Lehmofen unterm Fachwerkdach

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„Ganz sanft streicheln“ war die Arbeitsanweisung, die Norbert Franzen (hinten im Bild) den fleißigen Baumeistern aus der Kinderwaldstadt mit auf den Weg gab.

Rödermark - (chz) Pizza und Brot wird in der Kinder- und Jugendfarm jetzt selbst gebacken. Seit ein paar Tagen steht dort ein Lehmofen der Marke Eigenbau, den man auf Temperaturen von bis zu 600 Grad hoch heizen kann. +++Fotostrecke+++

Entstanden ist er während der „Lehmwoche“ der Spielstadt in Waldacker. Dort konnten die zehn jungen Ofenbauer und ihr Chef Norbert Franzen ihr Projekt wegen der Gefahr eines Waldbrandes nicht verwirklichen.

Vor einem Jahr hat Kurt Vollmer vom städtischen Büro für Kinder- und Jugendkultur den Pädagogen, Baubiologen und Lehmbauer Norbert Franzen kennen gelernt.

Gemeinsam mit Pieter Liebisch war er zur Projektwoche gekommen, wo er auch für die Gruppe kochte - natürlich immer auf dem Ofen mit Holzfeuer oder am Grill und stets mit dem pädagogischen Ansatz, die Selbständigkeit der Kinder zu fördern.

Hatten sie zunächst den Lehm für den Ofen aus dem Odenwald bekommen, merkten sie rasch, dass direkt neben der Farm - an der Baustelle der Rodau-Renaturierung - auch wunderbar klebender Ton geradezu auf sie wartet. Der zunächst sehr trockene Ton wurde über Nacht gewässert und dann mit einem Teil Sand, einem Teil Lehm, Wasser und Stroh vermischt. Aus dieser Pampe haben die Kinder mit ihren nackten Füßen den Baustoff im Lehmtretbecken gestampft. „Mit Gummistiefeln haben sie kein Gefühl, und zudem spürt man plötzlich Partien des Körpers, die gar nicht mehr bewusst waren“, erläuterte Franzen.

Die so geknetete Masse wurde dann auf der Baustelle zwischen ein aus Weiden- und Haselnussruten geflochtenes Tonnengewölbe und einen darum herum geflochtenen Käfig „verfüllt“. Rund 80 Zentimeter Stein wurden ausgelegt als Bodenplatte des Brennraums, der auch gleichzeitig Backraum ist. Nochmals Weidenruten und noch eine Lehm-Umform vervollständigten den Ofen, der Temperaturen bis 600 Grad aushält und trotzdem ganz normal mit Holzspänen angefeuert werden kann.

Eine formschöne Ofenplatte mit Griff, von Franzen selbst gemacht, verschließt nun das Ofenloch; im Dach sorgen Ofenrohr und Schieber fürs Regulieren der Temperatur. Optische Krönung ist ein aus Holzfachwerk um den Ofen gebautes Backhaus, das die Kinder gemeinsam mit ihren Betreuern Jutta Winheim und Aaron von Soosten-Höllings mit gespendeten Dachziegeln eingedeckt haben.

Franzen, der jeden Arbeitsschritt verständlich erklärte, betonte vor allem die Nachhaltigkeit des Lehmofens: „Er hält ewig und wird höchstens durch Menschenhand zerstört. Lehm geht, auch wenn er der Witterung stark ausgesetzt ist, nicht kaputt!“

Überaus intensiv haben die zehn Kinder an diesem Projekt gearbeitet. Daran werden sie sich nicht nur bei Brot oder Pizza aus dem Ofen erinnern: Sie können es auch in Kürze im Fernsehen erleben. Die „Lehmwoche“ wurde begleitet vom Medienprojektzentrum des Offenen Kanals Offenbach/Frankfurt. Stolz darauf war eindeutig auch Kameramann Hendrik (8 Jahre): „Ich drehe hier und mache einen Film daraus fürs Kabelfernsehen!“

Quelle: op-online.de

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