Theater unterm Plastikponcho

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Das Wetter drückte die Schauspieler am Samstagabend in den Hintergrund, während AZ-Chef Lothar Rickert tapfer versuchte trocken zu legen, was kaum noch trocken zu legen war.

Ober-Roden (chz) - Kultur und Sommer in Rödermark: Ersteres wurde am Wochenende im „Dinjer-Hof“ und im Jazzkeller wunderbar gewürdigt. Das Wetter aber ließ zumindest am Samstagabend sehr zu wünschen übrig.

Dass aber auch Starkregen die Rödermärker nicht von ihrer Kultur abhalten kann, bewies das Publikum beim Freiluft-Theater lebhaft. Kunstausstellung, Theater, Kulturcafé, Livemusik und Fußball-Kabarett, dazu noch ein EM-Spiel auf der Großleinwand: Beim dritten Kultursommer der Künstlergruppe KiR und des Alternativen Zentrums (AZ) im „Dinjer-Hof“ fand jeder Gast etwas Passendes. Während in der großen Scheune Amüsantes und Nachdenkliches von kalligraphisch gefassten Gedanken zur Liebe bis hin zu auf Aluplatten gedruckter Graffiti den Betrachter ins Träumen und Grübeln brachte, gab"s in der kleinen Scheune Kunst rund ums runde Leder.

Ob die über Fußball philosophierenden Wurzeln mit dem Titel „Waldgeflüster“, ein großmauliger Wurzel-Klinsmann in einer unübersehbaren Fahnenpracht (beide von Karl Menge gestaltet) oder die fröhlich, bunt und sinnlich anmutende Kugel, die Mareike Grün aus einem bescheidenen Ball gezaubert hatte: Alle Künstler hatten sich mit einem Augenzwinkern der schönsten Nebensache der Welt gewidmet.

Gestern blieb"s trocken – im Gegensatz zum Samstagabend bei der hinreißend gespielten Goldoni-Komödie „Mirandolina“. Wer im vergangenen Jahr schon beim Freilichttheater war und den Regenguss noch in Erinnerung hatte, wusste gleich, wie es abläuft: Bei den ersten heftigen Tropfen öffnen die AZ-Helfer ihre Wunderkiste mit durchsichtigen Ponchos und verteilen sie in Windeseile unterm Publikum, soweit es nicht unterm (keineswegs dichten) Zeltdach saß.

Jazzsommer unter schützendem Dach

Ein massenhaftes Rascheln unter den rund 130 Gästen zeugte vom Willen der Rödermärker, sich Kulturgenuss nicht durch Regen vermiesen zu lassen, und auch Regisseurin Tanja Garlt und ihre Helfer sprangen ein und schippten schon mal das Wasser mit Besen von der Bühne... Ein feucht-fröhliches Vergnügen, das inzwischen fürs AZ schon fast zur Routine geworden ist – „es hätte ja auch mal schön sein können“ war denn auch der lakonische Kommentar von AZ-Chef Lothar Rickert.

Ins Las Vegas der 50er und 60er versetzten „Vitello Tonnato & The Roaring Zucchinis“ am Samstagabend die Gäste beim Start des „Jazzsommers 2012 im Kreis Offenbach“. Der ging im Ober-Röder Jazzkeller über die Bühne.

Wer Kultur unterm schützenden Dach vorzog, konnte parallel zum Theater Musik genießen und vom „Kultursommer Südhessen“ weiter ziehen zum „Jazzsommer“, den der Jazzclub gemeinsam mit dem KunstForum Seligenstadt und dem Kreis Offenbach ausrichtet. Im Jazzkeller eröffneten „Vitello Tonnato & The Roaring Zucchinis“ die Sommerveranstaltungen. Die Las Vegas-Atmosphäre, die die Musiker und ihre Sängerin auf die kleine Bühne zauberten, schwappte rasch auf die Besucher über, zumal der Swing viele Erinnerungen weckte und automatisch gute Laune provozierte. Als kleine Besonderheit gab"s auch kleine italienische Leckereien – Vitello Tonnato und noch mehr.

Beendet werden soll der Jazzsommer mit einer Riverboat-Shuffle am 22. September. Im August oder September steht noch ein Jazzclub Open-Air im „Dinjer-Hof“ auf dem Programm.

Quelle: op-online.de

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