Leitbildentwurf zeigt Schwächen auf

Im Ortskern ist es viel zu eng

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Für Senioren mit Rollator (hier Anna Reisert) wird es in den Ortskernen manchmal eng.

Rödermark - 92 Prozent der Rödermärker leben gern in ihrer Stadt. 70 Prozent der Bürger loben Rödermark als kinderfreundlich. Jeder Dritte engagiert sich ehrenamtlich. Von Bernhard Pelka

Es fehlt in der Stadt jedoch an gemeinsamen Treffpunkten für Jung und Alt und an größeren Grünanlagen und Ruhezonen. Das sind Erkenntnisse aus dem Entwurf zu einem Leitbild für Rödermark. 96 Bürger (inklusive Vertretern aus Politik und Verwaltung) formen in diversen Arbeitsgruppen dieses Leitbild seit Monaten.

Wozu braucht die Stadt eine solche Orientierungshilfe? Gibt es nicht genug Arbeitsgruppen, die sich mit Stadtentwicklung befassen? Bürgermeister Roland Kern gibt die Antwort: „Um in der Spur zu bleiben. Wir müssen wissen, was wir intensivieren und worauf wir verzichten können.“ Von einem „Ideensteinbruch“ spricht hingegen Dr. Ursula Funke (Fachhochschule Frankfurt und von 1990 bis 1991 Arbeits- und Sozialministerin in Rheinland-Pfalz). Sie leitet das ehrgeizige Projekt.

Bereiche Soziales, Wohnen, Kultur und Wirtschaft

Nach der Auftaktveranstaltung am 18. Juni waren vier Arbeitsgruppen zu den Bereichen Soziales, Wohnen, Kultur und Wirtschaft mit jeweils diversen Untergruppen gebildet worden, die zweimal tagten und Textentwürfe erarbeiteten. Danach kamen die beiden Sprecher jeder der vier Arbeitsgruppe zusammen. Nach weiteren Sitzungsrunden steht der Entwurf zum Leitbild nun fest. Dieser ist eine Beschreibung des aktuellen Zustands mit Stärken und Schwächen. Und er formuliert Zukunftsvisionen. Der Entwurf greift große Themen auf (Leerstände von Geschäften und Gewerbeimmobilien), streift aber auch kleinere Ärgernisse mit großen Folgen (zu schmale Gehwege in den Ortskernen).

Das Papier liegt der Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung am 4. Dezember zur Beschlussfassung vor. Beschlossen werden allerdings nicht die vorgeschlagenen Maßnahmen, sondern lediglich das Leitbild als grobes Raster. Danach geht die Entwicklung dieser Vorstellungen weiter. Für Projekte werden noch Paten gesucht.

Beispiele aus dem Leitbildentwurf:

- Soziales: Der öffentliche Raum ist nich ausreichend barrierefrei. Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung ist verbesserungswürdig. Rödermark soll offen sein für sämtliche Belange, die Demenz betreffen.

- Familie, Kinder: Das Betreuungsangebot für unter Dreijährige soll ausgebaut werden. Es müssen mehr Freizeitangebote für die ganze Familie geschaffen werden.

- Jugend: Das breite Angebot der Vereine, Kirchen und anderen Gruppen ist eine große Stärke von Rödermark. Trotzdem vermissen Jugendliche Plätze als zwanglose Treffs. Es fehlt vor allem ein abendliches Freizeitangebot.

- Senioren: Vor allem im Breidert, in Waldacker und Messenhausen fehlt es an wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten. Auch sollte es mehr seniorengerechte Wohnungen geben.

- Gesundheit: Das Badehaus wird sehr geschätzt. Manche Arztpraxen sind für ältere Menschen schlecht erreichbar. Es fehlen Fachärzte (insbesondere Kinderarzt).

- Wohnen: Es fehlt eine koordinierte Bauleitplanung in weiten Teilen der Ortskerne.

- Verkehr: Gutes Fahrradwegenetz, ausreichend kostenfreie Parkplätze - sowohl beim Einkauf als auch zuhause vor der Haustür. Aber viele Bürgersteige sind zu schmal. Der Durchgangsverkehr muss weniger werden.

- Kultur: Es gibt zu wenige Kulturangebote für Jugendliche. Es sollten ein Haus der Künste mit Kultur-Café und ein Open-Air-Platz entstehen. Mehr Kunst im öffentlichen Raum!

- Wirtschaft: Der Branchenmix und die Qualität lokaler Dienstleistungen sind gut. Das Angebot an Arbeitsplätzen ist aber noch zu gering. Auch ist die Ansiedlung neuer Unternehmen bislang nicht ausreichend gelungen. Freie Gewerbebrachen müssen schneller wiederbesetzt werden. Es muss noch mehr Hilfen für Firmengründer geben. Es fehlt Rödermark ein Alleinstellungsmerkmal, um im Wettstreit der Kommunen um Firmen einen Vorteil zu haben.

- Einzelhandel: Mit den Einkaufsmöglichkeiten sind die Bürger mehrheitlich zufrieden. Die Ortskerne erfüllen allerdings nicht die Erwartungen an attraktive Lagen. Es sollte ein Runder Tisch „Gewerbe, Stadt, Politik“ gegründet werden.

Quelle: op-online.de

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