Urberach

Kulturelle Wüste in eine Oase verwandelt

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Urberach - (chz) Das Alternative Zentrum (AZ) Rödermark, eine der rührigen Kulturinitiativen in der Stadt, feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag.

Dem alternativen Anspruch zum Trotz: So ganz ohne Rede, Ehrungen und Spendenumschlägen ging‘s dann aber doch nicht in der Kelterscheune, dem Zuhause des AZ. Vorsitzender Lothar Rickert hielt tatsächlich eine Festrede, die Umschläge gab‘s diskret hinter der Bühne, und auch die Mitglieder wurden gewürdigt - sowohl die heute mitarbeitenden als auch jene der ersten Stunde. Allerdings bekamen sie weder Urkunden noch Weinkartons, sondern fröhliche Tütenkaspers und edle Schokolädchen.

In seiner Ansprache ging Lothar Rickert zurück zu den Wurzeln des AZ: „Gegründet als Reaktion auf das Unvermögen der Stadt, vernünftige Jugendarbeit zu leisten.“ Fast 200 junge und einige ältere Leute trafen sich damals zur Gründungsversammlung. Es wurde ihnen nicht leicht gemacht im seinerzeit tiefschwarzen Rödermark. Viele resignierten wegen der in den Weg gelegten Steine, und nur noch rund 30 von ihnen trafen sich in Privatwohnungen, veröffentlichten die alternative Stadtzeitung „Rödermax“, die wegen zu hoher Kosten wieder eingestellt werden musste, engagierten sich gegen Startbahn West und Odenwaldzubringer.

Spätestens nach der Gründung der Partei der Anderen Liste 1981 blieb nur noch die AG Kultur übrig. Mangels eigener Räume etablierte sie in Kirchengemeinden, beim KSV Urberach und schließlich im Jugendzentrum Urberach das „Kulturcafé“ mit Ausstellungen, Lesungen oder Musikangeboten. Ein städtisches Kulturangebot gab es laut Rickert zu jener Zeit nicht. Über 1000 Jugendliche trafen sich bei freiem Eintritt bei der „Rocky Horror Waldfest Show“; daraus entwickelten sich „Rödermark rockt nachts“ und diverse Bulau-Konzerte.

Seit 2005, als das AZauch mit dem Kulturpreis des Kreises ausgezeichnet wurde, steht dafür das Kleinkunstspektakel „Häfner Open“ im Wechsel mit dem Jazz Open Air. Die Frage nach eigenen Räumen blieb lange Zeit ungelöst. Die Idee, den „Faselstall“, das heutige Töpfermuseum, zu kaufen und auszubauen, zerschlug sich mangels Vereinbarkeit der Interessen ebenso wie der Umbau des alten Kinos in der Darmstädter Straße. „Gut so“, urteilt Rickert heute, „es wäre eh viel zu klein gewesen.“

Mit dem Umbau der Kelterscheune durch die Stadt und der Eröffnung 2005 bekam das AZ endlich einen zentralen Veranstaltungsort, auch wenn hier das „Kulturcafé“ nach über 100 Veranstaltungen nicht fortgeführt werden konnte. Dafür gibt es nun in Gemeinschaft mit den „Freunden der Nacht“ Orwisch-Oweräirer Musikfrühschoppen und trotz schwieriger finanzieller Basis viel Kleinkunst vom Besten, wovon rund ein Viertel in der Kulturhalle stattfindet. Auch im Jubiläumsjahr bietet das AZ Vielversprechendes an- unter anderem bekannte Namen von Arnulf Rating bis Henni Nachtsheim und vom „Kabbaratz-Duo“ bis zu Jochen Busse.

An die historischen Reminiszenzen beim Jubiläumsempfang schlossen sich Grußworte von Bürgermeister und AZ-Gründungsmitglied Roland Kern sowie Vertretern des Vereinsrings, des BSC Urberach, des Deutsch-türkischen Freundschaftsvereins und der Arbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren in Hessen e.V „LAKS“ an, in der das AZ Mitglied ist. Allen Rednern war gemeinsam, dass sie Lothar Rickert für seine vielfältige geleistete Arbeit und dem AZ für seinen unschätzbaren Anteil am kulturellen Leben der Stadt dankten und für sein Durchhaltevermögen - „und so soll es bleiben, die Stadt braucht euch“, so Roland Kern.

Quelle: op-online.de

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