Schule an den Linden und Autoclub Europa werben fürs Zu-Fuß-Gehen

Rödermark: Lieber „Laufbus“ als Mama-Papa-Taxi

Vor gut einem Jahr, zum Start des Schuljahres 2019/2020, hatte der Autoclub Europa (ACE) die Elterntaxis vor der Schule an den Linden in Rödermark-Urberach ins Visier genommen. Ergebnis: ein Chaos, wie vor vielen anderen Schulen auch. Doch Schulleiterin Andrea Schöps und Volker Schork, der ACE-Beauftragte für Hessen, ließen‘s nicht bei dieser frustrierenden Feststellung bleiben. Gemeinsam mit der Stadt suchten sie Möglichkeiten, den Schulweg sicherer und damit als Lauf-Weg interessanter zu machen. Der Bauhof schnitt etliche Sträucher zurück, die Bürgersteige eingeengt haben.

Rödermark - Auch viele Eltern aus der Schule an den Linden haben mitgezogen, um das Taxi Mama oder Papa aus der Töpferstraße rauszuhalten. Die der Erstklässler haben „Laufbusse“ organisiert: Die Kinder treffen sich an Haltestellen in der Nähe ihres Zuhauses und gehen in der Gruppe unter Aufsicht zur Schule.

Die Resonanz war größer als erwartet. Volker Schork und Kreisvorstand Günter Knoll ehrten die Klassen, die die meisten „Buskilometer“ gesammelt haben. Während der Aktionswoche „Zu Fuß zur Schule“ lag die „Laufbus“-Quote in der 3b und die 4b bei 100 Prozent. Kein Kind wurde mit dem Auto zur Schule gebracht. Die Klasse 1d kam auf 94,5 Prozent, die 4c auf 92,8 Prozent. Der ACE spendierte ihnen knallgelbe Warnwesten mit dem Aufdruck „Goodbye Elterntaxi!“ Schork hofft, nächstes Jahr auch die Ober-Röder Grundschulen fürs Mitmachen zu begeistern.

Referendarin Stina Müller hat derweil eine Umfrage unter Eltern angekurbelt. Sie konnten angeben, wie ihre Kinder in die Schule kommen und ob sie wirklich ein gutes Gefühl haben, wenn die Kinder zu Fuß unterwegs sind. 76 Fragebögen kamen zurück – eine gute Bilanz bei knapp 400 Kindern.

Die Frage, wie das Kind zur Schule kommt, beantworteten 63 Prozent der Eltern mit „Zu Fuß“. Das Auto ist morgens nur für 21 Prozent das Transportmittel Nummer eins. Mittags haben Eltern offenbar mehr Zeit, die Kinder im Taxi Mama oder Papa abzuholen: Dann steigt die Autoquote auf 41 Prozent.

Schlechtes Wetter ist der Hauptgrund, das Auto für den Schulweg zu benutzen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Entfernung und die fehlende Zeit. Kein Thema ist zum Glück die Angst vor Unfällen oder Übergriffen. So etwas befürchten nur knapp vier Prozent.

Andererseits machen sich viele Eltern Gedanken, wenn ihr Kind alleine zur Schule geht. Fast die Hälfte tut"s immer oder häufig. Unbesorgt sind etwas weniger als 40 Prozent.

Außerhalb der Statistik konnten die Eltern Forderungen, Wünsche oder ganz einfache Feststellungen loswerden. Eine Mutter schrieb zum Beispiel: „Eltern werden schnell verurteilt als Elterntaxis. Aber nicht alle Eltern sind bequem oder trauen ihren Kindern nichts zu; es gibt auch berechtigte Ängste.“

Eine dieser Sorgen sind die vielen Autos vor der Schule. In dieses Durcheinander wollen etliche Eltern ihre Kinder nicht zu Fuß schicken... (Michael Löw)

Rödermark: Ein wildes Durcheinander von Autos, Fußgängern, Rollerfahrern und Radlern herrscht morgens vor der Urberacher Grundschule.

Rubriklistenbild: © Michael Löw

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