Kunst im Firmengebäude

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Manfred Blößer und Sylvia Baumer nehmen ihre moderne Litfasssäule „Devise“ in die Mitte.

Rödermark - Eine positive Entwicklung macht der Verein „Kunst in Rödermark“ (KiR) durch. Bis zum 28. Februar präsentieren 20 seiner Künstler eigene Werke in den Räumen der „Videor Art Foundation“. Von Claus Wolfschlag

Das Besondere: Erstmals ist eine KiR-Schau mit der Verleihung eines Kunstpreises verbunden. Der Nutzen liegt auf beiden Seiten. Das Videotechnik-Unternehmen „Videor“ kann seinen Anspruch als wichtigen Teil der kulturellen Szene Rödermarks festigen. Zugleich erfahren die KiR-Künstler eine Aufmerksamkeit, die ihnen nicht allzu häufig vergönnt ist.

Vereinsvorsitzende Sylvia Baumer erläutert: „Wir hatten schon eine Reihe von Ausstellungen, aber noch nie in Kooperation mit einem Unternehmen.“ Städtische Unterstützung erhalten die KiR-Künstler bislang nur in ideeller Form. Der 2007 offiziell ins Leben gerufene Verein finanziert sich selbst, und so wurde auch der im Gründungsjahr entwickelte Skulpturenpfad durch Rödermark auf eigene Kosten erstellt.

„Wir Künstler sind mehr als nur Beiwerk“

Zur bestens besuchten Vernissage der Ausstellung konfrontierte Baumer deshalb auch den das Grußwort sprechenden Bürgermeister Roland Kern mit der schwierigen Situation der Künstler: „Seit 2007 erhalten wir nur die Ehre, aber wir Künstler sind mehr als nur Beiwerk.“

Gleichwohl waren sich alle Anwesenden bewusst, dass die finanziellen Möglichkeiten der Stadt Rödermark begrenzt sind. Kern hob die stete Gefährdung der Kunstlandschaft hervor und betonte dankend, dass das Stadtbild auch mit Werken des KiR angereichert worden ist.

Die Ausstellung „analog oder digital – wir gehen voraus“ präsentiert 28 Arbeiten von 20 Künstlern des Vereins. Skulptur, Malerei und Fotografie zeigen das vielseitige kreative Schaffen der Rödermarker. Meisterhaft und sehr dekorativ etwa tritt eine Mosaik-Arbeit von Sigrid Lang in Erscheinung, eine bunte Naturszenerie. Elfi Köhls dezente Specksteinarbeit kontrastiert zu Wilhelm Glasers frechen Metallvögeln oder gar Gudrun Wrases Terrakotta-Kopf „Verwandlung“, der an Schwarzeneggers „Terminator“ erinnert.

„Tribute to Andy – Visions of a Dog“

Die Besucher können die Blumen-Fotografien Barbara Jungheinrich-Höhlers betrachten, Anne Vipers Tuschezeichnung eines Musikers und Katja Leers-Farrs Beschäftigung mit der Typographie. Ein Blickfang ist auch Katja Leers-Farrs Arbeit „Tribute to Andy – Visions of a Dog“. Die Bleistiftzeichnung eines Hundes wurde dazu eingescannt und am Computer im Stil des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol bearbeitet.

Verbunden mit der Ausstellung ist die Verleihung eines KiR-Kunstpreises, über dessen Vergabe eine dreiköpfige Jury entschied. In der Kategorie „Bild“ wurden zwei Arbeiten prämiert. Zum einen Karin Kücks Ölbild „256“, das den Weg einer figurativen Darstellung aus einem prismenartigen Farbmatrix vor Augen führt. Zum anderen Hans-Peter Schmückers digital bearbeitete Fotoarbeit „Terence und hps gehen voraus“. Schmücker ist eigentlich Banker, aber seit zwölf Jahren als Maler und Fotograf aktiv. Zu seinem Werk kam er, als er 2008 allein in der Frankfurter Kunsthalle Schirn eine Ausstellung des Künstlers Terence Koh besuchte. Schmücker setzte seinen Schuh neben einen Fußabdruck Kohs und fotografierte dies. Das Bild wurde im für Schmücker typischen grellfarbigen Stil digital bearbeitet.

Den ebenfalls mit 250 Euro ausgestatteten Preis für Skulptur erhielten Sylvia Baumer und Manfred Blößer für ihre moderne Litfasssäule „Devise“. Das Edelstahlobjekt mit dem blauen Sinus-Kopf kann mit Postern und Werbung bestückt werden.

„analog oder digital –wir gehen voraus“

„Es geht um die Verbindung von Kunst und Nutzen. Wir waren unglücklich über die vielen, auf hässliche Weise angebrachten Plakate in Rödermark. Dem setzen wir unsere freie Form entgegen“, so Baumer.

Der Kunstpreis soll fortan alle zwei Jahre vergeben werden. Zudem wird im Februar noch ein mit 100 Euro dotierter Publikumspreis vergeben, der auf den Stimmen der Ausstellungsbesucher basiert. Die Ausstellung „analog oder digital –wir gehen voraus“ ist noch bis 28. Februar in der Videor Art Foundation, Carl-Zeiss-Straße 8, in Ober-Roden, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 9 bis 17.30 Uhr, Freitag bis 17 Uhr.

Quelle: op-online.de

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