Firma Incoe stellt Heißkanalsysteme her

Kunststoff muss immer fließen

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Sogenannte Heißkanalsysteme, durch die Kunststoff fließt, werden bei Incoe in Rödermark hergestellt.

Rödermark - Die Firma Incoe aus Rödermark sorgt dafür, dass geschmolzener Kunststoff in Formen fließt. So entstehen Bauteile. Das sind beispielsweise Produkte für Autohersteller beziehungsweise Zulieferer - Türgriffe, Stoßfänger oder Teile des Armaturenbretts. Von Marc Kuhn 

Gunnar Gramatzki

Dafür stellt Incoe sogenannte Heißkanalsysteme her. Wenn Gunnar Gramatzki den Schraubverschluss einer Plastikflasche in der Hand hält, kommt er ins Schwärmen. Er dreht und wendet ihn. „Das Ding ist Ingenieurs-Kunst pur“, sagt der Prokurist der Firma Incoe aus Rödermark. Gramatzki muss es wissen. Er ist Chef des Heißkanalherstellers Incoe. Seine Produkte sind maßgeblich daran beteiligt, dass Kunststoffteile wie Flaschenverschlüsse in hoher Qualität produziert werden können. Incoe hat vor ein paar Wochen im Gewerbegebiet Ober-Roden nach sieben Monaten Bauzeit die Europazentrale des Unternehmens eröffnet. Etwa zehn Millionen Euro sind investiert worden. Zuvor waren drei Firmenteile im Umkreis von wenigen hundert Metern um den Standort an der Carl-Zeiss-Straße untergebracht. Zunächst habe man nach einer Immobilie gesucht, erinnert sich Gramatzki. Dann habe sich Incoe, unterstützt von der Gemeinde, für den Neubau entschieden. Zwei Drittel des 14.400 Quadratmeter großen Grundstücks hat das Unternehmen gekauft. Der Rest wurde von der Stadt gepachtet mit der Option, ihn ebenfalls zu erwerben. In dem Neubau sind Büroflächen auf 1800 Quadratmetern, die Produktion auf 3400 Quadratmetern und der Verwaltungssitz der Incoe International Europe untergebracht.

Standorte von Michigan bis Singapur

„Wir waren an die Kapazitätsgrenzen gekommen“, begründet Gramatzki den Neubau. Das Unternehmen wachse seit Jahren. Die Abläufe könnten jetzt vereinfacht, die Prozesse schneller werden. So könne die Firma effizienter arbeiten. „Der Bau ist ein wichtiger Meilenstein, um die Firma zu modernisieren“, sagt Gramatzki. Die Zahl der Mitarbeiter wachse pro Jahr um fünf bis zehn Prozent. Zurzeit stehen etwa 160 Mitarbeiter auf den Gehaltslisten. „Es gab keinen Anlass wegzugehen“, erklärt Gramatzki die Standort-Entscheidung. Das 1958 in den USA gegründete Unternehmen Incoe befindet sich in Privatbesitz. Weitere Produktionsstätten sind im US-Staat Michigan und in Shanghai, kleinere in Brasilien und Singapur angesiedelt. Für die Firma arbeiten weltweit rund 600 Menschen. Sie erwirtschaften einen Umsatz von etwa 100 Millionen Dollar im Jahr. Ein Drittel davon wird in Rödermark erlöst.

Reinhard Kabus

„Es ist eigentlich ein Nischenmarkt, der aber sehr wichtig ist“, berichtet Gramatzki. „Wir sind im Grunde ein metallverarbeitender Betrieb“, ergänzt Marketingchef Reinhard Kabus - ebenso wie Gramatzki Kunststoff-Ingenieur. „Wir stellen Heißkanalsysteme her“, berichtet Kabus. Benötigt werden die beheizten Leitungssysteme bei der Verarbeitung von Kunststoff im sogenannten Spritzgießverfahren. Sie leiten den flüssigen Rohstoff, erhitzt auf bis zu 300 Grad, in die Formen, Werkzeuge genannt. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Kunststoff in den formgebenden Hohlraum kommt und nicht vorher erstarrt. So werden viele Kunststoffprodukte hergestellt, von denen man im Alltag umgeben ist - zum Beispiel Teile eines Autos. Die Heißkanalsysteme sind im Werkzeug eingebaut und sind bei einer Maschine von außen nicht zu erkennen. „Wir liefern an Werkzeugbauer“, sagt Kabus. Und die wiederum an die Spritzgießer.

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Etwa 60 Prozent des Umsatzes erzielt Incoe mit der Automobilindustrie. Aber auch Produzenten von Verpackungen und Konzerne aus der Elektronik- und Kosmetikindustrie zählen zu den Kunden. „Wir beliefern rund 2000 Firmen alleine in Europa“, sagt Gramatzki. Zu ihnen zählt zum Beispiel der Automobilzulieferer Magna in Obertshausen, Rowenta im Odenwald sowie Sauer & Sohn in Dieburg. Rund 50 Prozent des Umsatzes wird in Deutschland erwirtschaftet. Die Firma wachse kontinuierlich in bestehenden und neuen Märkten, erklärt der Geschäftsführer. Jedes Spritzgießteil sei ein Individuum, erläutert Kabus. Folglich kann der Heißkanalhersteller auch keine Produkte komplett von der Stange anbieten. Die Kunden würden maßgeschneiderte Systeme bekommen. Deshalb sind 25 Mitarbeiter für die Konstruktion zuständig. Sie würden elf Sprachen beherrschen, sagt Gramatzki. Auf diese Weise könnten die Kunden besser betreut werden.

Quelle: op-online.de

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