Lebendig gewordene Erinnerungen

Theaterspielen verbindet die Generationen im „Dinjer-Hof“ - Akteure von 10 bis 81 Jahren.

Ober-Roden (chz) - Junge und ältere Laien-Schauspieler erzählten im „Dinjer-Hof“ ihre Geschichte und die der restaurierten Hofreite in der Pfarrgasse gleich mit.

„Erzähl mir deine Geschichte!“ hieß auch das Theaterprojekt im Generationensommer, der von den städtischen Abteilungen Jugend und Senioren ins Leben gerufen und unterstützt wird.

Geleitet wurde es wieder von Birte Itta, der (fast fertigen) Studentin der Theaterwissenschaft, die mit diesem Projekt 2010 den Integrationspreis der Stadt erhalten hatte. Unterstützt wurde sie auch diesmal vom Sozialpädagogen und Theaterregisseur Erik Schmekel von den Sozialen Diensten.

Sie waren fast alle wieder da, jene Mutigen, die sich im vergangenen Jahr auf das Abenteuer Generationentheater eingelassen hatten. 13 Teilnehmer, darunter fünf etwas reifere Damen (Irmgard Erren, Barbara Jost – mit 81 die älteste Teilnehmerin, Ute Mükusch, Hildegard Schulz und Christa Wolf) und acht 10 bis 13 Jahre junge Mädels. Sie opferten ihre erste Ferienwoche dafür, kleine Geschichten rund um die eigene Kindheit zusammenzupuzzeln, in die sich jeder Zuschauer selbst zurückversetzen konnte.

„Wir haben den Dinjer-Hof ausgesucht, der uns ganz viele Geschichten erzählt hat, und dessen Nachbarn und Besitzer uns mit ihren Erzählungen auch an viel eigenes Erleben erinnert haben“, erläuterte Birte Itta den Freilicht-Spielort. In einer Woche haben sie Rückblicke zusammengetragen, sich ihnen mit Improvisation und Übungen genähert und versucht, daraus Szenen zu entwickeln wie etwa die dem Hof eigene Mauergeschichte: Jene von Willem und Adam Tüncher errichtete Mauer, die erst 2008 von den jetzigen Eigentümern nach Jahrzehnten abgerissen wurde.

Eigenheiten unterschiedlicher Generationen

Das, was die Gruppe im „Rothaha“-Saal erarbeitet hatte, wurde schließlich auf die breit gefächerten Möglichkeiten des Hofes übertragen. Dann wurden auch die Zuschauer mit einbezogen, buchstäblich bei der Hand genommen und zu einzelnen Szenen in der Scheune, im Pferdestall oder am Brunnen geleitet. Heraus kam eine Dreiviertelstunde voller herzerfrischender und oft von den Zuschauern mit lebhaftem Nicken bescheinigte Spielszenen: ein großes menschliches Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel oder Szenen aus dem besonders bei den älteren Damen noch sehr präsenten Bilderbuch vom Struwwelpeter zum Beispiel.

Im Gegensatz dazu unterhielten sich die Kindheitsbegleiter der jungen Frauen wie etwa Barbie und Ken als Puppen auf dem Tor des Pferdestalles oder es erklangen selbst gesungene Lieblings-Hits der Schülerinnen. So wurden nicht nur die Eigenheiten der unterschiedlichen Generationen, Klischees und Irrtümer, Trennendes und Verbindendes deutlich, sondern auch die ganz persönlichen Geschichten, die den Spielern wichtig sind. Und in vielen der Erinnerungen fanden sich alle Mitspieler wieder, etwa bei den Ritualen zur Schlafenszeit oder beim Gespräch am Mittagstisch: „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!“ ist ebenso wie „Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst...“ anscheinend absolut zeitlos.

„Erzähl mir deine Geschichte“ – ein wenig von jeder dieser Geschichten bis hin zu der des Hofes wurde greifbar, und es bleibt zu hoffen, dass Birte Itta und Erik Schmekel ihr Versprechen wahr machen und im nächsten Jahr wieder Junge und nicht mehr ganz so Junge zum Theater der Generation X einladen.

Quelle: op-online.de

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