Funzel-Rundgang

Mit Laternen durch die Gassen

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Viele der rund 100 Teilnehmer hatten den Laternenaufruf beherzigt. Auch kleine Zierlämpchen wurden mitgebracht.

Ober-Roden - Nicht zuletzt durch Ober-Rodens Hobby-Historiker Reinhard Berker und seine Führungen durch das alte Ober-Röder Herzstück ist der fränkische Rundling wieder neu in die Köpfe der Bürger gekommen.

IGOR, die Interessengemeinschaft, die sich um einen lebenswerten Ortskern bemüht, nutzt dieses steigende Interesse und ruft das Jahr 2013 humorvoll zum „Jahr des fränkischen Rundlings“ aus.

Nach der ehrenamtlichen Erarbeitung einer Vielzahl von Maßnahmen und Projekten seit seiner Gründung 2010 war die intensive Beteiligung von IGOR an der Leitbilddiskussion der Stadt 2012 natürlich Ehrensache. IGOR-Vertreter schlugen vier Leitprojekte zur künftigen Stadtentwicklung vor. Es sind dies die Erhebung identitätsstiftender Anwesen und Gebäude, die Bestandsaufnahme vorhandener Gebäude und ihrer Altersstruktur, die Erhebung der Einzelhandelssituation sowie die Erlebbarkeit der Rodau im Stadtbild“. IGOR – so verrät ihr Sprecher Ernst Schäck – sieht diese Projekte als sehr ambitionierte und für die Zukunftsgestaltung unerlässliche Grundlagenarbeiten, denen sie sich mit ganzer Kraft widmen wollen. IGOR-Mitglied Wilhelm Schöneberger ist in drei der vier Arbeitsgruppen Projektpate; zudem hofft IGOR darauf, dass viele engagierte Bürger an diesen Leitprojekten mitarbeiten werden.

Als kleiner humorvoller Startpunkt wurde das Jahr des Rundlings am Dreikönigstag mit einem Stalllaternen-Rundgang begrüßt, begleitet wieder von Reinhard Berker als Führer mit unerschöpflichem Wissen und Humor, doch diesmal weniger mit historischen Informationen befrachtet, sondern mehr auf die weihnachtliche Gefühlsebene hebend.

Einmal rund um den Ortskern

Einmal rund um den Ortskern, vorbei an den weihnachtlich dekorierten Häusern an der Rodau, der Mainzer Straße, am Steckengarten, in der Gartenstraße und am Schäfereck hin zum Marktplatz – mit kleinen Briefen an die Anlieger hatte Reinhard Berker um weihnachtliche Beleuchtung während des Umgangs gebeten.

Offene Hoftore erlaubten romantische Einblicke in idyllisch angestrahlte Gärten; manche Gärten wurden gar als Passagen genutzt. Doch auch die Teilnehmer selbst hatten für passende Stimmung gesorgt. Viele hatten Laternen dabei und leuchteten mit zunehmender Dunkelheit die Gassen aus.

Franz Rebel etwa, dessen heimische Fenster mit wunderschönen selbstgezimmerten Krippenkästen dekoriert sind, hatte gar eine selbst gebaute Laternenkrippe dabei und erzählte gerne über deren Entstehung. Denn ganz ohne Historie ging’s auch bei diesem Rundgang nicht, gab doch schon die älteste bekannte Laterne, ein Original der damaligen Kanalbaufirma Eissner, Anlass für viel Wissenswertes. Zum Beispiel, dass erst 1909 die erste Gasleitung in Ober-Rodens Ortskern kam und damit erste Gaslampen das Dunkel erhellen konnten und dass erst 1925 der elektrische Strom dort floss.

Die älteste bekannte Laterne im Ort – ein Requisit der damaligen Kanalbaufirma Eissner.

Unabhängig davon würzte Reinhard Berker diesen Rundgang mit zahllosen fast schon vergessenen Anekdoten und mit fast durchwegs in reinster Mundart vorgetragenen eigenen Gedichten oder kleinen Leihgaben von Friedrich Stoltze, Joachim Ringelnatz oder auch dem Heimatdichter Helmut Schwarzkopf. Für Zugereiste war das oft ein kleines Rätsel, denn nicht jeder der gemütlich mitpilgernden Bürger konnte sofort etwas anfangen mit der Frage: „Babba, hämmer Hämmer do?“ – zumal sie sowohl in der früheren Haus’schen Werkstatt wie auch beim Hemdenladen von Köhl’s August angebracht war. Um auf die Feststellung „Also, eine Sprache habt ihr hier!“ auch noch „Hämmer!“ geantwortet zu bekommen.

Denkwürdiger Abschluss des kultigen Laternenrundgangs: Am Marktplatz, direkt am großen Christbaum vor der malerischen Häuserkulisse, stand nicht nur das kleine Spenden-Haus auf dem mit Laternen erleuchteten Brunnen, sondern auch ein Korb mit kleinen Präsenten. Anlässlich des Jahres des Fränkischen Rundlings gab’s wie einst bei der Einführung des Euro kleine Starter-Kits: Schokoladenmünzen, in liebevoller Handarbeit von IGOR-Mitgliedern beklebt: Einhalb-, Ein- und Zwei-Rundling-Stücke, auf der Rückseite mit einer Zeichnung der Nazariuskirche „anno 2013 – eine köstliche Idee.

Wenn das so weiter geht, wird Reinhard Berker zu den nächsten Rundgängen wohl ein Megaphon brauchen. Mit gut hundert Rundling-Rundgängern war die Grenze der Hörbarkeit fast erreicht. 

chz

Quelle: op-online.de

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