Skulpturen voller Aussagekraft

Kunst lässt sogar Fische plaudern

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Gruppenbild mit bunter Dame: Sylvia Baumer, Elfi Köhl, Barbara Jungheinrich, Manfred Blößer, Lou Heinrich und Gudrun Wrase haben sich zur „Stuhlriesin“ an der Rodau gesellt. Die schwappt der Skulptur gelegentlich über den Schoß, doch das macht dem Beton wenig aus.

Rödermark - Der Apfel mit Armen, Beinen und Schnabel wurde 2007 noch belächelt, doch er blieb nicht lange allein. Eine sitzende Riesin, zwei ganz und gar nicht stumme Fische und überaus menschliche Wegweiser leisteten im Gesellschaft. Von Michael Löw

Seither hat Rödermark seinen Skulpturenpfad, der sich vom Rathausplatz in Ober-Roden zum Badehaus Urberach zieht. Vorm „Rödermark-Festival“, dem großen Stadtfest im Sommer 2007, wollte die Künstlergruppe KiR etwas Nachhaltiges schaffen. Sylvia Baumer und Manfred Blößer kreierten eingangs erwähnten Apfel und tauften ihn „wumboR“ - nach den Anfangsbuchstaben der Stadtteile Waldacker, Urberach, Messenhausen, Bulau und Ober-Roden und dem großen R für Rödermark. Sigrid Lang, Lou Heinrich, Elfi Köhl, Gudrun Wrase, Barbara Jungheinrich und etliche andere Kreative ließen ebenfalls aus Ideen große Figuren werden.

Die Töpferfigur am Häfnerplatz entstand schon lange, bevor die Gruppe KiR aktiv wurde. Der Urberacher Traditionshandwerker könnte so etwas wie der Opa aller Großkunstwerke sein.

Mareike Grün baute in Ober-Roden und Urberach die Portale „Ein Lächeln verbindet“. Nachhaltig hieß für sie eigentlich, dass sie ein Jahr stehen bleiben sollten. Doch daraus wurden sechs Jahre; erst 2013 waren die Spanplatten so morsch, dass die Skulpturen weg mussten. Es ist nicht nur der so gern bemühte Zahn der Zeit, der an der ebenfalls gern bemühten Kunst im öffentlichen Raum nagt. Rowdys rissen die betonierten Füße von Gudrun Wrase vom Sockel und warfen sie in die Rodau. Zweimal richtete sie ihr Werk wieder her, dann hatte sie keine Lust mehr. Auch die

Am Ortseingang von Messenhausen grüßt ein Pferdchen aus lackiertem Stahlblech.

„Repräsentanten“ von Elfi Köhl. Annelie Schnack und Christina du Toy van Hees am Badehaus wurden zweimal zerstört. Dieses Trio kämpft gegen Vandalismus und restauriert die Holzfiguren. Im Herbst, so Elfi Köhl, sollen sie an ihre angestammten Plätze zurückkehren. Die „Stuhlriesin“, die malerisch auf einer Wiese neben der Trinkbornschule thront, hat einen ganz anderen Feind: Immer dann, wenn die Rodau Hochwasser führt, schwappt die Brühe der Dame über den Schoß. Doch der Beton aus sechs Sack Zement und diverse Moniereisen geben ihr Stabilität. „Nur einmal wurde meiner Figur die Nase eingeschlagen. Da sah sie aus wie die Sphinx in Ägypten“, sagte Riesen-Schafferin Lou Heinrich. Ihre Figur hat’s auch in sich. Im Bauch trägt sie eine Friedensbotschaft und ein Foto von Lou Heinrichs Enkelin Nina.

Die KiR-Leute haben die Kunst zum Teil des Stadtbilds gemacht. Verwehrt geblieben ist ihnen - zumindest bisher - ein Wunsch, den Lou Heinrich beim Bau der „Stuhlriesin“ geäußert hatte: Die Wiese am Bach könne ein kreatives Open Air-Zentrum für Lesungen, Musik und Theater werden. Und für den Bürgermeister solle die Figur zum heißen Stuhl mit heißen Diskussionen werden.

Quelle: op-online.de

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