Werbegeschenke der Parteien

Die Präsente dürften ruhig mutiger sein

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Thomas Heinz in einer Flut von Werbeartikeln der Parteien. Der Ober-Röder Fachmann für Werbemittel gab für unserer Zeitung den Mitbringseln der Parteien Noten.

Rödermark - Jetzt beginnt der Straßenwahlkampf. An Info-Ständen werben Parteien um Stimmen. Das geschieht mit Argumenten, aber auch mit kleinen Präsenten. Wir haben solche Giveaways dem Werbefachmann Thomas Heinz aus Ober-Roden vorgelegt. Von Bernhard Pelka

Wie werbewirksam sind Luftballon, Kugelschreiber & Co? Heinz lag eine breite Auswahl an Streuartikeln von CDU, SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern zur Bewertung vor: Kulis, Eiskratzer, Zündhölzer, Tempotücher, ein Puzzle, Broschüren, Faltblätter, Bälle, Luftballons, Kartenspiele, Traubenzucker, biegsame Bleistifte, Buttons, Bonbons, Schlüsselanhänger, Flaschenöffner und mehr.

Der CDU-Quetschball Originalität: 2-3, Einprägsamkeit: 4, Gebrauchswert: 3, Kommunikationswert: 3.

Auf den ersten Blick fehlte ihm generell die Originalität. Lediglich ein kleines, rotes Entlein der SPD stach in seinen Augen aus der Produktpallette heraus. „Das ist ein Sympathieträger und Hingucker.“ Freilich lasse die Ente auch Assoziationen zu wie „Wir geraten ins Schwimmen.“ Ein weiterer Mangel: Die meisten Präsente lassen aus Sicht von Thomas Heinz keine Rückschlüsse auf die politischen Botschaften der Parteien zu. „Die Verknüpfung von Kernaussage und Produkt misslingt.“ Kommt die Botschaft dann überhaupt an? Zum Beispiel der Slogan der CDU-Bundestagsabgeordneten Patricia Lips. Sie wirbt auf einem Aufkleber mit den Schlagworten: „Gemeinsam. Erfolgreich. Patricia Lips.“

Thomas Heinz gibt der SPD-Ente durchwachsene Noten: Originalität: 2, Einprägsamkeit: 2, Gebrauchswert: 4, Kommunikationswert: 4.

Dieses Programm ist eindeutig, keine Frage. Aber Heinz hätte sich dazu das passende Souvenir gewünscht: zum Beispiel einen zweiteiligen Schlüsselanhänger oder Salz- und Pfefferstreuer. Ganz nach dem Motto: „Der eine kann ohne den anderen nicht.“ Stattdessen gibt es von Patricia Lips einen Anti-Stress-Ball zum Quetschen. „Der ist relativ originell und hat einen guten Gebrauchswert.“ Genauso wie die CDU-Zettelklammern in Herzform. Eine positive Ausnahme sind nach Heinz’ Meinung die Sonnenblumenkerne, die Grünen-Politiker als Samen in kleinen Tütchen verschenken.

So werben die Freien Wähler. Auf der Rückseite des Scheins stehen Kernaussagen zum Euro. Originalität: 4, Einprägsamkeit: 4, Gebrauchswert: 5, Kommunikationswert: 3.

„Das ist stimmig und nah am politischen Programm. Die Natur ist ein Thema, das die Grünen politisch besetzen“, erläutert der Experte. Das finde sich in der kleinen Aufmerksamkeit wieder und habe sogar den Vorteil, dass die Grünen darüber in Interaktion mit den Wählern treten. Schließlich fordert die Partei dazu auf, die Samen einzupflanzen. Fotos von den Blumen sind dann zumindest bei den Rodgauer Grünen im Internet oder am Wahlstand zu sehen.

Gute Idee, aber billigstes Material: der Wahl-Eiskratzer der FDP. Originalität: 3-4, Einprägsamkeit: 2, Gebrauchswert: 2, Kommunikationswert: 3.

Etwas abgewinnen kann Heinz auch einem SPD-Kuli mit einer Stahlkugel als Drücker. Mit der Kugel kann man sich den Nacken massieren. „Ein prima Mehrwert.“ Eine markante Parallelität fällt sofort auf. Sowohl CDU, als auch SPD verschenken Heftpflaster. „Vielleicht, weil man tiefe Wunden reißen will?“, frotzelt Heinz. Klassiker wie Luftballons, Kulis oder Wasserbälle findet er „absolut in Ordnung“. Oder den CDU-Button mit der klaren Botschaft: „Ja. 96 Prozent fühlen sich wohl in Hessen!“ „Das ist ok.“ Vom verbiegbaren CDU-Bleistift hält der Fachmann allerdings gar nichts. „Man kann ihn nicht mal benutzen. Er knickt einfach ab. Das ist leider reiner Zivilisationsmüll.“

Dem Ober-Röder Unternehmer fällt auf, dass viele aktuelle Werbe-Gags bereits von zehn, 15 Jahren in ähnlicher Form an den Wahlständen der Parteien lagen. „Das ist lieblos ausgesucht. Da fehlt der Tiefgang. Dabei gäbe es kreative Möglichkeiten, die nicht unbedingt mehr kosten.“ Auch wenn das Sortiment nicht originell ist, werden nach Einschätzung des Experten die Kleinpräsente nicht sofort im Müll landen. „Schließlich ist der Gebrauchswert bei vielen Artikeln doch relativ hoch.“

Quelle: op-online.de

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