Ein Stück Heimat gefunden

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Ohne Smoking und Abendkleid, sondern leger und mit dem Gefühl, immer willkommen zu sein: Irina Yafimowa (links oben), Tamara Remez (oben Mitte) und Andrej Morozov mit ihrer Gastgeberin Irene Knab.

Urberach (chz) - Wenn am Heiligen Abend die Alten und Behinderten im Haus Morija Weihnachten feiern, erwartet sie ein musikalischer Genuss.

Zwei weißrussische Künstler, die Pianistin Irina Yafimowa und Bariton Andrej Morozov, bekannt von den Benefizkonzerten in Urberach, geben ein kleines Konzert. Die Musiker sind seit ihrer Ankunft am 23. November bei ihrer Managerin Irene Knab in Urberach zu Gast und haben in dieser Zeit 20 Auftritte im ganzen Rhein-Main-Gebiet absolviert.

Die ersten Kontakte zwischen Irene Knab und den Künstlern der Staatlichen Bolschoi-Oper in Minsk kamen vor elf Jahren zustande, im Urlaub in Spanien. Rasch sorgte sie hier für Auftrittsmöglichkeiten, später meldete sie eine Konzertagentur als Gewerbe an. In diesen elf Jahren hat Irene Knab, die selbst eine Ausbildung als Cellistin genossen hat, neun weißrussische Künstler nach Urberach geholt. Andrej Morozov war als einziger stets dabei; er fühlt sich wohl hier: „Sobald ich das Rödermärker Ortsschild sehe, fühle ich mich wieder zuhause!“

Nur eine winzig kleine Gage

Die Künstler nehmen für die Zeit ihrer Rödermark-Reise unbezahlten Urlaub. Sie bekommen in Weißrussland ohnehin nur eine winzig kleine Gage, touren im Sommer manchmal auf Schiffen oder per Bus durch die Lande, um etwas dazu zu verdienen. Pianistin Irina Yafimowa etwa hat mehrere Jobs gleichzeitig, um über die Runden zu kommen: Sie hat zehn Klavierschüler, begleitet Konzerte auf dem Flügel und ist dennoch dankbar für das Geld, das sie in Deutschland verdient.

Längst hat Irene Knab ihr Engagement auch auf die Heimat der Künstler ausgedehnt und unterstützt mit Benefizkonzerten neben hiesigen Einrichtungen auch eine kleine Gruppe behinderter Kinder in Minsk sowie neuerdings auch ein Kinderdorf. Gerade hat sie wieder mehrere große Pakete voller Hilfsgüter nach Russland geschickt.

Ab Januar wieder neue Konzertkontakte

Ab Januar nimmt die vitale Organisatorin schon wieder neue Konzertkontakte auf. „Das ist schwierig, denn der Markt ist überfüllt!“ Doch sie hat wirklich etwas zu bieten, es gibt auch schon neue Einladungen.

Im Knab"schen Hause wurde mittlerweile umgeräumt, um Platz zu schaffen; es sind auch mal sieben, acht Leute, die dann eben auf Luftmatratzen im Wohnzimmer übernachten. Irene Knab: „Ohne meinen Mann könnte ich das alles nicht machen.“

Besonders gefallen haben den Künstlern wieder die Konzerte in Urberach – „es ist wie ein Konzert unter Freunden“. Im Gegensatz zu großen anonymen Konzerten genießen sie die Nähe des Publikums. Dass sie an Heiligabend nicht zu Hause in Minsk sind, stört Andrej und Irina nicht so sehr: Sie sind russisch-orthodoxe Christen und feiern am 7. Januar Weihnachten – „und unser größtes Fest ist ohnehin Ostern.“

Quelle: op-online.de

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