Kunden gegen Serviceabbau

Selbstbedienung in der Breidert-Filiale der Sparkasse Dieburg

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Die Filiale der Sparkasse im Breidert: ab 1. März wird der Schalterservice weitgehend eingestellt.

Ober-Roden - Die Kundenfrequenz in den Geschäftsstellen der Banken geht seit Jahren zurück, das hat auch die Sparkasse Dieburg festgestellt. Die Folge: Die bisherige Filiale Ober-Roden/Breidert wird ab 1. März zu einer Selbstbedienungsgeschäftsstelle mit Automatennutzung umgewandelt. Von Christine Ziesecke

Informationen und Transaktionen laufen zunehmend über Telefon, Internet und die Sparkassen-App, berichtet Vorstandsvorsitzender Manfred Nessler in der Bilanzpressekonferenz; die Sparkasse wolle sich diesen Veränderungen des Kundenverhaltens anpassen. Deswegen wird die Filiale Ober-Roden/Breidert ab 1. März zu einer reinen Selbstbedienungsgeschäftsstelle mit Automatennutzung umgewandelt. Wer Dienstleistungen braucht und etwa nicht online seine Bankgeschäfte abwickelt, wird an die Geschäftsstelle Frankfurter Straße 9 verwiesen.

Nun wehren sich die ersten Bankkunden. Anfang Februar war Monika Weiland als Kundin der Sparkassenfiliale im Breidert auf diese Kundennachteile aufmerksam gemacht worden und hatte sich sehr geärgert. Ausgerechnet die Sparkasse, die doch als besonders volksnah und bürgerbewusst gegründet worden war, stößt ihre Kunden vor den Kopf und verliert zunehmend den Kontakt zu ihnen; die Kunden verlieren wiederum ihr Vertrauen in die Hilfsbereitschaft ihrer Bank.

Über 200 Unterschriften hat Organisatorin Monika Weiland gegen die Schließung des Schalterservice in der Sparkassenfiliale im Breidert gesammelt.

„Wir nehmen alles hin, was von oben verändert wird – ich fand, wir müssen auch mal etwas dagegen unternehmen.“ Monika Weiland gestaltete eine Unterschriftenliste und gab sie an Geschäfte und Bekannte weiter – in der Apotheke, beim Bäcker, im Fußpflegesalon, in den benachbarten Häusern Mamre und Morija für betreutes Wohnen und für Altenpflege und manches mehr. 175 Unterschriften hat sie bereits wieder eingesammelt; viele Listen stehen noch aus. „Ich habe vorher Frauen angesprochen, die mir immer wieder erzählten, sie könnten nicht mit diesen Automaten umgehen und sich fragten, wie sie denn jetzt ihr Geld holen sollten.“ Die Menschen leben großteils seit 50 Jahren und mehr im Breidert, überlegt sie, sodass sie oft auch nicht mehr mit Rechnern und Online-Bankgeschäften vertraut sind.

Doch Monika Weiland ist keineswegs die Einzige, die sich um Veränderungen vor allem zugunsten älterer Bürger bemüht. „Mit Bedauern, aber auch mit Unverständnis“ versuchen sich Bürger wie etwa Rolf Sturm schriftlich um Verständnis für publikumsfreundliche Änderungen einzusetzen, etwa zeitweilige Schalteröffnungen oder Ähnliches. Persönliche Beratung und helfende Gespräche am Bankschalter schaffen Kundenbindung, gerade bei Älteren, die noch von „ihrer“ Sparkasse reden. Trotz verständlicher Versuche, wirtschaftlicher zu arbeiten, dürfe Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund stehen.

Den Antworten der Sparkassenmitarbeiter ist zu entnehmen, dass die Automaten, der Briefkasten und das Beratungsangebot in der Breidertfiliale trotz der Umstrukturierung weiter bestehen sollen in Form einer Selbstbedienungsstelle. „Wir sind und bleiben Sparkasse“, betont Vorstandsvorsitzender Manfred Nessler.

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Die Kunden müssen für persönliche Beratung jedoch in die nächste Geschäftsstelle, in Ober-Roden an der Frankfurter Straße. Ein kleiner Trost: Auf Anfrage unserer Zeitung bei der Sparkasse Dieburg räumt Pressesprecher Tobias Jakoubek ein, dass es in der Übergangszeit ab 1. März Hilfestellung an den Automaten der Filiale gegeben wird. Zudem besteht weiterhin die Möglichkeit, nach Absprache Beratungstermine zu vereinbaren, die dann in der Breidert-Filiale der Sparkasse Dieburg wahrgenommen werden können.

Was über die Diskussion der Schließung der Beratungsplätze in der Sparkassenfiliale fast untergeht: Auch die Volksbank wenige Meter weiter im Breidert-Center hat angekündigt, die kaum mehr genutzte Zweigstelle auf Automaten umzustellen – und das ab 1. April endgültig.

Quelle: op-online.de

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