25 Jahre Hilfsorganisation „HAND in HAND“

Lichtblicke im indischen Elend

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Ehrenbürgermeister Alfons Maurer ist Pate dieses Fischerbootes. Er hatte zu seinem 65. Geburtstag um Spenden für die Opfer des Weihnachts-Tsunamis 2004 gebeten.

Ober-Roden - Mehr als 2,5 Millionen Euro hat die Hilfsorganisation „HAND in HAND“ in den vergangenen 25 Jahren für die Ärmsten der Armen in Indien gesammelt. Gründer und Vorsitzender ist Ober-Rodens katholischer Pfarrer Elmar Jung. Von Michael Löw

Deshalb wird das Jubiläum am 22. April auch im Forum St. Nazarius gefeiert. Indien ist ein ebenso riesiges wie gespaltenes Land. Rund 300 Millionen seiner 1,35 Milliarden Einwohner haben heute genug Geld für Autos, Auslandsreisen und ähnliche westliche Annehmlichkeiten. Von den übrigen mehr als eine Milliarde Indern leben wiederum mehrere hundert Millionen in Armut und bitterstem Elend. Einigen Tausend hat die Hilfsorganisation „HAND in HAND“ ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Elmar Jung, seit 1996 Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Nazarius, hat sie am 31. Oktober 1992 mit 30 Gleichgesinnten gegründet.

Elmar Jung war 1985 erstmals in Indien. Mit seinem indischen Studienfreund Joseph reiste er zum Welttreffen der Taizé-Jugend nach Madras. „Ich war einer von vielleicht 800 Europäern inmitten von 20 000 Indern“, hat Jung seine ersten Eindrücke von damals noch heute vorm Auge. Und er bekennt: „Eigentlich hatte ich Angst vor diesem Land, denn wenige Monate zuvor kamen zwei Bekannte von mir nach einem Indien-Aufenthalt lebengefährlich erkrankt zurück.“ Er wagte die Reise dennoch.

Einer der ersten Menschen, die Elmar Jung traf, war Krishna. Polio, also Kinderlähmung, hatte den kleinen Jungen zum Krüppel gemacht, der sich bettelnd auf allen Vieren durch einen schmutzigen Bahnhof schleppte. Jung nahm sich seiner an. Er spricht von „geistiger Adoption“, eine engere Bindung ist katholischen Geistlichen nicht erlaubt. Krishna hat über die Jahre laufen gelernt und kann als Schneider für sein Auskommen sorgen.

Von der persönlichen Hilfe war"s nur ein kleiner Schritt zur organisierten Hilfe, „HAND in HAND“ war geboren. Es ist ein David unter den Hilfsorganisationen. Aber genau das garantiert, dass jeder Euro den Elmar Jung und seine Vorstandskollegen Claudia van der Beets, Bernd Beetz, Angelika Billing und Angelika Ehresmann-Schrod in ganz Deutschland sammeln, auch in Indien ankommt.

Die Hilfe hat sich in 25 Jahren auf 2,535 Millionen Euro summiert, vieles davon kam und kommt aus Ober-Roden. Mehr als 900 Projekte wurden gefördert. Als Rödermarks früherer Bürgermeister Alfons Maurer am 15. Februar 2005 seinen 65. Geburtstag feierte, bat er um Spenden für ein Fischerboot. Wenige Monate vorher hatte der verheerende Tsunami die indische Südostküste überschwemmt und fast 10 000 Menschen in den Tod gerissen. Weit mehr (Fischer-)Familien verloren ihre Existenzgrundlage. Eine von ihnen geht jetzt mit „Alfons 65“ wieder auf Fang.

Das orange-grüne Boot ist aber nicht die einzige handfeste Hilfe aus Ober-Roden. Johann Withelm, der im vorigen Sommer gestorbene Ortschronist, hat 2016 ein Haus finanziert. Das hat in Rödermark Tradition, denn mehr als 1 250 Euro braucht es in Indien nicht, um Familien aus den untersten Kasten, zu einem regen- und ungeziefersicheren Heim zu verhelfen. Die Liste lässt sich fortsetzen, wie der Artikel „Gute Taten“ zeigt.

Elmar Jung hat 37 Indien-Reisen unternommen und bezeichnet das Land als seine zweite Heimat. Er hat in all den Jahren unbeschreibliches Elend gesehen: ein kleiner Junge, der mit einer Porzellanscherbe Essensreste aus dem Straßenmüll gekratzt hat. Aber er hat auch unzählige Zeichen der Hoffnung erlebt. In Dharavi half er ein Baby zur Welt zu bringen. Dharavi ist die größte Slumsiedlung der Welt - sieben Mal so groß wie Frankfurt.

Der 25. Geburtstag von „HAND in HAND“ wird leicht verspätet am Sonntag, 22. April, ab 15 Uhr im Forum St. Nazarius gefeiert. Die Laudation hält Jürgen Harrer, Pressesprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Am Gründungstag, dem 31. Oktober 2017, stand das Reformationsjubiläum an. Jung: „Da wollten wir nicht stören!“

Quelle: op-online.de

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