverteidigungskurses beim KSV Urberach. Sie lernten aber auch, nie den Helden zu spielen.
Zum zweiten Mal hatte die Judoabteilung des KSV Urberach unter der Leitung von Wilhelm Lannert, Jan Lannert und Tim Rentzsch einen Selbstverteidigungskurs organisiert. Vier Stunden lang wurden die 20 Teilnehmer in zwei Trainingseinheiten mit den Grundlagen effektiver Mittel gegen Messerangriffe vertraut gemacht. Neben wenig Theoretischem gab"s vor allem praktische Übungen für jeden – Mann wie Frau.

Was kann ich tun, wenn ich mit einem Messer bedroht werde? lautete die unter Umständen lebensrettende Frage. Mit Florian Bagus, Berufsschullehrer aus Flieden, und Stefan Paul hatten die KSV-Aktiven zwei Experten geholt, die sie über den Judosport kennengelernt hatten. Bagus und Paul vermittelten die Kampftechniken von Krav Maga, mit denen sich in den Dreißigerjahren slowakische Juden gegen rassistische Schläger gewehrt haben. Später gehörte Krav Maga zur Nahkampfausbildung israelischer Fallschirmjäger.

Die Trainer führten die Übungen vor, alle Teilnehmer - zur Hälfte mit augenfälligen großen (Kunststoff-)Messern bewaffnet - machten sie nach, erst etwas zögerlich, dann zunehmend aktiv. Wichtig: immer den Rückzug im Auge haben, nie den Helden spielen. Denn zur Abwehr von Messerhelden gehört eine möglichst nüchterne Betrachtung der Situation. Soweit das bei einem Überfall möglich ist...

Im Ernstfall gilt: Ohne Zögern das Geforderte wie etwa Geldbörse oder Handy aushändigen. Zieht der Angreifer dann immer noch nicht ab, muss sich das Opfer mit allen Mitteln wehren, wozu durchaus auch Beißen gehört, mit den Fingern in die Augen stechen oder die Hände des Gegners außer Gefecht setzen und inzwischen mit einem Knie die empfindlichen Stellen treffen - aber stets mit dem Ziel des Rückzuges.

Und Florian Bagus gibt zu bedenken: „Wenn man einmal einen Kurs macht, ist das keine Versicherung auf Dauer. Effektive Selbstverteidigung muss von Jung bis Alt ebenso wie für Männer und Frauen anwendbar sein und immer wieder geübt werden.“ Das hat ein Vater-Sohn-Gespann im Blick. Sie hatten auch am ersten Grundkurs im vergangenen Jahr teilgenommen, und danach sogar zuhause ernsthaft weiter trainiert. Dazu wird es wohl auch diesmal kommen, zumal sie die Übungen in der KSV-Halle sehr ernsthaft nachvollziehen.

Die meisten der Teilnehmer hatten an diesen im Alltag eher ungewöhnlichen Übungen viel Spaß. Im Ernstfall würden Angreifer wie auch Opfer allerdings nicht mit diesem leicht entschuldigenden Grinsen im Gesicht gegeneinander kämpfen.

Die richtige Kampfsportart finden

Die weitverbreitete Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden, verbunden mit dem großen Interesse macht Hoffnung, dass die Judoka des KSV auch im nächsten Jahr einen Kurs anbieten, Themen gibt’s genug, wie Trainer Florian Bagus bescheinigt. „Wir sind in der kommenden Woche mit einem Kurs nur für Frauen unterwegs ebenso wie mit einem Kurs rund um Amoksituationen – das hat noch mal eine ganz andere Struktur.“ Der Lehrer wünschte sich, dass sich mehr Schulen etwa für Selbstverteidigung interessieren würden: „Bei uns herrscht ja noch die Anweisung: unter den nächsten Tisch kriechen und still sein. Und das kann"s garantiert nicht sein!“

Vielleicht wird der Ansatz, den der KSV im kommenden Jahr anbietet, aber niederschwelliger sein. Die Judo-Übungsleiter wurden bereits mehrfach angesprochen, dass Überfälle etwa mit dem Messer doch im Alltag gottlob selten seien und Mittel gegen einfache Bedrohungssituationen eingeübt werden sollten. Eines steht fest: Fast allen Menschen kann mit diesen Kursen etwas die Angst genommen werden; vorbereitet sein gibt Sicherheit.

Infos unter www.ksv-urberach.de

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare