„Grand Prix der strammen Waden“

Kulturhalle spielt Hauptrolle im HR

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Wer schwitzt mehr? Die grünen Männchen der „Pitschedabbeler“ oder das Team hinter der mobilen Bühnenkamera? Die Fernsehaufzeichnung vom „Grand Prix der strammen Waden“ in der Kulturhalle artete für alle Beteiligten gelegentlich zur Schwerstarbeit aus. Was Tänzer Stefan Koch (2. von links) aber mehr motivierte als störte: „Licht und Technik sind im Fernsehen um mindestens zwei Klassen besser als in den Hallen, in denen wir sonst auftreten.“  

Ober-Roden - Das Fernsehen wird zum Dauergast in der Kulturhalle. Am Sonntagabend zeichnete der Hessische Rundfunk zum zweiten Mal den „Grand Prix der strammen Waden“ auf, schon am Donnerstag war die Weiberfastnacht an der Reihe. Und der Vertrag für 2015 wartet auf die Unterschriften. Von Michael Löw

15 Seecontainer voller Material hat der Hessische Rundfunk (HR) nach Ober-Roden transportiert und seit 8. Januar aufgebaut. „Das ist noch vergleichsweise wenig“, berichtet Jörg Seitel, der technische Leiter der Kulturhalle. Die Fernsehleute schwärmen geradezu von den Arbeitsbedingungen in Rödermark. In anderen Halle müssten sie erst einmal eine Bühne bauen oder meterweise Alu-Träger für die Scheinwerfer an die Decke schrauben. Die ausgeräumten Container dienen dann auch mal als Umkleidekabinen für den Tanzwettbewerb der besten hessischen Männerballetts.

Doch auch ohne diese Extras ist der Aufwand in Ober-Roden immens. „Locker 50 Leute“, so Redakteurin Janina Strothmann, sorgen für Bild, Ton, Licht, Maske, Verpflegung und Requisite. Erstmals hatte der HR eine ferngesteuerte Towerkamera auf der Bühne installiert, die die meist wohltrainierten Männerkörper aus allen Perspektiven ins Visier nahm.

Kräftig ins Schwitzen kamen aber nicht nur die Tänzer aus acht (Karnevals-)Vereinen, sondern auch das mobile Aufnahmeteam auf der Bühne. Der Kameramann und seine Assistentin trabten hektisch an den Gruppen vorbei und fingen in den wenigen Sekunden, die die Regie ihnen ließ, erschöpfte oder glückliche Gesichter der Akteure ein. Da blieb kein Schweißtropfen verborgen. Sobald das Duo wieder hinterm Vorhang verschwunden war, richteten drei große Studiokameras ihre Objektive wieder aufs Geschehen. Kein Wunder also, wenn Janina Strothmann sagt: „Die Tänze beim „Grand Prix der strammen Waden“ sind für die Kameraleute viel anspruchsvoller als die Büttenreden der Weiberfastnacht!“

Tanzgruppen bewerben sich mit Video

Die Tanzgruppen hatten sich mit einem Video beim HR beworben und waren Anfang Dezember zum Casting eingeladen worden. Die „Pitschedabbeler“ aus Marköbel im Main-Kinzig-Kreis entführten ihr Publikum auf einen fernen Planeten. Dort treffen sie auf die Comicfigur Shrek, der mit Außerirdischen das gleiche Problem hat, wie „Pitschdabbeler“-Trainerin Steffi Ordon: Wie bringt man Bewegungsanalphabeten das Tanzen bei?

Wobei Fachfrau Strothmann gleich eine Lanze für die Männerballetts bricht: „Die tänzerische Qualität hat in den vier oder fünf Jahren, die ich das nun schon mache, enorm zugenommen.“ Manchmal wünschen sich sie und ihre Crew einen jener schwabbeligen Bäuche, die einst zum Männerballett gehörten wie der Korn zum Bier.

Jörg Seitel und die zwölf Helfer der Kulturhalle haben kaum Augen für die choreographischen Feinheiten. Noch während der letzten Proben vor laufender Kamera überziehen sie die Tische mit frischen Plastikdecken und rücken die Stühle zurecht. Die hat der Hessische Rundfunk wie schon bei der Premiere 2013 aus der Halle Urberach angefordert und Seitels Mannschaft eine gewaltige Portion Mehrarbeit aufs Auge gedrückt: „Wegen der Renovierung dort waren die Stühle total verdreckt. Wir mussten jeden einzelnen abstauben.“

Summa summarum lohnt sich der Aufwand für die Stadt Rödermark - auch wenn keiner Zahlen nennen mag oder darf. Zu einer pauschalen Miete kommen die Einnahmen aus zwei ausverkauften beziehungsweise gut besuchten Fastnachtsveranstaltungen und landesweite Werbung für die Kulturhalle. Also jubelten nicht nur die HR-Leute, als Programmchef Axel Mugler die nur noch rhetorische Frage in den Raum warf: „Wir kommen doch nächstes Jahr wieder - oder?“

Quelle: op-online.de

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