Lkw-Schleichweg Nummer zwei

Viele Lkw-Fahrer ignorieren Verbotsschild an Frankfurter Straße

Darf er? Oder darf er nicht? Ein Schild am Rödermarkring regelt eindeutig, dass Lastwagen nur dann auf die Frankfurter Straße abbiegen dürfen, wenn sie ihre Ladung in Ober-Roden abliefern wollen. Norbert Kern, der seit einem Jahr gegen den Lkw-Schleichverkehr rund um die „Kipferl“-Kreuzung mobil macht, schätzt, dass täglich zwischen 20 und 30 Brummern gegen das Durchfahrtsverbot verstoßen. 
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Darf er? Oder darf er nicht? Ein Schild am Rödermarkring regelt eindeutig, dass Lastwagen nur dann auf die Frankfurter Straße abbiegen dürfen, wenn sie ihre Ladung in Ober-Roden abliefern wollen. Norbert Kern, der seit einem Jahr gegen den Lkw-Schleichverkehr rund um die „Kipferl“-Kreuzung mobil macht, schätzt, dass täglich zwischen 20 und 30 Brummern gegen das Durchfahrtsverbot verstoßen.

Norbert Kern, unverdrossener Kämpfer gegen den Lkw-Schleichverkehr im Norden von Ober-Roden, hat eine zweite Front eröffnet.

Ober-Roden –  Seine Hauptgegner sind nach wie vor Schwerlaster, die den Weg von der A 5 bei Langen auf die A 3 bei Seligenstadt über die L 3097 – und damit die „Kipferl“-Kreuzung in Ober-Roden (Rödermark) – abkürzen. Diese täglich rund 120 Lkw würde Kern gern über den Rödermarkring und die B 45 umleiten. Eine planerisch und juristisch wasserdichte Lösung gibt es laut Stadt aber nicht.

Eindeutig sind dagegen die Verkehrsregeln für die Frankfurter Straße, die von Norden auf die „Kipferl“-Kreuzung führt. Am Abzweig der Frankfurter Straße vom Rödermarkring hängen Schilder, die Lastwagen die Einfahrt verbieten – Ausnahme: Lieferverkehr. Kern schätzt, dass jeden Tag zwischen 20 und 30 Lkw dieses Verbot missachten. Sie fahren ohne Entlade- oder Tankstopp am Friedhof vorbei und biegen an der „Kipferl“-Kreuzung links ab; ebenfalls ohne anzuhalten.

Ober-Roden: Kern kritisiert mangelnde Kontrollen

Norbert Kern wundert"s nicht: Auf dem Weg nach Rollwald gibt es so gut wie keine Firmen, die täglich 20 bis 30 Lkw-Ladungen Material benötigen.

Zehn dieser Sünder hat Kern zwischen dem 21. und 26. November fotografiert und gestern mit den Bildern bei der Stadt gemeldet. Die nimmt er aus zweierlei Gründen in die Pflicht: Zum einen sind"s natürlich die Verkehrsregeln, für deren Kontrolle die kommunale Ordnungspolizei zuständig ist. Außerdem führt Kern das 2012 mit großer Bürgerbeteiligung und wissenschaftlicher Begleitung beschlossene Stadtleitbild an. Auf Seite sieben steht die Forderung nach mehr Überwachung des illegalen Lkw-Verkehrs. „Aber obwohl ich täglich mehrfach die Frankfurter Straße Richtung B 459, den Rödermarkring, befahre, habe ich bisher noch ein Kontrollauto der Stadt entdeckt“, kritisiert er.

Kerns Argumente gegen die 20 bis 30 Abkürzer von der Frankfurter Straße sind die gleichen wie die gegen die 120 Zeitsparer auf der L 3097: höhere Lärm- und Feinstaubbelastung für die Anwohner, steigende Unfallgefahr für mehrere hundert Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu Nell-Breuning-Schule.

Ober-Roden: Stadträtin findet Initiative „nicht unangenehm“

Der Ersten Stadträtin Andrea Schülner ist die Initiative aus Ober-Roden „nicht unangenehm“. „Wir nehmen Anregungen aus der Bevölkerung gerne an“, sagte sie gestern Mittag im Gespräch mit unserer Zeitung. Die sparsam besetzte Ordnungspolizei könne schließlich nicht überall sein.

Damit das Verfahren verwaltungskonform abläuft, ließ sie Kern die passenden Formulare schicken. Denn Verstöße gegen das Lkw-Fahrverbot sind keine Ordnungswidrigkeit – das wäre Sache der Stadt –, sondern werden mit einem Bußgeld geahndet. Dafür ist das Regierungspräsidium Kassel zuständig.

Auch für Norbert Kerns Hauptanliegen, den Schleichverkehr über die L 3097, hat die Erste Stadträtin Verständnis. Die geforderte Umleitung über Rödermarkring und B 45 kann sie aber trotzdem nicht einfach anordnen. Denn die Landesbehörde Hessen Mobil hat am 21. November mitgeteilt, dass sie die städtischen Zählungen, die sich mit Kerns Schätzungen decken, für nicht relevant hält. Mit 65,4 (Tag) beziehungsweise 56,5 dBA (Nacht) liegt der Verkehrslärm an der „Kipferl“-Kreuzung laut Hessen Mobil selbst unter den Grenzwerten, die in reinen Wohngebieten gelten: 70 beziehungsweise 60 dBA.

Stadträtin Schülner will sich damit nicht zufriedengeben und den Schleichverkehr bei der Verkehrsschau mit Hessen Mobil, Kreis und Polizei am 11. Dezember erneut zum Thema machen. Ihre Hoffnung: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

VON MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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