100 Bücher auf engstem Raum

+
Aus den Händen von Heinz Diederichs, der das ausrangierte Telefonhäuschen bei einem Odenwaldbauern aufgetrieben hatte, bekam Bürgermeister Roland Kern (links) den Schlüssel, um die symbolische Kette rund um den neuen öffentlichen Bücherschrank zu lösen.

Ober-Roden (chz) - Anfangs war es nur eine schöne Idee, jetzt ist es ein willkommener Beitrag zur Rödermärker Stadtkultur: der erste öffentliche Bücherschrank in der näheren Umgebung.

Heinz Weber hatte die Idee 2009 aus dem Urlaub mitgebracht, der Seniorenbeirat hat sie weitergetragen, und die Initiative „Wir sind Breidert“ hat sie verwirklicht.

„Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele“ schrieb schon Cicero – im neuen öffentlichen Bücherschrank, der auf der Grünfläche vor dem Ärztehaus eingeweiht wurde, gibt’s demnach viel Seele in wenig Körper: gut 100 Bücher auf engstem Raum, und das Ganze sogar freundlich beleuchtet.

Grundsätzen treu geblieben

„Wir sind dabei unseren Grundsätzen treu geblieben“, freut sich Breidert-Aktivist Karlheinz Weber. „Der Bücherschrank ist wie unsere Initiative auch interkulturell und multiethnisch - neben deutschsprachigen Büchern gibt es auch Bücher in den Sprachen anderer Kulturkreise. Außerdem wurde miteinander etwas füreinander gemacht“.

Nebenbei werden die Bemühungen der Stadt unterstützt, den CO²-Ausstoß zu reduzieren. Die Energie für die Beleuchtung kommt von der Photovoltaikzelle, welche die HSE-Ausbildungsabteilung eingebaut hat.

Die Initiative dankt aber nicht nur für diese Arbeiten, sondern allen, die durch Spenden oder durch aktiven Einsatz zum Gelingen der Einrichtung und zur Eröffnungsfeier beigetragen haben. Viele Stunden der Planung stecken dahinter, der köcherschrank oder-roden

rperlichen Arbeit oder der Spendenbeschaffung. Sehr zur Freude nicht nur der Breidert-Bürger steht da nun auch eine Bank, auf der es sich prächtig lesen lässt. Das Schild darauf weist die Sparkasse Dieburg als Spender aus, deren Vertreter Manfred Nessler und Hans-Peter Schmücker zur Eröffnung dafür auch einen Scheck im Gepäck hatten.

Rödermarks Treffpunkt für geistige Leistungen

Bürgermeister Roland Kern (mit einem Exemplar des „Dadderich“ als Mitbringsel im Gepäck) freute sich bei dem kleinen Bürgerfest, dass Rödermark nun einen neuen Treffpunkt für geistige Leistungen und ein weiteres Beispiel für gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit hat. „Der Bücherschrank ist in sich schon ein Original: die erste solarbetriebene Telefonzelle – von Zelle zu Zelle quasi“ - rund um die Uhr und kostenlos!

Ein wunderschönes Plätzchen im Baum: Jake, sechs Jahre jung, auch wenn er noch nicht lesen kann.

Auch Moritz Hoffmann von Entega war Gast der kleinen Feier: „Die Bücherzelle ist ein tolles Beispiel für Nachbarschaftspflege, an der wir gerne mitgewirkt haben, zumal wir unter unseren Auszubildenden auch welche aus Rödermark haben, die hier am Ausbau beteiligt waren.“

Eine Breidert-Bewohnerin brachte gleich einen Umschlag mit einer Spende vorbei, die sie am Vortag anstelle von Geburtstagsgeschenken gesammelt hatte.

Mitbringsel hatten auch einige Mitglieder des Deutsch-türkischen Freundschaftsvereins dabei: rund 30 Bücher in türkischer Sprache, damit türkischstämmige Familien auch Literatur in ihrer Heimatsprache vorfinden. Und prompt waren es Harun (10) und Dennis (12), der eine mit afghanischen Wurzeln, der andere mit russischen, die schon darauf gelauert hatten, wann Bürgermeister Roland Kern gemeinsam mit Heinz Diederichs von der Initiative „Wir sind Breidert“ endlich die symbolische Kette löste, um als erste die Bücherzelle zu stürmen.

Gelbe Neuerung wurde gefeiert

80 bis 100 Besucher feierten rund um die gelbe Neuerung bis in den Abend hinein und zeigten, auf wie engem Raum man doch mit einigen engagierten Organisatoren ein (relativ) spontanes Fest feiern kann.

Bleibt zu wünschen, dass der öffentliche Bücherschrank nicht nur gut genutzt, sondern auch geachtet wird; die angebrachte Tafel erläutert die Spielregeln: Kostenlos und rund um die Uhr geöffnet; wer ein Buch herausnimmt, bringt es später wieder oder stellt ein anderes Buch ein: „Gewährleisten Sie damit einen vielfältigen Bestand!“

Das ist zur Zeit wirklich der Fall: von Lyrik bis Science Fiction, vom Klassiker bis zur Trivialliteratur, von Reiseberichten bis Malerei – das alles findet sich auf den fünf Regalbrettern dicht gedrängt und gut überschaubar.

Quelle: op-online.de

Kommentare