Gehhilfen haben ihre Tücken

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Gymnastik am Rollator: Trainerin Tanja Rypka zeigt den Kursteilnehmern, wie sie ohne großen Kraftaufwand sicher in Bewegung bleiben können.

Ober-Roden - Lange Jahre waren Gehhilfen wie ein Rollator ihren Besitzern eher peinlich: „Wenn mich jemand so sieht! Ich bin doch noch nicht so alt und krank!“ Inzwischen gehören sie zum täglichen Straßenbild und schaffen Unabhängigkeit und neue Freiheiten für ihre Lenker. Von Christine Ziesecke 

Die TG Ober-Roden hat sich der Mobilität weniger mobiler Menschen angenommen und bietet dienstags ab 10 Uhr einen Kurs für Rollatorfahrer an. Die Idee hatten TG-Vorstandsmitglied Hans-Dieter Scharfenberg und Trainerin Tanja Rypka, die sich um die körperliche Fitness der Teilnehmer kümmert. Für den „Gesundheits-Check“ am Rollator ist in den ersten Stunden Kristina May vom Sanitätshaus May da, die auch verschiedene Modelle zum Ausprobieren dabei hat.

„Unser Anliegen ist es, Älteren und Gehbehinderten etwas anzubieten, um sie fit und unabhängig zu halten und sie nicht abseits der Gesellschaft stehen zu lassen“, erläutert Scharfenberg. Aller Anfang ist bescheiden, am ersten Kurstag sind zwei Frauen dabei. Dorle Grimm, in der Nähe der TG zuhause, benutzt ihren Rollator schon seit drei Jahren: „Weil ich unsicher bin beim Laufen und mir oft schwindelig ist; meine Beine sind ganz o.k.“ Margit Bahl hat vor zwei Jahren im Krankenhaus wegen der Diagnose Muskelschwund einen Rollator bekommen. Inzwischen besitzt einen zweiten klappbaren fürs Auto oder für Reisen. Sie fühlt sich in dieser Situation sehr isoliert und sucht Kontakt mit Menschen in ähnlichen Lagen.

Wartung durch Krankenkassen garantiert

Doch den ersten Schreck versetzte ihr Kristina May, die diesen Rollator sofort als nicht verkehrssicher einstufte: „Der ist eigentlich Schrott, weil die Bremse absolut nichts taugt.“ Selbst bei angezogener Bremse rollt er leicht weiter. Auch ein eigentlich simples Fortbewegungsmittel muss regelmäßig gewartet werden. Bei Leihgeräten gilt: Alle fünf Jahre hat der Fahrer ein Recht auf einen neuen; dazwischen ist die Wartung von der Lieferfirma durch die Krankenkassen garantiert.

Die TG bietet Margit Bahl Hilfe beim Durchsetzen ihrer Ansprüche an. Schließlich geht es in der Gruppe um technische Unterstützung, Gymnastik am Rollator, gemeinsame kurze Spaziergänge sowie Hilfe bei Fragen und Problemen. Wichtig bei der Auswahl der Rollatoren ist die passende Größe. Das Sitzbrett etwa darf nicht das Laufen behindern. Die Höheneinstellung sollte so bequem sein, dass die Nutzer sich mit leicht angewinkelten Armen abstützen können, aber nicht gezwungen sind nach vorne zu kippen - aufrecht und zwischen den Rädern sollten sie gehen. „Wenn ich aufgerichtet laufe, ist der Brustkorb frei und ich kann besser atmen. Sonst rolle ich nach vorne weg, wenn mir schwindelig wird“, erklärte Tanja Rypka.

Wichtig ist vor allem, durch den Rollator in Bewegung zu kommen, die Mobilität und damit die Muskulatur zu erhalten. Diese Hemmschwelle zu überwinden, fällt vielen Leuten schwer. Doch die Hersteller peppen die Gehhilfen auf, inzwischen finden Rollatoren in Rot, Weiß oder als Pink Panther rasenden Absatz. „Gehen Sie offen mit dem Thema um - nicht genieren, sondern stolz sein, dass man mobil ist und überall mitmachen kann. Ihr seid nicht eingeschränkt - so könnt ihr weiterhin das machen, was ihr wollt“, stärkt Tanja Rypka die Teilnehmerinnen.

Bei der TG sieht das Rollatortraining so aus: Etwa eine Dreiviertelstunde um die halle herum Laufen, anschließend eine Dreiviertelstunde Gymnastik. Dabei hat die Trainerin immer die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer im Kopf: Wie weit kann ich? Wie schnell kann ich? Brauche ich eine Pause? Wer zusätzlich zum Sport auch Unterhaltung möchte, dem empfiehlt Dorle Grimm die Seniorengymnastik des VdK im Bücherturm, montags um 16.30 Uhr. Dort sind viele Rollatorfahrer dabei. Wer nicht gut stehen kann, kann im Sitzen mitmachen. Eine Mitgliedschaft im VdK ist nicht notwendig.

Quelle: op-online.de

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