Lockvögel auf dem Rathausdach

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Die Guten: Züchterin Simone Lotz hat zwei Brieftauben-Pärchen als Lockvögel in den Schlag auf dem Rathaus gesetzt. Futter allein genügt nicht gegen gefiederte Plagegeister, die im Nazarius-Kirchturm schon längst nicht mehr landen können.

Ober-Roden ‐ Die Stadt Rödermark hat nun doch 2000 Euro Steuergeld investiert und auf dem Rathaus Ober-Roden einen Taubenschlag gebaut, um der Taubenplage im Ortszentrum Herr zu werden. Lockvögel und Futter sollen ihn für rund 300 ausgewilderte Haustauben attraktiv machen. Von Michael Löw

Die Rollen unter den gefiederten Akteuren im Ober-Röder Taubenstreit sind jetzt klar verteilt. Seit Sommer gibt‘s die Bösen, die in Schwärmen über den Ortskern fliegen und ihre Hinterlassenschaften auf Balkone, Fensterbänke, Autos, Dächer und Straßen platschen lassen. Diese Woche nun kamen die Guten dazu: Vier Rasse-Brieftauben der Urberacher Züchterin Simone Lotz stehen als Lockvögel in städtischen Diensten und gurren Reklame für den Taubenschlag auf dem Ober-Röder Rathausdach.

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Der ist ebenfalls neu - vorigen Freitag hat Simone Lotz ihn mit Unterstützung eines Experten aus Recklinghausen - da oben aufgebaut. Die Weibchen der grob geschätzten 300 verwilderten Tauben sollen den Schlag anfliegen und dort ihre Eier legen. Die werden sofort gegen Attrappen aus Gips oder Plastik ausgetauscht, aber von den Müttern eifrig bebrütet. Solange sie das tun, legen sie keine neuen Eier, der Schwarm reduziert sich auf die sanfte Art und Weise.

Trotz Nistplatz und Taubenklo keine Verbesserung

Soweit jedenfalls die Theorie, die in Wiesbaden, Karlsruhe und anderen Städten schon Erfolg hatte, in Offenbach jedoch ihre Wirkung verfehlte. An einer Bahnunterführung sollte ein Bauwagen Nistplatz und Taubenklo in einem sein. Die Straßen sind trotzdem keinen Deut sauberer.

„Wir in Rödermark haben das halt einer Expertin überlassen“, übt Simone Lotz, die in der Wohngeldstelle arbeitet, allenfalls sachte Kritik an der Offenbacher Aktion „Besser leben“, deren Bauwagen nicht von einer Züchterin betreut wurde. Diese Tradition reicht im Hause Lotz mehr als 100 Jahre zurück.

Lotz mahnt zur Geduld

Aber Erfahrung allein reicht nicht. Ein Bauwagen mit ein paar Einflugluken und Futtertrögen drinnen, wie er auch als Lösung für die Ober-Röder Taubenplage diskutiert wurde, ist nach Ansicht von Simone Lotz zu wenig.

„Viele denken jetzt, der Schlag steht hier, und in Nullkommanix sind auch die Tauben hier. Aber das geht nicht so schnell“, mahnt Simone Lotz zu Geduld. Die Tauben finden vielerorts noch Futter, an die städtische Speisung müssen sie sich nach und nach gewöhnen.

Der Taubenschlag, der eigens für die Stadt konstruiert wurde, kostete nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern (AL) 2000 Euro. Das Geld stammt aus dem Topf, aus dem die Beschilderung der Gewerbegebiete finanziert wird - sicherlich ein weiteres Lockmittel für Tauben, deren Orientierungssinn bekanntlich legendär ist.

Quelle: op-online.de

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